Hamburg

Gone Fishin’: Diese Band ist reif für Rock ’n’ Roll

Da kann man doch mal auftreten: die Mitglieder von Gone Fishin’ in The Box Gallery an der Borselstraße. Gespielt wird am nächsten Sonnabend

Da kann man doch mal auftreten: die Mitglieder von Gone Fishin’ in The Box Gallery an der Borselstraße. Gespielt wird am nächsten Sonnabend

Foto: Martin Zitzlaff

Gone Fishin’ ist eine Eimsbütteler Band von musikalisch Spätberufenen – den sogenannten Rocksleepers.

Eimsbüttel.  Einmal, das war vor zwei Jahren, da haben sie sogar mal mit Ricky Lawson jammen dürfen, dem leider kürzlich verstorbenen Schlagzeuger von Michael Jackson und Whitney Houston. Ein anderes Mal war Rudolf Schenker von den Scorpions im Eimsbütteler Übungsraum zu Gast gewesen und hat gemeinsam mit ihnen auf seiner „Gibson Flying Five“ rockig eingeheizt. Nicht nur von der Musikrichtung, sondern auch vom Alter her – Schenker ist ja mittlerweile auch schon 67 – passte es prima: Denn die Damen und Herren, die sich hier unten im Keller von Michael Reinholds „Music Works“ an der Heckscherstraße mindestens einmal pro Woche zum Üben treffen, sind schließlich in den besten Jahren. Oder stehen zumindest kurz davor.

Zusammen bildet das halbe Dutzend dieser „Restwilden“ eine Band. Eine Rockband, eine semiprofessionelle Coverband, die sich hauptsächlich irgendwo zwischen Chris Rea und Fleetwood Mac musikalisch zu Hause fühlt. Sie nennen sich „Gone Fishin’“ („... bin zum Angeln“), dem englischen Synonym für „Ich bin dann mal weg“. Sie entstammen einer Art Bewegung, die einer der Initiatoren, Timm Schlotfeldt, 61, als Rocksleepers bezeichnet. Der Klinikdirektor des Jerusalem-Krankenhauses, der als einer der renommiertesten Spezialisten für die Behandlung von weiblichem Brustkrebs gilt, ist selber so ein „Rockschläfer“. Gewesen. Schließlich besitzt der verheiratete Vater dreier Töchter einen Schatz von rund 30 Gitarren, die er auch bespielen kann.

Er sei zwar sicherlich „kein richtig guter Gitarrist“, meint er, aber seine Fingerfertigeit reichte dann doch aus, um vor acht Jahren nach einem spontanen Jam auf dem „OP-Fest“ des Jerusalem-Krankenhauses die Band Gone Fishin’ zu gründen. „Ein Rocksleeper liebt zunächst einmal die Rockmusik“, sagt der Mediziner, „er verehrt die Helden seiner Jugend, hat vielleicht noch Vinylschallplatten im Schrank, spielt auf Partys gerne Luftgitarre und hat bestenfalls als Jugendlicher schon mal ‚Mucke gemacht‘. Und vielleicht juckt es ihn, wieder damit anzufangen, um sich endlich seine schlummernden musikalischen Träume zu erfüllen.“

Da jedoch Gesang, Gitarre und Bass noch keine richtige Band bildeten, verstärkte sich Gone Fishin’ im Laufe der nächsten Monate mit weiteren Musikern, Weiblein wie Männlein. Schlotfeldt wundert sich bis heute, wie rasch es gelang, so viele „Rocksleepers“ wachzuküssen – mit Holger Jung zum Beispiel auch einen der Hamburger Werbekönige (Agentur Jung von Matt), der Gitarre spielt, aber am heutigen Übungsabend vergrippt zu Hause flachliegt.

„Musik ist für mich wie die Luft zum Atmen“, sagt Steffi Haban, 40, eine der beiden Sängerinnen von Gone Fi­shin’, die in ihrem Leben abseits des Mikrofonständers ebenfalls im Mammazentrum des Jerusalem-Krankenhauses arbeitet. Der Satz klingt – zugegeben – ein bisschen dramatisch, „aber wer schon einmal selbst Musik in einer Gruppe gemacht hat, wem es dann gelingt, mit Gleichgesinnten einen Song zusammen anzufangen und auch wieder aufzuhören, oder wenn man auf der Bühne steht, und das Ganze klappt dann so, dass die Zuhörer lautstark mitgehen ... ja, das ist schon ziemlich geil.“ Sie treten inzwischen vier- bis fünfmal im Jahr auf, zuletzt im Bremens größtem Kulturzentrum, dem „Schlachthof“. Das Konzert war ausverkauft. Sie sind auch schon mit Special Guests wie Barbara Auer, Anna Depenbusch, Johannes Oerding und der Gustv Peter Wöhler Band aufgetreten, dann zumeist für einen guten Zweck: die Mamma-Stiftung der Klinik.

Am kommenden Sonnabend kann man Gone Fishin’ mal wieder in Hamburg hören, anlässlich des 1000-Tage-Jubiläums von The Box in der Altonaer Borselstraße, die früher eine Fabrikhalle war, später dann das „Theater in der Basilika“ und heute als kommerzielles Zuhause für Kunst und Design, Kultur und Kulinarisches besteht, der Eintritt ist übrigens frei.

Neue alte Talente sind willkommen und können einfach vorbeikommen

Das Motto ihrer Band haben sie sich von Karl Valentin entliehen, der einst festgestellt hatte: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Schlotfeldt lächelt. „Natürlich“, sagt er bescheiden, „wir sind doch selber noch alle auf der Suche nach dem richtigen Ton und schönen Klängen – aber wir freuen uns eben immer wieder auf was Neues.“ Jeden Dienstag treffen sie sich für gut drei Stunden zum Üben, vor Konzerten auch zweimal pro Woche.

Freuen würde sich der Initiator der Rockschläfer-Gemeinde aber auch über noch mehr Interessenten an diesem sinnhaften Freizeitvergnügen. „Vielleicht gelingt es uns in der nächsten Zeit, das Netzwerk der ‚Rocksleepers‘ zu vergrößern. Niemand soll Scheu haben, sich anzumelden, auch wenn sich sein Talent bisher nur aufs Singen unter der Dusche beschränkt hat“, sagt Schlotfeldt. Denn aus eigener Erfahrung weiß er ganz genau: „Wenn man die ersten zwei, drei Songs draufhat, kennt die Euphorie keine Grenzen.“