Musik

Spannung mit politischer Note

Von Ingrid Noll bis Jo Nesbø: Unter den Krimiautoren finden sich Stars und interessante Nachwuchsschriftsteller

Bereits zum neunten Mal öffnet das Harbour Front Literaturfestival in diesem Jahr seine Lesebühnen. Dabei verschließt es sich wahrlich nicht gegenüber den populären Spielarten des Genres. 14 Lesungen mit nationalen wie internationalen Krimiautorinnen und -autoren stehen auf dem inhaltlich weit gefächerten Festivalprogramm. Wobei die wirklich großen Namen wie der Südafrikaner Deon Meyer, die Britin Paula Hawkins, Altmeister John le Carré sowie der Norweger Jo Nesbø erst außerhalb der eigentlichen Kernzeit des Festivals im Oktober zu sehen und zu hören sein werden.

Neben Altbekannten wie Ingrid Noll, dem Griechen Petros Markaris und Klaus-Peter Wolf, die regelmäßig Festivalgäste sind, gibt es eine Reihe spannender, jüngerer Autorinnen und Autoren vor allem aus Deutschland zu erleben.

Allen voran vielleicht Max Annas, ein in Berlin lebender kultureller Allrounder und Journalist. Er hat Bücher über Pop­musik, Politik und Sport veröffentlicht, dann an der Universität in East London, Südafrika, ein Forschungsprojekt über südafrikanischen Jazz begleitet. Im Jahr 2014 debütierte er mit "Die Farm", einem Mix aus Krimi und Western, erhielt dafür gleich den Deutschen Krimipreis. Das Buch spielt ebenso im südlichen Afrika wie der fulminante Nachfolger "Die Mauer", er wurde 2017 mit dem Deutschen Krimi Preis dekoriert. Mit "Illegal" hat Annas in diesem Jahr nun seinen dritten Roman vorgelegt, die in Berlin angesiedelte Geschichte eines afrikanischen Flüchtlings, der in einen Mordfall ­hineingerät. Auch das eine recht starke ­Sozialstory, wenngleich politisch ein ­wenig allzu korrekt angelegt.

Von politischer Korrektheit ist die Hamburger Autorin Simone Buchholz weit entfernt. Kürzlich wurde sie völlig zu Recht für ihre Chastity-Riley-Romane mit dem Radio-Bremen-Krimipreis ausgezeichnet – und erntet langsam jenen Erfolg, der ihr schon lange gebührt. Beim Festival präsentiert sie ihren aktuellen Roman "Beton Rouge".

Auch Zoë Beck hat sich einen festen Platz in der oberen Riege der deutschsprachigen Autorinnen erschrieben. Nach ihrem hoch gelobten Kriminalroman "Schwarzblende", der vom islamistischen Terror und seinen Versuchungen für junge Menschen erzählt, hat die Friedrich-Glauser-Preisträgerin jüngst mit "Die Lieferantin" erneut einen hochpolitischen Thriller vorgelegt. Darin geht es um florierende Drogengeschäfte, die eine junge Londonerin über eine App abwickelt. ­Geliefert werden die Drogen zeitgemäß per Drohne. Ein überaus erfolgreiches Geschäftsmodell, das einen kleinen Nachteil hat: Freunde macht sich die Frau damit keine.

Eine Frau steht auch im Fokus der Kriminalromane von Monika Geyer: Kommissarin Bettina Boll, die – ungewöhnlich ­genug - ihren Job im Halbtagsmodus ausübt. In "Alles so hell da vorn" bekommt sie es mit dem Mord an einem Polizeikollegen, ihrem Ex-Partner, zu tun, erschossen wurde er von einer jungen Prostituierten. Es sind kluge, klischeefreie Kriminalromane, die Monika Geier schreibt. Sie ist eine Autorin, die genau hinzuschauen weiß, die jene Grenze kennt, die Wesentliches von Bedeutungslosem trennt.

Der wohl politischste Krimiautor, den das Harbour Front Literaturfestival in diesem Jahr zu bieten hat, ist der Italiener Massimo Carlotto. Der in Padua geborene Autor blickt mit sezierender Schärfe auf die dunklen Seiten der italienischen Gesellschaft, seinen aktuellen Thriller "Der Tourist" lässt er in den weitverzweigten Gassen Venedigs spielen. Massimo Carlotto zählt zweifelsohne zu den großen italienischen Autoren in der Tradition eines ­Gianrico Carofiglio, Carlo Lucarelli oder Giancarlo De Cataldo.

Bleiben noch die Stars des diesjährigen Harbour-Front-Krimiprogramms: Der Norweger Jo Nesbø hat mit "Durst" einen neuen Fall für seine Kultfigur Harry Hole im Gepäck, der südafrikanische Topautor Deon Meyer bringt mit "Fever" einen kriminalistischen Abenteuerroman mit an die Elbe, die britische Autorin Paula Hawkins, die mit "Girl on the Train" im vergangenen Jahr einen Überraschungsbestseller landen konnte, stellt ihren neuen Thriller "Into the Water" vor.

Last but not least ist der große alte Mann des Spionage­romans zu Gast in der Elbphilharmonie, natürlich auch im Großen Saal: John le Carré spricht über sein Leben, die Literatur und seinen neuen George-Smiley-Roman "Das Vermächtnis der Spione". Ein fürwahr programmatischer Titel.

Ingrid Noll 13.9., 20 Uhr, Kühne Logistics University (KLU), 15,- Monika Geier 14.9., 20 Uhr, St. Pauli Kirche, 14.- Zoë Beck 15.9., 21 Uhr, "Cap San Diego", 14,- Petros Markaris 16.9., 20 Uhr,Laeiszhalle (Kleiner Saal), 19,-/16,-/13,- Petros Markaris & Esmahan Aykol 17.9., 14.30 Uhr, Zentralbibliothek, 14,- Massimo Carlotto 17.9., 19 Uhr, Istituto Italiano, 14,- Klaus-Peter Wolf 18.9., 20 Uhr, St. Katharinen, 16,- Simone Buchholz 19.9., 20 Uhr, Imperial Theater, 14,- Viveca Sten 20.9., 20 Uhr, St. Katharinen, 16,- Max Annas 22.9., 20 Uhr, St. Katharinen, 14,- Deon Meyer 9.10., 20 Uhr, Laeiszhalle (Kleiner Saal), 20,-/16,-/14,- Paula Hawkins 10.10., 20 Uhr, Laeiszhalle (Kleiner Saal), 20,-/16,-/14,- John le Carré 15.10., 16 Uhr, Elbphilharmonie (Großer Saal), 38,-/29,-/25,-/20,-/15,- Jo Nesbø 28.10, 20 Uhr, Laeiszhalle (Kleiner Saal), 20,-/16,-/14,-Tickets für alle Veranstaltungen gibt es unter der HA-Hotline T. 30 30 98 98.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.