Konzert in Hamburg

Aussteigen unmöglich: Guru Mike Patton hält sie alle

Kann es noch immer von zart bis hart: Faith-No-More-Sänger Mike Patton

Kann es noch immer von zart bis hart: Faith-No-More-Sänger Mike Patton

Foto: Sven Hoppe / dpa

Faith No More brachten ihre mitgewachsene Zuhörerschaft in der Sporthalle Hamburg im Schnellverfahren zurück in die 90er.

Hamburg. Als eine der spannenderen Fragen unter Messdienern galt früher die Vorabwette, ob das „Vaterunser“ um die ökumenischen Zeilen „denn dein ist das Reich“ gestreckt werden würde. Faith No More ließen am Dienstagabend nun schon nach dem dritten Song erahnen, dass ihr Auftritt in der Sporthalle eher von kurzer Dauer sein würde. Denn es ist schon eher ungewöhnlich, mit „Epic“ einen seiner größten Joker direkt zu Beginn zu verballern. Und so zogen die in weißen Sektenkutten gekleideten Ungläubigen ihre Setlist tatsächlich im Schnellverfahren durch.

Vom Glauben abfallen musste deshalb längst keiner der fast 7000 (zugegeben mindestens mittelalt gewordenen) Jünger der kalifornischen Rock-Pioniere. Denn mit weiteren Giganten wie „Midlife Crisis“, „Digging the Grave“ oder natürlich „Easy“ taten Faith No More alles für ein Flashback ihres mutmaßlich hauptsächlich in den frühen 90ern abgefischten Gefolges.

Als mit dem dreiteiligen Zugaben-Set um die Crossover-Hymne "We care a lot" die Spielzeit der bosnischen Dampfhammer-Vorband Dubioza Kolektiv dann doch noch übertroffen wurde, suchte die Schar brav und ohne weitere Forderungen das Weite. Dass sie sich um ihre Herde ausreichend kümmern, hatten Patton & Co schließlich zuvor bereits mit der Fürbitte „Caffeine“ bewiesen, die sie bei ihrem Hamburg-Gig extra für einen an Krebs erkrankten neuseeländischen Fan mitschneiden ließen.

Wie rief ein Nebensteher an einem Juni-Tag im Jahr 1992 aus, als die damals in Deutschland noch eher geheim gehandelten Faith No More als Vorband der großen Guns N’ Roses die Bühne betraten? „Ah, Face No More!“ Ihr Gesicht haben Frontmann Patton, Bassist Billy Gould und der ergraute Rasta-Drummer Mike Bordin in Alsterdorf allemal gewahrt. Nicht viel mehr, aber eben auch gewiss keinen Deut weniger. Amen.