Hamburger Kultursommer

Scooters „Hyper, Hyper“ bis nach Stellingen zu hören

Scooter begeistert nicht nut mit ihren Klassikern, sondern auch mit einer aufwendigen Bühnenshow

Scooter begeistert nicht nut mit ihren Klassikern, sondern auch mit einer aufwendigen Bühnenshow

Foto: Axel Heimken / dpa/picture alliance

Licht-, Laser- und Pyroshow: Am Freitagabend feierten die Electro-Legenden mit 13.000 Fans auf der Trabrennbahn in Bahrenfeld

Hamburg. Man kann sie für irre halten. Man kann sie belächeln. Man kann sie vergöttern. Eines aber ist unbestritten: Die Hamburger Techno-Veteranen Scooter sind längst zu Titanen im Pop-Geschäft geworden. Dementsprechend heroisch gestaltet sich am Freitagabend die Eröffnung ihres Konzerts vor rund 13 000 feierwütigen Fans auf der Trabrennbahn in Hamburg. Eine Fanfare ertönt, ein Ballsaal mit Kronleuchter wird auf der XL-Leinwand eingeblendet, und dann stehen sie auch schon da: Frontmann H. P. Baxxter und Tastendrücker Michael Simon sowie der 2014 bei der Band eingestiegene Phil Speiser.

Was es in den nächsten 110 Minuten zu erwarten gibt, machen sie bereits in den ersten zwei Minuten deutlich: Flammen und Dampfsalven schießen aus dem Boden. Scooter-Mitgröl-Parolen wie „Hyper, Hyper“ und „How much is the fish?“ werden im Schnelldurchlauf abgespielt - sie prangen auf vielen T-Shirts und sollen das Publikum auch sonst den ganzen Abend begleiten. Passend zum rockigen Song „Fire“ spielte Baxxter in der Zugabe auf einer Gitarre, aus deren Ende Funken sprühten.

Und dann pumpt auch schon der erste Song mit 150 Beats pro Minute aus den Lautsprechern. Es ist eine Weltpremiere, denn ihre neue Single „Riot“ haben Scooter bisher noch nie live gespielt. Das Stück klingt nicht anders, als man es von ihnen erwartet. Tänzerinnen, die ihre Brüste in rotes Latex gequetscht haben, staksen dazu über die Bühne, die links und rechts mit zwei gigantischen weißen Lautsprecher-Boxen dekoriert ist.

Bis in drei Kilometer Entfernung sollen die Bässe gehört worden sein

Baxxter selbst trägt als Kontrast zum wasserstoffblond gefärbten Haar wie so oft schwarze Lederjacke. „Are you ready to rock? Are you ready to rave? Are you ready to kick some arse?“ fragt der 51-Jährige die Massen, um dann mit „Ihr seid ja alle wahnsinnig!“ abzuschließen. Das hat er genau so schon vor Jahren gemacht, aber es gehört nun mal dazu - egal ob Scooter in den Niederlanden, Norwegen, Estland, Russland, Dänemark oder Ungarn auftreten. In diesen Ländern war der deutsche Musikexportschlager in diesem Sommer bereits unterwegs.

Vor der Bühne fließen Bier und andere Getränke in Strömen. Gestandene Männer liegen sich in den Armen und werden zu kleinen Kindern. „Faster, harder, Scooter!“, rufen sie im Kollektiv. Und man fühlt sich nicht nur durch manch neonfarbene Garderobe an die erste „Loveparade“ im Jahr 1989 erinnert. Motto damals: Friede, Freude, Eierkuchen! Baxxter macht ein Erinnerungsfoto: „Alle Hände hoch“, animiert der in Hamburg lebende Ostfriese dafür das Publikum.

Schämen braucht sich heute eh keiner mehr, beim Scooter-Konzert dabeigewesen zu sein. Vor ein paar Jahren haben sogar die Hipster vorbeigeschaut. Doch den Punkt hat das Trio mittlerweile überschritten. Dafür blicken Scooter auf eine beachtliche, mehr als 20 Jahre währende Karriere zurück, an die am Anfang wohl nur Baxxter selbst geglaubt hat. 25 Millionen verkaufte Alben, eine Nummer Eins in England und der Rekord von 24 Singles in den Top 10 der deutschen Charts - das soll ihnen erst mal einer nachmachen.

Ihr Titel „Maria (I Like It Loud)“ mit dem allseits beliebten „Döp-döp-döp-dö-dö-döp-döp-döp“ ist an diesem Abend wörtlich zu nehmen: Die wummernden Bässe von Bahrenfeld, wo Scooter das vorletzte Konzert beim diesjährigen Hamburger Kultursommer gaben (das letzte stand für Sonntag mit Rapper Cro auf dem Programm), soll man bis in den drei Kilometer entfernten Stadtteil Stellingen gehört haben, ist später auf Facebook zu lesen. Das kann bei ihrem Zusatzkonzert in Hamburg am 5. März 2016 nicht passieren: Dann spielen Scooter in der Barclaycard Arena wieder vor überdachten Rängen.