Opernkritik

Großes Drama statt steriler Liederabend in Hamburg

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Gabriele Rossmanith in „Das Laub fällt auch im Paradies“ in der Opera stabile.

Gabriele Rossmanith in „Das Laub fällt auch im Paradies“ in der Opera stabile.

Foto: Jörn Kipping

In der Opera stabile ist Gabriele Rossmanith bei einem ihrer letzten Auftritte zu erleben. Das Stück ist ebenso heikel wie gewagt.

Hamburg. Jeder, der einmal einen Liederabend in einem Konzertsaal besucht hat, kennt die sonderbar sterile, trockene Atmosphäre einer solchen Veranstaltung. Eine Sängerin oder ein Sänger steht, begleitet von einem Klavier, auf der Bühne, und bemüht sich, allein mit der Wandelbarkeit der Stimme intimste Emotionen zum Ausdruck zu bringen. In den Liedtexten und ihren Vertonungen spielen sich dabei oft Dramen ab, die nur in allergrößter Verdichtung ohne jedes szenische Spiel wiedergegeben werden können.

Birgit Kajtna, die Spielleiterin an der Hamburgischen Staatsoper und Regisseurin dieser Neuproduktion, hat sich davon zu einem experimentellen Stück mit dem Titel „Das Laub fällt auch im Paradies“ inspirieren lassen, das an der Opera stabile Premiere hatte.

Liederabend in der Opera stabile: Ebenso heikel wie gewagt

Dabei bindet sie Teile von Robert Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und Leben“ op. 42 nach Texten von Adelbert von Chamisso und Arnold Schönbergs „Das Buch der hängenden Gärten“ op. 15 nach Stefan George in eine fiktive Geschichte ein, in der der junge Bariton Nicholas Mogg deren Inhalte auf sein Sängerschicksal projiziert und mit einer genauso fiktiven Geliebten in Gestalt der Sopranistin Gabriele Rossmanith in ein Drama verwandelt.

Das ist ebenso heikel wie gewagt, schon allein deshalb, weil die romantische Sprache Schumannscher Liedkunst und Schönbergs scharf zugespitzte Ausbrüche dazu verleiten, lieber den Schöpfer der Zwölftontechnik für jeden Selbstzweifel und psychischen Zusammenbruch heranzuziehen als den Seelentröster Schumann.

Letzter Auftritt für Gabriele Rossmanith in einer Neuproduktion

Sänger und Sängerin singen zum Teil dieselben Lieder, nur eben in stark differierenden Diktionen. Hervorragend sang und spielte Mogg als junges Mitglied des Internationalen Opernstudios diese Partie, während die nicht minder eindrucksvolle Opernstudio-Leiterin Gabriele Rossmanith an diesem Abend ihren letzten Aufritt in einer Neuproduktion an der Staatsoper feierte. Zum Ende der Spielzeit will sie sich von Bühnenauftritten verabschieden.

( hpe )

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