Musik

Theater, Tänze, Tattoos und Tradition

Jochen Roller und Yuki Kihara führen in „Them And Us“ Überschneidungen im Brauchtum vor

Berlin ist eine internationale Stadt. Aber dass man hier in der Clubszene Männer mit Tätowierungen samoanischer Häuptlinge trifft, überrascht dennoch. Selbst wenn man weiß, dass Deutsch-Samoa von 1900 bis 1914 eine deutsche Kolonie war, es also durchaus eine Verbindung gibt. Ausgehend von dieser Beobachtung forschte der in Berlin lebende Choreograf Jochen Roller nach weiteren Überschneidungen im Brauchtum und stieß auf Bayern, die den samoanischen Fa’ataupati in Lederhosen tanzen. Und er fand heraus, dass die Künstlergruppe Brücke Werke in samoanischer Maltechnik erstellt hat.

Für seine Produktion „Them And Us“ hat er sich nach ausgiebigen Reisen auch in die Region mit der samoanischen Performancekünstlerin Yuki Kihara zusammengetan. Vom 14. bis 17. Oktober zeigt Roller sie an seiner alten Wirkungsstätte Kampnagel, wo er von 2007 bis 2010 Tanzdramaturg war.

Ihre Ideen und Rechercheergebnisse rühren Roller und Kihara zu einer Performance zusammen, die mit Hilfe von Tanz und Filmaufnahmen Einblicke in anthropologische Vorstellungen geben soll.

Den Choreografen Roller führten seine Lehrjahre an das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und ans Laban Centre for Movement and Dance in London. Seit 1999 ist er fester Bestandteil der freien Szene mit über 50 Arbeiten für Bühnen, Galerien, Mode, Film oder Internet. Die Trilogie „Perform Performing“ (2002– 2004), in der er sich über die prekären Arbeitsbedingungen mit beißender Ironie ausließ, steht beispielhaft für viel beachtete Tanzabende. Roller ist bekannt für eine eher minimalistische Form. Inhaltlich interessieren ihn genau beobachtete sozio-politische Zustände. Damit hat er sich eher dem Konzepttanz zugesellt, der primär ein Nachdenken über Bewegung im Raum ist, aber eben nicht notwendig mit gestreckten Beinen oder synchron agierenden Körpern einhergeht. Mit Vorliebe unterläuft er Zuschauererwartungen.

Zuletzt hat sich Jochen Roller in „Trachtenbummler“ 2013 bereits deutsche Volkstänze als postkoloniales Tanzspektakel vorgenommen. Die Idee dazu kam ihm im Zuge einer Südseereise, während der er nach den Tänzen seiner Heimat befragt wurde. Und bereits in dieser Produktion ist ihm eine berührende humane Begegnung auf der Bühne gelungen.

Jochen Roller/Yuki Kihara: „Them And Us“ 14./15.10., jew. 21.00., 17.10., 20.00, Kampnagel, Jarrestraße 20–24, Karten zu 18/erm. 10 Euro unter T. 27 09 49 49; www.kampnagel.de