Konzert in der Sporthalle

Lenny Kravitz spricht über besondere Beziehung zu Hamburg

Lenny Kravitz gab ein elektrisierendes Konzert in der Hamburger Sporthalle

Lenny Kravitz gab ein elektrisierendes Konzert in der Hamburger Sporthalle

Foto: dpa Picture-Alliance / DAVID GRUNFELD / picture alliance / landov

Seine Fans feiern ihn und tanzen. Auf den Rängen bleibt niemand sitzen, zu elektrisierend ist die Show des New Yorkers in Hamburg.

Hamburg. Montag ist Freundinnenabend. Pulks von aufgebrezelten Frauen der Generationen Ü30 und Ü40 strömen gut gelaunt und ein bisschen aufgeregt in Richtung Sporthalle, denn dort wird „Mr. Cool“ in diesem Jahr ein Hamburg-Konzert geben, nachdem er 2014 noch einen Bogen um die Hansestadt gemacht hatte. Um 21.25 ist es dann endlich soweit: Lenny Kravitz und seine Band kommen auf die Bühne, doch viel mehr als ein Schattenriss ist anfangs nicht von dem US-Soulrocker zu sehen. Scheinwerfer von hinten zeigen nur die Silhouetten, doch bei „American Woman“, Song Nummer drei auf der Setlist, steht das Frauenidol im gleißenden Rampenlicht, genauso wie seine weiblichen Fans ihn sehen wollen.

Eine elfköpfige Band inklusive drei Backgroundsängerinnen und drei Bläsern hat er mit in die Sporthalle gebracht. Sie hilft ihm, ein grandioses Konzert zu geben, bei dem er viele Songs wie „Mama Said“ durch Improvisationen auf mehr als zehn Minuten ausdehnt, dadurch aber auch eine knisternde Spannung schafft. Nach jedem Lied wird die Gitarre getauscht, manchmal hängt sie nur hinter seinem Rücken, weil er mit beiden Händen das Mikrofon greift und sich mit seinem schlanken Körper um das Stativ windet. Kravitz hat mindestens ebenso viele erotische Posen drauf wie Tina Turner, seine Show wirkt jedoch nie billig oder anbiedernd. Seine Fans feiern ihn, tanzen und schwingen die Arme, auch auf den Rängen bleibt niemand sitzen, zu elektrisierend ist die Show des 51 Jahre alten New Yorkers.

Hamburg hat es immer gut mit dem Rockmusiker gemeint. Kravitz erzählt noch einmal, dass er 1989 sein erstes Deutschland-Konzert hier gegeben hat. „Ich weiß nicht mehr genau, wo es war, aber es fand in einem Zelt statt“, erinnert er sich. Der Ort war damals an einem kalten Dezembertag das Café Schöne Aussichten, wo eigens für den Newcomer und seine Band ein Zelt aufgebaut worden war. Und weil in Hamburg alles so toll ist, ändert er die Setlist und spielt für eine hübsche Frau in der ersten Reihe „Sister“.

Auch „Pleasure & Pain“ vom aktuellen Album „Strut“ erlebt in Hamburg eine Live-Premiere, und von der Bühne steigt Kravitz auch noch herab. Er läuft durch die ganze Halle, schüttelt Hände, lässt sich berühren wie der Heiland, während seine Band „Let Love Rule“ intoniert. Der Song wird zu einem 15-minütigen musikalischen Manifest gegen Gewalt, denn auch Kravitz erwähnt – wie am Tag zurvor Jackson Browne im Stadtpark – das Massaker von Charleston und beklagt, dass es in seiner Heimat zu viel Hass gebe. Zwei Stunden lang liefert er eine perfekte und mitreißende Show ab, bevor er die etwa 4000 Zuhörer mit „Are You Gonna Go My Way“ nach Hause schickt. Besser kann ein Freundinnenabend nicht sein.