Junges Schauspielhaus

Wunderbare Selbstermächtigung durch Tanztheater

| Lesedauer: 2 Minuten
Annette Stiekele
Klaus Schumacher, Künstlerischer Leiter am Junges Schauspielhaus

Klaus Schumacher, Künstlerischer Leiter am Junges Schauspielhaus

Foto: Georg Schmid

Am Jungen Schauspielhaus erzählen junge Hamburgerinnen und Hamburger über sich – in der Uraufführung „Listen to my story“

Hamburg. Prachtvoll sehen schon die Gewänder der Jugendlichen aus. Feierliches Gelb, Rot und Orange. Freundlich bis ernst blickend stehen sie vorn an der Rampe. „Ich vermisse meine Großmutter“, sagt Moustapha Salissou aus Benin. Sie sei ihm Vater und Mutter gewesen. Mehr Geschichten folgen. Kleine Miniaturen. Einblicke in die Lebenswelten der Jugendlichen. Die junge Mohadesseh Arbabzadeh erzählt vom Wunder der Freundschaft. Caline Weber offenbart, dass sie das Gesicht ihres Vaters habe. Und Yasamin Shahhosseinifard weiß, dass man das Glück im Leben auch selbst mitbestimmt.

Listen to my story: Viele der Akteure kommen aus Familien mit Fluchthintergrund

Viele der Jugendlichen in Tomas Büngers Uraufführung „Listen to my story“ im Jungen Schauspielhaus kommen aus Familien mit Fluchthintergrund. Ihre Gedanken und Gefühle formen sich zu einer Collage über Identität. Und die ist so vielschichtig und facettenreich, wie das Leben selbst. Manches intensive Gefühl kann man in den Gesichtern lesen. Schmerz, aber auch Freude, Hoffnung. Bünger hat die acht jungen Akteure im Alter zwischen 17 und 21 Jahren auch zum Tanzen gebracht und es ist bemerkenswert, welches performative Material er gemeinsam mit ihnen mobilisiert.

Da dreht Sara Lima Pirouetten aus der vierten Position heraus. Anastasiia Iakovenko legt akkurate Ballett-Sprünge hin und singt ein sehr berührendes russisches Volkslied. Emma Schulze-Brüggemann zeigt enormes Potenzial an Körperbeherrschung und erstaunliche Fertigkeiten im Zeitgenössischen Tanz. Moustapha Salissou legt Hip-Hop-Moves hin. Und Balach Boloch dreht sich fast mystisch in einem Rock.

Listen to my story: Collage mit berührendem Ausdruck

Bünger durchsetzt die Monologe, Solo- und Gruppentänze mit schönen Klaviermelodien, traditionellen Tänzen und Hip-Hop-Rhythmen. Es entsteht eine Collage, in der die Geschichten der Jugendlichen Raum und die Gefühle und Stimmungen zugleich in Bewegung einen sehr berührenden Ausdruck finden. Und das Tanztheater auch zur einer wunderbaren Selbstermächtigung wird.

„Listen to my story“ 9.12., 19.00, Junges Schauspielhaus, Große Bühne Wiesendamm, 2G mit Abstand, ab 13 Jahren, Karten unter T. 24 87 13; www.schauspielhaus.de

( asti )

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