Kino-Tipp

„Sun Children“: Ein Schatz, verborgen unter einer Schule

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Majid Majidis erster Kinderfilm „Kinder des Himmels“ statt auf dem Jahr 1997.

Majid Majidis erster Kinderfilm „Kinder des Himmels“ statt auf dem Jahr 1997.

Foto: IMAGO / Hindustan Times

Der neue Kinderfilm vom Regisseur Majid Majidi thematisiert das Leben von Straßenkindern und ihren Alltag – nämlich das Überleben.

Hamburg. Ist es nicht ein alter Schülertraum, die Autorität der Lehrer und der Schule als Institution zu untergraben? Zahlreiche „Paukerfilme“ leben von diesen Schülerstreichen, die die Machtverhältnisse in der Bildungs­institution einfach umkippen.

Der iranische Regisseur Majid Majidi nimmt das Bild des Untergrabens in seinem Film „Sun Children“ ganz wörtlich, wenn der zwölfjährige Ali (Rouhollah Zamani), der sich mit seiner Straßen-Gang durch Aufträge eines windigen Kleinganoven in Teheran mühsam über Wasser hält, nach einem sagenhaften „Schatz“ graben soll. Dieser liegt sinnigerweise unter einem Friedhof und ist leider nur über eine nebenan liegende Schule erreichbar. Von dort müsse er nur einen Tunnel graben, schon wäre er mit einem Schlag steinreich.

Kino-Tipp: „Sun Children“ dreht sich um Straßenkinder

Leider nimmt die betreffende „Sun School“, eine idealistische Bildungseinrichtung für Straßenkinder, die ausschließlich von Spenden lebt, wegen Aufnahmeschlusses keine Kinder mehr an. Was Ali nicht davon abhält, den Schulleiter um eine kurzfristige Aufnahme zu ­beknien. Und so lernt er Mathematik in einer überfüllten Klasse, um sich danach immer wieder in den Keller zu ­schleichen und mit Spaten, Hacke und Taschenlampe nach dem Schatz zu graben.

Das ist natürlich alles sehr allegorisch, die Bildung als harte Arbeit, der Überlebenskampf im Tunnel und die Schule, die durch diese unterirdischen Arbeiten zunehmend auf wackligen Beinen steht. Da ist es kein Zufall, dass diese Einrichtung – mit ihrem ehrgeizigen Direktor, der schon seine politische Karriere im Kopf hat, Alis überaus engagiertem Klassenlehrer und einem Hausmeister, der Ali auf die Schliche kommt – vor dem Aus steht, weil die Miete säumig ist und der Besitzer einfach die Tore schließt.

Schon mit seinem Meisterwerk „Kinder des Himmels“ war es Majid Majidi 1997 gelungen, einen abenteuerlich anmutenden Kinderfilm zu einer Gesellschaftsparabel auszudehnen. Auch diesmal ist ihm dies mit klaren wie poetischen Bildern gelungen, ohne die Geschichte damit zu überfrachten. Wenn Ali als Belohnung für einen gelungenen Coup die Tauben seines Gauner-Auftraggebers freilassen darf, ist das ein schönes Bild, das einen friedvollen Kontrapunkt setzt zum hektischen Alltag, in dem es für die Kinder schlichtweg um das blanke Überleben geht.

„Sun Children“ 99 Minuten, ab 12 Jahren, läuft im Abaton

( eve )

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