Eine Jazz-Legende, die auch Mozart spielte

Der unvergessene König des Swing

Vor 100 Jahren wurde der Klarinettist Benny Goodman geboren. Er machte die Musik der schwarzen Amerikaner auch bei den Weißen populär.

Benny Goodman (1909-1986) gilt in der Geschichte der Jazzmusik als Traditionalist: Er verkörpert die Ära des Swing in den 30er- und 40er-Jahren. Der moderne Jazz, beginnend mit Charly Parker und Miles Davis, kam nach ihm. Trotzdem gilt Goodman noch heute als einer der wichtigsten Musiker des Jazz – und zu seiner Zeit war er ein Avantgardist. Vor 100 Jahren, am 30. Mai 1909, wurde Benny Goodman in Chicago geboren.

Er hat den Jazz, die Musik der schwarzen Amerikaner, durch den populären Swing zum großen Publikum hin geöffnet. Das legendäre Konzert in der New Yorker Carnegie Hall am 16. Januar 1938 ist ein geradezu symbolhafter Ausdruck für diese Entwicklung: Zum ersten Mal erklingt Jazz im Tempel der klassischen Musik.

Goodman hat als erster Orchesterleiter weiße und schwarze Musiker in einer Big Band vereint, in den 30er Jahren eine geradezu revolutionäre Tat. Und er hat sich als erster Jazzmusiker auch für die klassische und moderne Konzertmusik interessiert, hat Mozarts Klarinettenquintett und sein Klarinettenkonzert gespielt und Kompositionsaufträge an Béla Bartók, Paul Hindemith und Aaron Copland erteilt.

Benny Goodman war ein herausragender Klarinettist für Jazz und Klassik. Kritiker bescheinigten ihm, er sei in eine neue technische Dimension seines Instruments vorgedrungen, mit eleganter Phrasierung, müheloser Brillanz und einem lupenreinen Ton. Das konnte man schon beim jungen Goodman erkennen.

Geboren als Benjamin David Goodman in Chicago als Spross einer russisch-jüdischen Einwandererfamilie wuchs er in einem musikalischen Milieu auf. Von seinem zehnten Lebensjahr an hatte er Musikunterricht. Aber, so erinnerte sich der Saxofonist Bud Freeman, Goodman sei „als Zehnjähriger schon weit mehr Profi gewesen als jeder andere von uns.“

Vom Jahr 1925 an spielte er in Big Bands und in wechselnden Formationen, nahm auch erste Platten auf. In den frühen 30er Jahren, Goodman lebte mittlerweile in New York, war er schon Partner der Sängerinnen Billy Holiday und Bessie Smith. 1934 gründete er seine erste eigene Big Band, die 1935 im Palomar Ballroom von Los Angeles ihren ersten großen Erfolg feierte. Damit begann Goodmans steile Karriere.

Er leitete aber nicht nur große Formationen, sondern gründete auch kleine: Zuerst ein Trio mit dem Drummer Gene Krupa und dem Pianisten Teddy Wilson, das bald durch Lionel Hampton am Vibrafon zum Quartett erweitert wurde. Vier stilbildende Solisten der Swing-Ära hatten sich hier getroffen, ihre Musik ist vital und auch durch spätere Entwicklungen im Jazz nicht überholt worden. Wenn man einen der größten Big-Band-Erfolge Goodmans hört, „Sing, Sing, Sing“, aufgenommen am 6. Juli 1937 in Hollywood, staunt man über die Energie, ja die Modernität, die dieses knapp neun Minuten lange Stück auch heute noch vermittelt – getragen vor allem durch den Drive des Schlagzeugers Gene Krupa.

Auch als der Swing durch den Be Bop und den Cool Jazz abgelöst war, blieb Goodman populär. Und er tat alles, damit es so blieb. Er tourte mit verschiedenen Big Bands durch Europa und Asien. 1955 spielte er den Soundtrack für den nur musikalisch überzeugenden Hollywood-Film „The Benny Goodman Story“ ein. Er nahm neue Platten auf und gastierte 1962, mitten im Kalten Krieg, in der Sowjetunion. Erst in seinen letzten Lebensjahren trat er aus Gesundheitsgründen seltener auf. Benny Goodman starb am 13. Juni 1986 in New York.

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