Kino Hamburg

„Alle reden übers Wetter“ setzt auf Ost-West-Klischees

| Lesedauer: 2 Minuten
Eberhard von Elterlein
Klara (Anna Schäfer, l.) mit ihrer Mutter (Anne-Kathrin Gummich).

Klara (Anna Schäfer, l.) mit ihrer Mutter (Anne-Kathrin Gummich).

Foto: Grandfilm

West-Akademiker, die über den Osten lästern und Plattenbau-Ossis bei piefiger Feier. Dabei ist Sandra Hüllers Auftritt viel zu kurz.

Es gibt einen Moment, da hätte der Film „Alle reden übers Wetter“ so etwas wie ein zweiter „Toni Erdmann“ werden können. Da kommt also Sandra Hüller als Gastprofessorin an die Humboldt-Uni, und das Einzige, was sie ihrer einstigen Doktormutter Margot (Judith Hofmann) zu sagen hat, ist: „Sie sind ein böser Mensch.“

Dieses (durchaus humorvolle) Ausbrechen aus gesellschaftlichen Konventionen war ja ein Erfolgsrezept von „Toni Erdmann“, bei dem „Wetter“-Regisseurin Annika Pinske als Assistentin gearbeitet hat. Das Problem ihres Spielfilm-Erstlings ist aber nicht nur, dass Sandra Hüller leider nur diesen einen Auftritt hat.

Kino Hamburg: „Alle reden übers Wetter“ im Zeise

Auch dass der ebenso große Ronald Zehrfeld als Ex der Protagonistin Clara (Anne Schäfer) nur zwei kleine Gastauftritte hat, ist schade. Der wieder einmal starke Max Riemelt darf als Claras Jugendliebe Marcel seine einst Verflossene immerhin noch einmal intensiv in seiner Kneipe in der Uckermark in die Arme nehmen. Doch da ist schon längst klar, dass Philosophie-Doktorandin Clara den Spagat zwischen Provinz und Professur nicht gebacken kriegt.

Denn als zu tief geerdet werden hier die Uckermärker gezeichnet, die sich beim 60. Geburtstag von Claras Mutter Inge (Anne-Kathrin Gummich) in Trinkritualen und Frauenbild sehr vom Uni-Alltag unterscheiden, wo gepflegt über weibliche Macht und menschliche Selbstbestimmung disputiert wird.

Leben zwischen Wettervorhersage und Schnäppchenjagd

Dabei ist genau das Claras innerer Konflikt: Welchen Preis zahlt sie für ihre Emanzipation von der Heimat? Lassen sich Uckermark und Uni irgendwie verbinden? Die Antwort ist frustrierend. Ihre Mama hat ihr Leben zwischen Wettervorhersage, Kuchenbacken und Schnäppchenjagd genauso abgesteckt wie Clara zwischen Studenten-Geliebtem, Uni-Karriere und seltenen Treffen mit Tochter Emma, die beim Papa wohnt.

Ein Widerspruch, den Annika Pinske mit Klischees bedient: Hier West-Akademiker, die über den Osten lästern, dort Plattenbau-Ossis bei der piefigen Feier in der „Parkschenke“. Dieser Unvereinbarkeit zweier Lebensentwürfe wäre „Toni Erdmann“ mit Humor begegnet. Doch weit und breit kein Peter Simonischek – und nur ein Kurzauftritt von Sandra Hüller. Schade!

„Alle reden übers Wetter“ 89 Minuten, ab 12 Jahren, läuft im Zeise

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