Musiktipp

Hymnisches, Electro und lässige Cocktail-Sounds

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Lump glänzt mit neuem Album.

Lump glänzt mit neuem Album.

Foto: Chrysalis/PIAS

Die Manic Street Preachers, Durand Jones & The Indications und Lump brillieren mit abwechslungsreichen und vielseitigen neuen Alben.

Richey Edwards bleibt präsent. An den seit 1995 verschwundenen Gitarristen der Manic Street Preachers erinnert der Song „Still Snowing in Sapporo“. Damals waren die Manics noch zu viert bei einer chaotischen Japan-Tournee unterwegs. Mit dieser hymnischen Nummer beginnt „The Ultra Vivid Lament“ (Sony), das 14. Album der Band aus Wales, die in Großbritannien zu den bedeutendsten Rockgruppen zählt.

Die Manics kommen zwar vom Punk, doch sie haben während ihrer langen Karriere immer wieder Ausflüge in Richtung Pop genommen – ohne dabei ihre dezidiert linke politische Haltung zu verlieren. Die aktuelle Platte ist überraschend eingängig, Bassist Nicky Wire und Sänger und Gitarrist James Dean Bradfield machen aus ihrem Faible für ABBA keinen Hehl. „Orwellian“ und „The Secret He Had Missed“ erinnern durch die mitsingbaren Melodien und die Arrangements an die Popkünstler aus Schweden.

Bradfield lernte im Lockdown das Klavierspielen

Bradfield, der üblicherweise mit seiner Gitarre komponiert, hat den Lockdown genutzt, um Klavierspielen zu lernen, inzwischen schreibt er Songs am Piano. „The Ultra Vivid Lament“ ist weniger pompös als die Vorgänger-Alben, doch ganz ohne Pathos kommt das Trio nicht aus. Wer „This Is My Truth Tell Me Yours“ geliebt hat, wird auch die neue Platte der Manics mögen.

Eine der herausragenden weiblichen Stimmen der britischen Szene gehört Laura Marling. Eigentlich ist sie Teil der Folk-Pop-Szene, doch zusammen mit dem Klangtüftler und Produzenten Mike Lindsay, Mitglied bei der Band Tunng, hat sie das Projekt Lump ins Leben gerufen.

„Animal“ ist eines der spannendsten Alben des Jahres

Die beiden machen gemeinsam ausgeklügelten Electro-Pop. Lindsay ist für die Klangarchitekturen verantwortlich, Marling für die Texte. „Animal“ (Chrysalis/PIAS) heißt der Titel der zweiten Zusammenarbeit des Duos. Es ist eines der abwechslungsreichsten und spannendsten Alben des Jahres geworden, bei jedem Hören entdeckt man neue Details, Nummern wie „Bloom At Night“ und „Oberon“ sind pure Magie.

An einer Uni in Indiana fanden sich der singende Schlagzeuger Aaron Frazer, Gitarrist Blake Rhein und der Sänger und Saxofonist Durand Jones zusammen. Ihre Liebe gehört dem Soul der 60er-Jahre und dem schwarzen Disco-Sound der 80er. Seit einigen Jahren sind sie als Durand Jones & The Indications unterwegs.

Durand Jones & The Indications mit neuem Album

Gerade hat die Band mit „Private Space“ (Dead Oceans/Cargo) ihr drittes Album herausgebracht: zehn erstklassige Songs, durch Streicher und Chöre aufgemotzt. Die Lieder erreichen die Eleganz vieler Motown-Hits, sind von einer ausgesprochenen Lässigkeit und haben tanzbare Grooves. Durand Jones & The Indications spielen den idealen Soundtrack für jede coole Cocktail-Party.

( oeh )

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