Berlin. Ozzy Osbourne hat es derzeit nicht leicht: Der Musiker wurde mehrfach operiert, leidet an Parkinson und hadert mit seiner Wahlheimat USA. Ob er sich darum in seinem neuen Album zum «Patienten» macht?

Ozzy Osbourne ist heute, mit 73 Jahren, nicht mehr gesund. Er kuriert sich von einer Wirbelsäulen-Operation, leidet an Parkinson - und musste auch ansonsten lernen, dass ein halbes Jahrhundert ausuferndes Rockstar-Leben möglicherweise irgendwann seinen Tribut fordert.

«Patient Number 9» heißt sein neues Album. Es ist das zweite in nur etwas mehr als zwei Jahren. Erst 2020 war - nach damals zehnjähriger Pause - Osbournes Album mit dem völlig untertreibenden Titel «Ordinary Man» erschienen - kurz nachdem falsche Gerüchte die Runde gemacht hatte, die Rocklegende liege im Sterben.

Auch wenn es in dem Titelsong von «Patient Number 9» nicht um körperliche Gebrechen geht, sondern um psychische, scheint er gut zu passen zu Osbourne und seiner derzeitigen Situation.

Mühsamer Weg zurück

«Die Wirbelsäulenoperation hat mich ziemlich niedergestreckt. Ich kämpfe mich sehr mühsam zurück», sagte der frühere Frontmann der legendären Band Black Sabbath kürzlich in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung».

«Ich stehe auf. Ich frühstücke. Ich schlucke eine beachtliche Menge an Pillen - gegen die Schmerzen, gegen die verdammte Parkinson-Krankheit, gegen Verstopfungen, Nervenschmerzen, gegen was weiß ich was. Es ist ein Graus.»

Davon, dass es ihm oft schlecht zu gehen scheint, zeugt allerdings höchstens der insgesamt eher melancholische Stil des neues Albums, auf dem er von tausend verschiedenen Schattierungen der Dunkelheit («A Thousand Shades») singt oder davon, tot und weg zu sein («Dead And Gone»).

Insgesamt ist die Platte aber größtenteils immer noch das, was die Fangemeinde erwarten dürfte vom selbsterklärten Fürsten der Finsternis. Seine immer etwas krächzende Stimme wirkt ungebrochen kraftvoll und die Musik klingt, wie sie eben seit Jahren klingt bei Ozzy: markant und melodisch, temporeich, krachend und bei aller Härte eingängig, ohne gefällig zu sein.

Prominente Gäste

Dazu, dass das Album keineswegs wirkt wie ein müdes Alterswerk, tragen auch die Gäste bei, die Osbourne eingeladen hat: von Gitarrist Jeck Beck über Ozzys Black-Sabbath-Kollegen Tony Iommi bis hin zu Eric Clapton. Auch Duff McKagan von Guns N' Roses hat mitgemacht - ebenso wie der im März gestorbene Foo-Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins.

Zuletzt hatte Osbourne seine lange geplante Abschiedstournee mit dem bezeichnenden Titel «No More Tours 2» erst wegen Corona und dann aus gesundheitlichen Gründen mehrfach verschieben müssen. Doch es gibt Hoffnung, dass sie auch irgendwann noch einmal live zu hören sein wird, die neue Platte. Für das kommende Jahr sind fünf Konzerte in Deutschland geplant. Wenn es dazu kommt, wird Osbourne im Mai in Dortmund, München, Hamburg, Mannheim und Berlin auf der Bühne stehen.

Zurück nach England

«Ihr habt noch nicht das Ende von Ozzy Osbourne gesehen, das verspreche ich euch», sagte der Sänger dem «Observer» in London, dem er auch verriet, dass er nicht länger in den USA leben und zurück nach England ziehen will «Es ist Zeit. Amerika hat sich so drastisch verändert. Es sind in keinster Weise Vereinigte Staaten. Nichts ist vereint. Es ist ein merkwürdiger Ort zum Leben zurzeit», sagte er. «Ich will nicht in Amerika sterben», fügte der gebürtige Brite hinzu. «Es ist Zeit für mich, nach Hause zu kommen.»