Berlin. Dass sie erst 21 Jahre alt ist, vergessen ihre Kollegen oft. Die Rapperin Badmómzjay hat bereits viele Erfolge zu verzeichnen: Unternehmensgründung, zahlreiche Preise und jetzt ihr zweites Album. Darin geht es vor allem ums Überleben.

„Das zweite Album ist das Fundament zu meinem Thron“, rappt Badmómzjay selbstbewusst auf dem Intro zu ihrer neuen Platte „Survival Mode“. In der Musikbranche heißt es oftmals, das zweite Album ist das wichtigste und entscheidend für die weitere Karriere. Das hatte Badmómzjay im Kopf, wie sie der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagt. „Ich habe mir selber Druck bei dem Album gemacht, weil ich wusste, das zweite entscheidet darüber, ob die Leute sich das dritte anhören.“

Der wachsende Druck während der Albumentstehung ist aber nicht das, was die 21-Jährige in dieser Zeit am meisten fordert. Das Leben der Musikerin ist seit zwei Jahren sehr trubelig: Sie gründet ihr eigenes Beauty-Unternehmen, gewinnt viele Preise und ist in zahlreichen Shows sowie auf dem Cover der deutschen Vogue zu sehen. Währenddessen tourt sie mit ihrem ersten Album und produziert schon das zweite.

Was für sie bei dem Album sehr zum „Survival Mode“ (dt.: „Überlebensmodus“) wird, ist das Verlieren von ihrem Zuhause, wie sie sagt. „Du hast nur deinen Koffer, deine Leute, den Tourbus, ein Flugzeug, einen Zug, aber du hast keinen Ort, wo du hingehst.“ Wenn sie lange nicht in ihren vier Wänden ist, fühlt sie sich dort schnell fremd. „Du kommst immer wieder mit deinem Koffer in dein Zuhause, so als würdest du da gar nicht wohnen“, sagt Badmómzjay.

Sich im Überlebensmodus zu befinden - das scheint für die 21-Jährige generell nicht neu zu sein. Denn auf dem Intro rappt sie weiter: „Keiner sieht seit zehn Jahren stecke ich im Survival Mode“.

Aus schwierigen Verhältnissen

Mit ihrer Schwester und alleinerziehenden Mutter wächst die als Jordan Napieray geborene Rapperin in Brandenburg an der Havel auf. „Ich bin kaum mit Dingen aufgewachsen, in schwierigen Verhältnissen, mit nicht viel Geld“, erzählt sie.

Badmómzjay wirkt nahbar und bodenständig. „Ich habe einfach nie vergessen, wo ich herkomme und da bin ich auch sehr stolz drauf.“ Dennoch weiß sie, was sie kann und kann ganz unbescheiden sagen: „Ich weiß, dass ich krass bin, aber wenn jemand anderes krass ist, dann weiß ich das auch.“

Auf „Survival Mode“ sind unterschiedliche Feature-Gäste zu hören. Von Rap-Legende Kool Savas („Airplanes“) über die erfolgreiche Newcomerin Domiziana („Auf die Party“) bis hin zu gestandenen Künstlerinnen und Künstlern in der Szene wie Juju („Mh Mh“) sowie Takt32 und Vito („4 Life“). Als die Rapperin „Survival Mode“ am Donnerstag in Berlin zum ersten Mal vor etwa 250 jungen Menschen live präsentierte, waren einige der Feature-Gäste auch da. Rund zwei Stunden präsentierte sich Badmómzjay als Stimme ihrer Generation und setzte immer wieder Statements gegen Vorurteile, Sexismus und Klischees.

So vielseitig wie die Gäste ist auch die Platte. Die 21-Jährige bedient harten Rap, singt in schöner Pop-Stimme und tobt sich sogar auf Techno-Beats aus. „Es gab einfach superviele Höhen und Tiefen und man ist durch superviele emotionale Lagen gegangen, da kam man gar nicht drum herum, dass sich manche Songs anders anhören als Rap.“

Alte Seelen

In der Zusammenarbeit wird der 21-Jährigen oft gesagt, sie wirke sehr viel reifer als für ihr Alter üblich. Aber ist es nicht nervig und anstrengend, wenn man sich nicht auch mal dem Alter entsprechend verhalten kann - auch mal unreif und naiv? „Mich regt es nur auf, wenn Leute dann vergessen, wie alt ich wirklich bin. Es ist cool, dass du denkst, dass ich fast 30 bin, aber in manchen Situationen, vor allem wenn es um Druck geht, sollte man trotzdem checken, dass ich erst 21 bin“, sagt die Rapperin.

Sie erzählt, dass sie schon seit dem Kindesalter hört, dass sie eigentlich viel zu reif sei. „Ich glaube, es gibt so alte Seelen und meine Mama meinte auch immer: "Du warst locker schon 80 Mal auf dieser Welt".“

Alles scheint, als sei die Karriere der 21-Jährigen nach diesem Album nicht vorbei. Erst kürzlich war sie für den Bambi nominiert. Und was ist mit dem Zuhause? „Vielleicht muss ich das mal anders betrachten. Vielleicht sind es echt einfach die Menschen, die mein Zuhause sind und kein Ort“, stellt sie fest. „Ich meine, Dinge verändern sich ja auch. Manche Orte, an denen du früher immer warst, die sind einfach nicht mehr da und man muss das loslassen.“