Popkolumne

So klingen die neuen Alben von The Weeknd und Dope Lemon

| Lesedauer: 3 Minuten
Tino Lange
Neues Album: Mit „Dawn FM“ (Republic) gibt sich The Weeknd jetzt persönlich geläutert und musikalisch bewährt.

Neues Album: Mit „Dawn FM“ (Republic) gibt sich The Weeknd jetzt persönlich geläutert und musikalisch bewährt.

Foto: picture alliance

Kanadischer Megastar untermauert seinen Anspruch auf dem Pop-Thron und ein australischer Songwriter cruist gemütlich in die 70er zurück.

Hamburg. Seit dem Tod von Michael Jackson 2009 werden immer wieder Kollegen aus dem Klingt-wie-er-Spektrum auf den Schild des King of Pop gehoben. Bruno Mars ist ein heißer Anwärter, aber auch der kanadische Sänger Abel Tesfaye alias The Weeknd ist seit seinem zweiten Album „Beauty Behind The Madness“ 2015 ein aussichtsreicher Kandidat.

Ob seine Eskapaden und toxischen Beziehungen außerhalb von Studios und Arenen zu seiner enormen Popularität beigetragen haben, ist wohl eine Frage der Perspektive. Seine Streamingbilanz und – eine Seltenheit heutzutage – millionenfach verkauften Alben wie „Starboy“ (2016) und „After Hours“ (2020) sind jedenfalls beachtlich.

The Weeknd: „Dawn FM"

Mit „Dawn FM“ (Republic) gibt sich The Weeknd jetzt persönlich geläutert und musikalisch bewährt. Funky Pop, Disco und Electro mit viel 70er- und 80er-Einschlag und moderne Klangdekorationen begleiten die schnell die Tanzlust weckenden, feist ravenden Songs wie „How Do I Make You Love Me“ und „Take My Breath“, die auch deutlich interessanter sind als der banale, aber unfassbar erfolgreiche Hit „Blinding Lights“ (2019) und die neuen Balladen „Here We Go … Again“ (mit Gast Tyler, The Creator) und „Out Of Tome”. Ebenfalls bemerkenswert ist „A Tale By Quincy“, in dem Michael Jacksons kongenialer Produzent über seine schwierige Erziehung und die Folgen reflektiert.

Eine passende Klammer für The Weeknd auf mehreren Ebenen. Obwohl „Dawn FM“ besonders bei den von Oneohtrix Point Never produzierten Tracks flirrend und nervös für Zerstreuung sorgt, steckt zwischen den Takten und in den Zeilen viel Nachdenklichkeit und wenig Mackertum – wenn man den Gastbeitrag „I Heard You’re Married“ von und mit Lil Wayne gnädig übersieht. Mal schauen, ob es mit seinem Hamburg-Debüt am 20. September in der Barclays Arena klappt.

Dope Lemon : Grässliches Cover, tolle Musik

Wow. Es ist Anfang Januar und begrüßen bereits eines der scheußlichsten Albumcover 2022: Angesichts von „Rose Pink Cadillac“ (BMG Rights) von Dope Lemon hilft nur noch, sich Scheuersalz in die Augen zu kippen. Oder Zitronensaft. Dazu einen Tequila. Musikalisch ist das dritte Album des Nebenprojekts von Angus Stone (Angus & Julia Stone) allerdings wieder über jeden Zweifel erhaben.

Mit zehn Liedern rollt der australische Sänger und Songwriter entspannt und stinkfaul mit Blues, Folk und Soul in den Sonnenuntergang, immer schön verschleppt und so halbwach wie halb verträumt. Zum Titelsong „Rose Pink Cadillac“, zu „Stingray Pete“ und „Sailor’s Delight” kann man allein herrlich nichts tun oder zu zweit etwas mehr – letzteres gilt besonders für „Howl With Me“, Angus Stones Interpretation der Soul-Stöhnnummer „Jungle Fever“ von The Chakachas aus dem Jahr 1971. „Everyday Is A Holiday“, jeder Tag ist ein freier Feiertag, und wenn Louise Verneuil bekifft „High Rollin“ singt, ist die Straße zum Strand mit Croissants gepflastert. Mit „Shadows In The Moonlight“ schickt Dope Lemon die Hörenden in den Abend. Das wäre kein Problem, wäre da nicht die Furcht, von diesem Albumcover zu träumen. Nachts kommt die Zitronenjette … die Albumhüllen der beiden vorherigen Alben von Dope Lemon sind übrigens nicht besser, das zur Vorwarnung.

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