Kinotipp

Seine Rettung war der Kindertransport nach England

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Walter Kaufmann starb mit 97 Jahren im April 2021.

Walter Kaufmann starb mit 97 Jahren im April 2021.

Foto: Karin Kaper Film

Im Abaton: Eine Dokumentation über den jüdischen Schriftsteller Walter Kaufmann. Ein bewegender Film, der im Gedächtnis bleibt.

Hamburg.  Was für eine Geschichte: Von Duisburg bis Sydney, von Hiroshima bis Havanna reisten die Produzenten des Dokumentarfilms „Walter Kaufmann – welch ein Leben!“, um mithilfe der Schauplätze seines spektakulären Lebens den jüdischen Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden zu porträtieren. Am Sonntag wird der Film in Anwesenheit von Regisseurin Karin Kaper im Abaton gezeigt.

Geboren wurde Walter Kaufmann 1924 in Berlin als uneheliches Kind einer polnischen Jüdin und im Alter von drei Jahren zur Adoption freigegeben. Er wuchs bei einem liebevollen jüdischen Ehepaar in Duisburg auf. In seiner Kindheit war Antisemitismus stets präsent, etwa beim „Rassenunterricht“ auf dem Gymnasium.

Kinotipp: Kaufmanns Rettung war ein Kindertransport

Als 15-Jähriger kam Kaufmann mit einem Kindertransport nach England. Seine Rettung vor dem Holocaust. Später verwirklichte er seinen Traum, zur See zu fahren, was ihn nach Australien brachte. Dort lebte er mehrere Jahre, übte eine Vielzahl von Berufen aus und verliebte sich.

Durch seine Bücher verarbeitete Kaufmann das Erlebte. Sie ermöglichten ihm auch das Reisen und Kontakte mit Schriftstellern auf der ganzen Welt. Die Auszeichnung mit einem Literaturpreis führte ihn zurück nach Europa. Kaufmann erfuhr, dass seine Adoptiveltern in Auschwitz ermordet worden waren, und suchte vergeblich nach seiner leiblichen Mutter.

Kinotipp: Historisches Material mit aktuellen Bildern

Durch historisches Filmmaterial gepaart mit heutigen Aufnahmen der von Kaufmann bereisten Orte wird sein Leben eindrucksvoll nacherzählt. Man hört Kaufmann, wie er seine Erfahrungen reflektiert, es gibt Ausschnitte aus von ihm verfassten Briefen und Reiseberichten. Der Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart endet beim 30. Jahrestag des Mauerfalls, den Kaufmann, der auch lange in der DDR zu Hause war, in Berlin erlebte.

Trotz 101 Minuten Lauflänge des Films bleiben Fragen offen, etwa die, wie er mit dem Tod seiner Adoptiveltern fertig wurde. Dennoch: Ein bewegender Film über einen außergewöhnlichen Menschen. Im April 2021 starb Walter Kaufmann im Alter von 97 Jahren.

„Walter Kaufmann – welch ein Leben!“ So 10.10., 11 Uhr, Abaton, in Anwesenheit von Regisseurin Karin Kaper. Weitere Vorstellung: 17.10., 11 Uhr, Karten: abaton.de

( hpmj )

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