Kinokritik

Warum in Bhutan das Glück zu Hause ist

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Ugyen (Sherab Dorji) findet sein Glück, wo er es nicht vermutet hatte.

Ugyen (Sherab Dorji) findet sein Glück, wo er es nicht vermutet hatte.

Foto: Kairos Film

Herzerwärmend, trotzdem unkitschig und mit starken Landschaftsaufnahmen: der Himalaya-Film „Lunana“ – mit Yak im Klassenzimmer.

Hamburg. Es ist ein bisschen schade, dass der Untertitel von „Lunana“ etwas nach Fernsehkitsch mit „Apotheken Umschau“-Werbung klingt: „Das Glück liegt im Himalaya“. Inhaltlich ist das zwar durchaus treffend, aber im Original ist es trotzdem origineller: „Ein Yak im Klassenzimmer“.

Das Rindvieh steht da nämlich wirklich und käut unbeirrt wieder. Und es wird im Übrigen nicht viel mehr bestaunt als die Tafel, die der junge Lehrer Ugyen anbringt, nachdem er seine Buchstaben in der kargen Dorfschule zunächst direkt auf die nackten Wände schreiben muss. Eigentlich will Ugyen (Sherab Dorji) Sänger werden – in Australien. Aber er lebt in Thimphu, der Hauptstadt Bhutans.

Kinokritik: „Lunana“ erzählt vom Glück im Himalaya

Das kleine Königreich zwischen Indien und Tibet, das erst 1999 das Fernsehen eingeführt hat, ist für sein Glücksversprechen bekannt, gemessen wird das „Bruttonationalglück“ der Einwohner. Seinem Film ausgerechnet einen unglücklichen, auswanderungswilligen Protagonisten zu verpassen, ist als Grundidee des selbst aus Bhutan stammenden Regisseurs Pawo Choyninh Dorji schon deshalb charmant.

Man ahnt natürlich, dass Ugyens Zwangsverschickung ins Lunana-Tal zur wohl abgelegensten Schule der Welt einen Perspektivwechsel des jungen Mannes zur Folge hat. Wehrt der sich anfangs nicht nur gegen den mühsamen Aufstieg ins Gebirge, sondern eigentlich gegen alles, was ihn dort vermeintlich erwartet, weiß er die liebevolle, bescheidene Dorfgemeinschaft und die absolut atemberaubende Natur seiner Heimat schon bald ganz neu zu schätzen.

Die Landschaftsaufnahmen und der Blick in die neugierigen, offenen Gesichter der Bewohner sind – jedes auf seine Art – so unaufdringlich wie überwältigend. Verdient, dass es das kleine Bhutan mit diesem zwar herzerwärmenden, aber dabei doch verblüffend unkitschigen Film in die Oscar-Auswahl geschafft hat.

„Lunana“, Drama, 109 min., im Abaton, Zeise

( msch )

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