Kino für Kinder

Wenn das Hausschwein mit dem alten Löwen rockt

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Auch Stachelschweinmädchen Ash hat einen großen Auftritt.

Auch Stachelschweinmädchen Ash hat einen großen Auftritt.

Foto: dpa

Neu im Kino: „Sing – Die Show deines Lebens“ ist ein rasanter Animationsfilm mit prominenten Stimmen – ein großer Spaß.

Hamburg. Buster Moon ist als Koala-Bär etwas aus der Art geschlagen. Den ganzen Tag müßig im Baum rumhängen und Eukalyptusblätter verzehren, ist nicht sein Ding. Er hat schließlich ein Stadttheater zu leiten. Fans wissen das schon aus dem ersten „Sing“-Film (2016), in dem Buster einen spektakulären Gesangswettbewerb anzettelte, um seine Provinzbühne vor dem Aus zu bewahren. So wie sie auch viele der allzu menschlichen Tiere kennen, die jetzt erneut die Leinwand bevölkern: das punkrockende Stachelschweinmädchen Ash etwa, das pummelige Hausschwein Rosita und der Gorilla Johnny, der aus dem kriminellen Umfeld seines Vaters ausbrechen möchte.

Im Moon-Theater jedenfalls laufen liebevoll inszenierte, sympathisch amateurhafte Musicals, „Alice im Wunderland“ zum Beispiel. Doch der Koala-Impresario will mehr, viel mehr. Während der Vorstellung entdeckt er die arrogante Windhunddame Suki im Publikum, die als Talentscout für die größte Bühne der nächstgelegenen Großstadt Redshore City unterwegs ist – genauer: für den Entertainmentmogul Jimmy Crystal, passenderweise verkörpert von einem weißen Wolf.

„Sing“-Film: Jennings kennt das Erfolgsrezept

Zu Moons Schrecken verlässt Suki jedoch schon zur Pause den Saal, und auch eine wilde Verfolgungsjagd mitsamt hektisch vorgetragener Bewerbungsrede am geöffneten Autofenster hat nicht den gewünschten Effekt. Buster Moon wird sich also etwas anderes einfallen lassen müssen – und tut es auch.

Regisseur Garth Jennings, der auch das Drehbuch dieses rasanten Animationsfilms schrieb, lässt gleich in den ersten zehn Minuten viel von dem anarchischen Witz durchblicken, der auch schon den ersten Teil von „Sing“ zu einem großen Erfolg machte. Jennings kennt das Erfolgsrezept genau: Neben einem guten Plot braucht man liebevoll gezeichnete Charaktere wie zum Beispiel Miss Crawly, einen weiblichen, überaus hilfsbereiten, gleichzeitig aber wahnsinnig tollpatschigen Leguan mit Glasauge.

Peter Maffay und Bastian Pastewka leihen ihre Stimmen

Man braucht prominente Stimmen: Im Original zählen Matthew McConaughey, Reese Witherspoon und Scarlett Johansson dazu, in der deutschen Fassung sind es Bastian Pastewka, Alexandra Maria Lara, Katharina Thalbach, Wotan Wilke Möhring und Peter Maffay. Und man braucht gute Musik: Von Billie Eilish über Elton John bis hin zu U2 hat Jennings Lizenzen für seinen Soundtrack erworben – was viel Geld gekostet haben muss, sich aber auch auszahlt.

Auf Buster Moons Initiative landet sein Ensemble tatsächlich beim Vorsprechen in Jimmy Crystals Glaspalast – und kann den Wolf von einer Idee für ein Musical überzeugen, das im Weltraum spielen soll. Einziger Haken: Im Eifer des Gefechts hat Moon behauptet, den seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen lebenden Altstar Clay Calloway (einen von Peter Maffay gesprochenen Löwen) gewinnen zu können. Natürlich erweist sich das als höchst problematisch – wie so vieles, wenn ein Laienensemble großes Theater machen will.

Jennings’ Film spielt furios mit Klischees, funkelt vor Tempo und guten Ideen und macht vor allem musikalisch großen Spaß – auch Erwachsenen.

„Sing – Die Show deines Lebens“ 110 Minuten, o. A., läuft in der astor FilmLounds, im Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, Hansa, Koralle, UCI Mundsburg/Othmarschen/Wandsbek

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