Barclaycard Arena

Drei Stunden mit The Cure: ein nahezu perfektes Konzert

Sieht aus wie immer: "The Cure"-Gesicht Robert Smith beim Gig in der Hamburger Barclaycard Arena

Sieht aus wie immer: "The Cure"-Gesicht Robert Smith beim Gig in der Hamburger Barclaycard Arena

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Der großartige Romantiker Robert Smith und seine Bandkollegen spielten 33 Songs von 16 Alben für ihre 12.000 Hamburger Fans.

Hamburg. „Er ist gut drauf“, sagt Karsten Jahnke. Der Hamburger Konzertveranstalter ist gerade noch in der Garderobe von Robert Smith gewesen, hat den Frontmann von The Cure begrüßt und ihm einen alten Handzettel gezeigt. 1981 hat Jahnke zum ersten Mal ein Konzert mit der britischen Band veranstaltet, damals in der Markthalle für 17 Mark Eintritt. Heute kosten die Tickets bis zu 80 Euro, doch diese Eintrittspreise schrecken die Cure-Fans offenbar nicht: Die Barclaycard-Arena ist seit Wochen ausverkauft.

Gegen 20.30 Uhr kommt Robert Smith mit seiner Band auf die Bühne und sieht aus wie immer. Schwarze Klamotten, die Haare schwarz gefärbt und hoch toupiert, das Gesicht mit viel Makeup geschminkt. Nur die Falten sind tiefer geworden. Smith ist keine 20 mehr wie zu Beginn seiner Karriere, sondern 57 Jahre alt.

Auch viele seine Fans haben sich für das Cure-Konzert hergerichtet. Mit langen schwarzen Ledermänteln und weiten Kutten, die Haare hochfrisiert, die Augen mit dickem Kajalstrich umrandet, den Mund mit verschmiertem roten Lippenstift geschminkt. Die meisten der Zuhörer zählen zur Generation Ü40 und Ü50, Konzerte von The Cure sind für sie ein Stück Nostalgie. Mancher wird sich an seine dunkel-romantische Teenagerphase erinnern, als Robert Smith mit seinen düsteren Songs so manche spätpubertäre Melancholie noch verstärkt hat. Auch jüngere Zuschauer finden sich unter den etwa 12.000 in der Arena. In der langen Bandgeschichte hat Robert Smith mit The Cure von 1979 an immer wieder herausragende Alben zwischen Pop, Gothic Rock und Dark Wave veröffentlicht und mit jeder Platte Fans hinzugewonnen.

Tourauftakt für The Cure in Deutschland

Das Hamburger Konzert, gleichzeitig Auftakt der Deutschland-Tournee mit sieben Shows, beginnt The Cure mit „Open“ vom Album „Wish“. Im Hintergrund der Bühne dreht sich eine riesige schwarz-weiße Spirale, sie passt genau zu dem dichten Soundpaket, das Smith und die anderen vier Musiker schnüren. Der Song hat etwas Trance-artiges. Wer sich zu sehr auf die sich drehende Spirale konzentriert, der wird sich bald in eine andere Sphäre begeben – und das ganz ohne Alkohol und Drogen, einzig durch die Kraft der Musik.

Markenzeichen von The Cure bleibt Robert Smiths helle und unverwechselbare Stimme. Sie klingt noch genauso jung wie Ende der 70er-Jahre als er mit „Boys Don’t Cry“ seinen ersten Hit hatte. Ihm zur Seite steht als zweiter Gitarrist Reeves Gabrels, der viele Jahre lang ein wichtiger Musiker in den Bands von David Bowie war. Jason Cooper treibt das Quintett von seinem erhöhten Platz hinter dem Schlagzeug an, Keyboarder Roger O’Donnell ist 2011 zu The Cure zurückgekehrt, nachdem er die Band 2005 verlassen hatte.

Am auffälligsten bewegt sich Bassist Simon Gallup. Immer wieder joggt er mit seiner tief hängenden Bassgitarre über die Bühne, stellt sich neben Robert Smith und scheint ihn aufzufordern, in ein solistisches Duett einzusteigen. Doch Smith bleibt stoisch hinter seinem Mikrofonstativ stehen, singt Song auf Song, spielt dazu Rhythmusgitarre und scheint seinen Bassisten zu ignorieren. Dieses nervöse Getigere kennt der Frontmann schon, Gallup kam schon bald nach der Gründung zu The Cure. Wegen Drogenkonsums und des anstrengenden Tourlebens verließ er die Band 1982, drei Jahre später stieg er wieder ein und ist seither ein zuverlässiger Begleiter von Robert Smith. Im ersten von drei Zugabenblöcken liefert er sich bei „A Forest“ endlich das gewünschte Gitarren-Bass-Duett mit seinem Bandleader.

Die alten Hits werden besonders gefeiert

Fast drei Stunden lang dauert der Auftritt von The Cure. Die Band gestaltet ihre Tour abwechslungsreich, in dem sie jeden Abend ein neues Programm zusammenstellt und von Konzert zu Konzert Songs neu auf die Setliste nimmt oder wieder streicht. Gegenüber dem Auftritt in Kopenhagen drei Tage zuvor wurden gleich zehn der insgesamt 33 Stücke ausgetauscht. Das Repertoire stammt aus 16 Alben der Band, „Wish“ (1992) mit sechs Songs und „The Head On The Door“ (1985) mit fünf sind am häufigsten vertreten. Die Lieder, egal aus welcher Schaffensphase der Band sie stammen, unterliegen keinem Verfallsdatum. Auch die schon 30 Jahre alten Stücke klingen immer noch frisch und heutig. Besonders gefeiert werden „Charlotte Sometimes“ und im letzten Zugabentel „Lovecats“, „Friday I’m In Love“ und „Close To Me“.

Obwohl auf der Bühne nicht viel passiert, geht das Publikum hochzufrieden und glücklich nach Hause. 33 Songs in drei Stunden, dramaturgisch geschickt zusammengestellt, sind mehr als man als Konzertgänger normalerweise geboten bekommt. Die Lautsprecheranlage ist gut ausgesteuert und bringt Smiths Gesang so zur Geltung, wie man es sich wünscht. Die Lightshow und die verschiedenen Projektionen im Bühnenhintergrund illustrieren einzelne Songs und verstärken die akustischen Eindrücke visuell, ohne überladen zu wirken.

Das Konzert von The Cure ist ein nahezu perfektes Rockkonzert ohne viel Schnickschnack. Es rückt die Songs dieses großartigen Romantikers in den Mittelpunkt und genau das erwarten die Cure-Fans. Ermüdungs- oder Abnutzungserscheinungen sind bei Robert Smith nicht zu erkennen. Obwohl er eine ausgedehnte Amerika-Tour in den Knochen hat, sprüht er vor Energie und Spielfreude und scheint oben auf der Bühne sehr viel Spaß zu haben. Er ist eben gut drauf.