Neues Album

ASD: „Bankraub ist was für Dilettanten ...“

Die Musiker Afrob und Samy Deluxe (l.), in dessen eigenem Restaurant Gefundenes Fressen in der Marktstraße

Die Musiker Afrob und Samy Deluxe (l.), in dessen eigenem Restaurant Gefundenes Fressen in der Marktstraße

Foto: Roland Magunia

„... echte Profis gründen Banken.“ Samy Deluxe und Afrob haben als ASD eine neues Album herausgebracht.

Hamburg.  „Blockbasta“ steht auf einem in Orange gehaltenem Plakat an der Eingangstür zum Restaurant „Gefundenes Fressen“. Nicht verwunderlich, denn das Lokal an der Ecke Markt- und Glashüttenstraße gehört Samy Sorge, besser als Samy Deluxe bekannt. Neben seiner Karriere als Rapper und Produzent versucht er sich seit ein paar Monaten ganz erfolgreich als Gastronom. Interviews führt er selbstverständlich auch in seinem „BBQ DLX“ (sprich „Barbecue Deluxe“). „Blockbasta“ heißt sein aktuelles Projekt, für das Samy Deluxe mehr als zehn Jahre in seiner Karriere zurückspringt. 2003 brachte er unter dem Namen ASD zusammen mit dem Stuttgarter Rapper Afrob das Album „Wer hätte das gedacht?“ heraus. Zwölf Jahre später haben die beiden Rapper sich wieder für eine ganze Platte zusammengetan. „Da war noch was offen“, sagt Afrob. „Wir mussten einen Kreis schließen.“

Das Plakat, gleichzeitig auch das CD-Cover, zeigt beide in Regiestühlen sitzend, Afrob mit einer Flüstertüte in der Hand, Samy den Rauch einer Zigarette ausblasend und die obligatorische Sonnenbrille auf der Nase. Mit dem im Hip-Hop oft besungenen (Wohn)Block hat der Albumtitel nichts zu tun, der Begriff aus der Sprache des Filmgeschäfts intendiert massenhaften Erfolg und Größe. An Selbstbewusstsein hat es beiden noch nie gemangelt, von den aktuellen deutschen Hip-Hoppern grenzen sie sich ab. „Solche Rapper wie uns gibt es gar nicht mehr. Wir sind Rapper-Rapper“, sagt Samy auf seine bestimmte, aber doch immer liebenswerte Art.

Mit seinen langen Haaren, dem noch längeren Bart und den Klamotten in XXXL würde er auch als Gitarrist einer Hardcore-Metalband durchgehen. Doch Songs und Inhalte interessieren ihn mehr als modische Accessoires: „Wenn wir auf der Bühne stehen, sehen die anderen zu, wie man es wirklich macht“, sagt er und meint damit sich und ein paar andere als den goldenen Hamburger Hip-Hop-Zeiten um die Jahrtausendwende.

Samy Deluxe gilt immer noch als einer der bester Freestyler der Szene, also als jemand, der das Mikro nimmt und sich reimende Wortkaskaden aus dem Stegreif durch die Lautsprecher jagt. Das konnte er schon vor 20 Jahren und das kann er immer noch. „Die Typen heute werden vor allem über ihr Image, ihre YouTube-Videos und Schlagzeilen in der Skandalpresse bekannt und zum Schulhof-Thema. Aber was ist mit ihren Songs? Erinnert sich irgendjemand in zehn Jahren noch an einen Track von denen?“ Die Frage ist rhetorisch. „Im Hip-Hop geht es nicht um Künstler, es geht um Songs“, sagt Samy. Afrob pflichtet ihm bei. „An ,Reimemonster‘ oder „Grüne Brille“ werden sich die Leute auch in Zukunft erinnern, selbst wenn sie nicht mehr wissen, wer der Künstler gewesen ist, der da rappt.“ Auf „Blockbasta“ haben der Hamburger und der Stuttgarter HipHop-Künstler da angeknüpft, wo sie 2003 aufgehört haben: mit politischen Songs und mit Party-Tracks.

Die Nummern haben Wortwitz wie die Zeile „Bankraub ist was für Dilettanten / Echte Profis gründen Banken“ oder überraschen mit absurden Bildern wie die „Barbecuegrillspieße aus Friedenstauben“. ASD nimmt sich Themen wie Krieg und das Verhältnis Mensch-Maschine vor, auch einen Kiffer-Track gibt es mit „Tortellini Augen“, der den Cannabis-Konsum mit viel Witz reflektiert. Natürlich reimen Samy und Afrob auch darüber, wer die besten Rapper im Land sind. „Ich schreib so schnell, dass man für mich Bäume fällt“, heißt es im Titelsong. „Wir wollten neue Songs haben, die auch live funktionieren“, sagt Afrob. Auftritte sind trotz aller Bastelei im Studio für diese Hip-Hop-Künstler das Salz in der Suppe.

Am 12. September tritt Samy De­luxe im Hamburger Stadtpark auf. Karten gibt es dafür allerdings keine mehr. Groß plakatiert wurde der Auftritt auch nicht. „Es ist ganz schön zu wissen, dass zwei Facebook-Einträge ausreichen, um den Stadtpark zu füllen“, sagt Samy zufrieden mit seiner dunklen und warmen Stimme. Innerhalb der Show wird es auch einen Block mit ASD-Songs geben, auch Kollege Curse wird dabei sein.

Immer, wenn Hamburgs Hip-Hop-Szene sich trifft, sind hinter der Bühne noch weitere Kollegen, die dann gern für ein oder zwei Songs ein Mikro schnappen. Als Gäste auf „Blockbasta“ haben Afrob und Samy diesmal Max Herre dabei, mit dem Afrob bei Freundeskreis zusammen in einer Band war, sowie Nena. Samy hat die in Hamburg lebende Popsängerin bei der Produktion ihres letzten Albums unterstützt. „Nena ist cool“, sagt Afrob. „Sie ist eine krasse Künstlerin und kann Emotionen transportieren.“ Vielleicht hat Nena ja am Konzerttag noch nichts vor. Ein Mikro würde sicher für sie reserviert sein.

Das Konzert von Samy Deluxe am 12. September im Stadtpark ist ausverkauft.
ASD: „Blockbasta“ (Four Music)