Buchkritik

Ein Satiriker fragt: Wie wäre das Christsein ohne Kirche?

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Lutz von Rosenberg Lipinsky machte sich Gedanken um die Kirche – und veröffentliche ein Buch (Archivbild).

Lutz von Rosenberg Lipinsky machte sich Gedanken um die Kirche – und veröffentliche ein Buch (Archivbild).

Foto: IMAGO / Future Image

Der Hamburger Lutz von Rosenberg Lipinsky entwirft in seinem neuen Buch „Petri heil“ kritisch, genuss- und humorvoll Perspektiven.

Hamburg. Gottesdienste unter Hygieneauflagen“ – was klingt wie Satire, war an diesem Weihnachtsfest Realität. Immerhin besser als nix, wie ausschließlich virtu­elle Gottesdienste beim ersten Corona-Weihnachten 2020. Sogar beim Papst. Zu jener Zeit hat sich Lutz von Rosenberg Lipinsky so seine Gedanken gemacht. Der Hamburger mit ostwestfälischem Migrationshintergrund ist ein mit allen Wassern gewaschener Satiriker, der hierzulande seit mehr als 30 Jahren kleine und mittelgroße Bühnen bespielt, wann immer es geht.

Als dort im halbjährigen Lockdown von November bis Mai so gut wie gar nichts lief, hat von Rosenberg Lipinsky (jüngstes Programm: „Demokratur oder: Die Wahl der Qual“) mehr denn je in die Tasten gehauen. Weil ein versierter Kabarettist stets auch sein eigener Autor ist (oder es zumindest sein sollte) und von Rosenberg Lipinsky nicht nur studierter Germanist ist, sondern auch studierter Theologe (evangelisch), hat er sich in seinem neuen Buch dem Glauben gewidmet. Kritisch und überspitzt, indes nicht nur: „Petri heil – Christsein ohne Kirche“ lautet der Titel.

Buchkritik: Satiriker ist ein Freund der Kirche

Was würden Gläubige vermissen, wenn es „Kirchen mit arktischen Tem­peraturen“ und „schmissige christliche Anti-Ohrwürmer“ nicht mehr gäbe, hat sich der Autor angesichts lange Zeit geschlossener Häuser gefragt. Und deutet diese „nahezu protestlose Verschlusshaltung“ als unfreiwilligen Blick in die Zukunft. „In den ehemaligen Gotteshäusern können Restaurants oder Clubs entstehen. Oder Moscheen. Das Haus bleibt heilig, aber die Religion wechselt“, schreibt er.

In der Gastronomie sei das „ein normaler Vorgang. Pächter kommen und gehen, das Paulaner aber bleibt!" Von Rosenberg Lipinsky, das kommt auf 178 Seiten durch, mag die Kirche immer noch. Wie es ohne sie wäre, das spielt der Mittfünfziger genuss- und humorvoll weiter, auch mal flapsig mit eingestreuten Witzen, ohne jedoch den theologischen Hintergrund zu vernachlässigen.

Mehr noch: Er entwickelt sogar neue Perspektiven. Noah und Gott bilden dann auch „so eine Art Club“, formuliert von Rosenberg Lipinsky am Ende in das „nicht-existierende Kapitel 13“ . Der Autor: „Kein Untergang ist für immer. Und: Einer ist wie der andere“. Für einen Satiriker eine durchaus frohe Botschaft in diesen schwierigen Zeiten.

( str )

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