CD-Kritik

Neues Album der Jeremy Days nach 28 Jahren

| Lesedauer: 3 Minuten
Tino Lange
The Jeremy Days im Jahr 2022.

The Jeremy Days im Jahr 2022.

Foto: Dirk Darmstaedter + Louis C. Oberlander

Drei Jahre nach dem Live-Comeback veröffentlicht die Hamburger Band um Dirk Darmstädter jetzt auf „Beauty In Broken“ elf neue Lieder.

Hamburg. „Rome Wasn’t Built In One Day“, sangen The Jeremy Days 1989. Aber auch wenn Rom auch nicht an einem Tag gebaut wurde, so hat das Comeback der 1987 gegründeten Hamburger Band doch sehr, sehr lang auf sich warten lassen. Nach vier Alben und dem Hit „Brand New Toy“ ging man nach einem letzten Konzert in der Markthalle 1995 getrennte Wege. „Für mich war es immer die They-will-never-come-back-Band“, sagte Dirk Darm­staedter vor vier Jahren dem Abendblatt.

Aber sie sind zurück gekommen. 2018 hockten Darmstädter, Gründer des renommierten Indie-Labels Tapete Records und seine Mitstreiter Stefan ­Rager, Jörn Heilbut und Louis C. Oberlander wieder in ihrem alten Hauptquartier in den Hafenklang-Studios und gingen erste Schritte zurück nach vorne. Der vielleicht wichtigste war ein Reunion-Konzert im Januar 2019 im Docks. Einfach mal schauen, ob man sich versteht, denn „die Endzeit der Jeremy Days war schwierig, es war nicht alles toll und super. Wir waren auch Brüder, haben uns aber auch öfter die Köpfe eingeschlagen“, erinnerte sich Heilbut. Der Auftritt im Docks allerdings, der war toll und super.

CD-Kritik: Sound ist warm, anschmiegsam und analog

Und so erscheint jetzt, übersichtliche 28 Jahre nach „Re-Invent Yourself!“ (1994) sogar ein neues Album der Jeremy Days: „Beauty In Broken“. Elf Songs zwischen Indie-Pop und Tom-Petty-Rock, melancholisch und melodisch, natürlich mit englischen Texten und einem warmen, anschmiegsamen und analogen Sound. Wie der Titelsong andeutet, liegt die Schönheit auf dieser Platte in schönen Zerbrechlichen.

Darmstädters Stimme ist kein brandneues Spielzeug mehr, sondern hat über die Jahre und die Solo-Karrieren des Quartetts als Sänger, Musiker und Produzenten so einige Dings und Dongs bekommen, wie man die Kratzer und Dellen an den Vintage-Instrumenten nennt, die „For The Lovers“ und „Blue New Year“ begleiten.

Im Hochsommer geht es runter in den Mojo Club

Frisch klingt „Beauty In Broken“ dadurch natürlich selten, man bewegt sich überwiegend im gleichen Klanggefilde, nur selten sticht ein Lied wie „The Deep Dark Night“ heraus, vielleicht der Höhepunkt des Albums: Gestützt von treibenden Motown-Beats und Supertramp-E-Piano traut sich Darmstädter ins Falsett und dann in einen meereshorizontbreiten Refrain. Auch das anschließende, maximal ausgebremste „Behind The Sky“ sowie „Tear Me Up“ entfalten schnell einen Bann, dem man sich gern mehrfach hintereinander hingibt.

Der Grund, warum sich die Jeremy Days wieder trafen, war die Zwanglosigkeit des Projekts, schließlich hatte keiner der Vier mehr etwas zu beweisen. Trotzdem stellen sie jetzt klar, dass mit ihnen zu rechnen ist, auch auf der Bühne: Am 26. August spielen sie im Mojo Club. Das ist noch eine Weile hin, aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tag gebaut.

The Jeremy Days: „Beauty In Broken“ Album (Energie/Warner) im Handel; Konzert: Fr 26.8., 19.00, Mojo Club (U St. Pauli), Reeperbahn 1, Karten zu 38,50 im Vorverkauf; www.thejeremydays.com

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