Premierenkritik

Mondlandung in der Staatsoper – phänomenal fantasievoll

| Lesedauer: 3 Minuten
Elisabeth Richter
"La Luna" ist eine der gelungensten Produktionen der Hamburgischen Staatsoper.

"La Luna" ist eine der gelungensten Produktionen der Hamburgischen Staatsoper.

Foto: Brinkhoff-Moegenburg

Lorenzo Romanos „La Luna“ ist eine der gelungensten Produktionen des Hauses. Der begrenzte Raum wurde grandios genutzt.

Hamburg. Wie entstand die Welt, Sonne, Mond, Sterne, die Erde? Gab es einen Urknall, was war davor? Welche Rolle spielt der Mond? „La Luna“ heißt das Musiktheater des Italieners Lorenzo Romano. Jetzt wurde es in der Opera stabile als Produktion des Internationalen Opernstudios uraufgeführt. Es spürt Ur-Fragen der Menschen nach, nimmt Fantasien und Gedanken über den Mond unter die Lupe.

Am Anfang herrscht Stille. In der Mitte des Bühnenraumes von Ute Radler ein Tisch, darauf eine Herdplatte mit einer Pfanne. Darüber eine Kamera. Davor Schauspielerin Johanna Link – die Erzählerin, die im Verlauf in verschiedene Rollen schlüpfen wird. Sie gießt Teig für einen Pfannkuchen in die Pfanne, ein kleiner gelblich weißer Kreis wird auf der riesigen schwarzen Leinwand am hinteren Bühnenrand sichtbar, er breitet sich aus. Die Erschaffung des Mondes aus einem Pfannkuchen. Originell.

"La Luna" in der Staatsoper: Gelungene Mondlandung

„La Luna“ entstand in engem Austausch des Komponisten mit den beiden Librettisten Giuliano Bracci und Johannes Blum, sowie Regisseur Ron Zimmering. Genesis, Mondsucht, Fantastic Trips, Man on the Moon und Planet B – in fünf Teilen entwickelt sich eine Zeitreise von den Anfängen bis heute, Überschneidungen inbegriffen.

Phänomenal fantasievoll nutzt das Team um Regisseur Ron Zimmering die begrenzten Möglichkeiten des Raumes in der Opera stabile. Der Mond ist Projektionsobjekt für Sehnsüchte und Fantasien. Auf eine riesige schwarze Leinwand werden sie mit verschiedenem Filmaterial projiziert, blubbernde Ursuppe im All, Sternenhimmel, Zeichentrick, originalen Filmdokumente der Mondlandung. Mühelose zeitliche Quantensprünge.

Oper nimmt auch auf Fake News Bezug

Die Erzählerin führt kommentierend durch die Zeitreise, ist mal Astronaut, mal Baron Münchhausen. Sieben Gesangspartien füllen die Mitglieder des Opernstudios in verschiedensten Rollen sängerisch und darstellerisch exzellent aus. Sie singen Texte von Giordano Bruno, Büchner oder Thea Harbou mit Mondbezug. Spannend ist dabei, wie sich das Geschehen auf der Leinwand und das tatsächliche, manchmal wie absurdes Theater wirkende Spiel davor oft vermischen. Auf der Leinwand etwa die Mondkapsel, vorne steigt die Erzählerin-Astronautin pantomimisch dort hinein. Die amerikanische Mondlandung inszeniert Ron Zimmering als Fake und nimmt damit Bezug auf die vielen Gerüchte der letzten Jahre. Der Schluss zeigt den Mond als Tourismus-Ziel. Elon Musk und Jeff Bezos lassen grüßen, und wir dürfen grübeln.

Lorenzo Romanos Musik für sieben Sänger und Sängerinnen, sechs Instrumente und Elektronik ist bei Dirigent Rupert Burleigh und Musikern der Philharmonischen Staatsorchesters in kompetent-souveränen Händen. „La Luna“ ist eine der gelungensten Produktionen der Hamburgischen Staatsoper: intelligentes und unterhaltsames Musiktheater.

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