Konzertkritik

Im Curio-Haus: Alfred Brendel genießt und lächelt

| Lesedauer: 3 Minuten
Helmut Peters
Alfred Brendel bei einem Meisterkurs, den er vor dem Akademiekonzert in Hamburg gab.

Alfred Brendel bei einem Meisterkurs, den er vor dem Akademiekonzert in Hamburg gab.

Foto: Roland Magunia

Kent Nagano dirigierte ein Akademiekonzert zu Ehren des legendären Pianisten. Tim Fellner, Paul Lewis und Mari Kodama spielten.

Hamburg. Für das Philharmonische Staatsorchester Hamburg war es eine Premiere, einmal im Curio-Haus an der Rothenbaumchaussee aufzutreten. In kleinster Besetzung, versteht sich, denn alles andere wäre in dem zum Veranstaltungsraum umfunktionierten Ballsaal, den die Universität bis 1997 als Mensa genutzt hatte, ja auch gar nicht denkbar gewesen.

Es war ja aber auch ein Akademiekonzert, das zweite in dieser Saison und ein besonderes deshalb, weil der große Pianist Alfred Brendel dazu eingeladen war. Obwohl für das Programm gleich drei Konzertpianisten und ein weiterer Pianist für das Kammerorchester hatten engagiert werden müssen, saß der 90-jährige Meister aber nicht selbst am Flügel, sondern gab eine kleine Einführung in Mozarts Klavierkonzertschaffen. Die aktive Zeit mit Konzerten rund um den Erdball liegt hinter ihm und man spürte am Freitagabend im Curio-Haus, wie sehr er das in seinem hohen Alter genießt. „Ich freue mich, hier in Hamburg ein paar schöne Tage verbringen zu können“, sagte er und lächelte zufrieden.

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Akademiekonzert: Ein harsches Stück von Béla Bartók

Aufmerksam lauschte er zunächst dem ersten Teil des Abends, in dem Kent Nagano und sein Philharmonisches Kammerorchester Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta spielten. Es ist ein sonderbar trockenes, ja harsches Stück, das mit schwermütigen Bratschen-Kantilenen beginnt, die von Geigen und Celli übernommen werden. Bevor der erste, kaum hörbare Paukenwirbel einsetzt, verschleiert Bartók das Metrum immer wieder und baut eine große dynamische Steigerung auf.

Naomi Seiler überzeugte mit fantastischen Bratschensoli ebenso wie Brian Barker mit seinen in den Tonhöhen verschwimmenden Paukenschlägen oder Frank Polter an der Gran Cassa und Volker Krafft, der an der Celesta für klangliche Aufhellungen sorgte. Aber nicht nur das Schlagzeug und das Xylophon sorgten für perkussive Schläge, sondern auch die Streicher selbst. Bartók nämlich verlangt gezupfte Pizzicati, die bei den Philharmonikern gar wie Peitschenhiebe klangen.

Till Fellner begeisterte mit einer bewegenden Klangkultur

Alfred Brendel sagte in seiner kleinen Einführung, dass Mozarts Klavierkonzerte so viel Kantables und Opernhaftes enthielten, dass man sich als Pianist oft wie auf einer Bühne fühle. Als die drei Top-Solisten Till Fellner, Paul Lewis und Naganos Frau Mari Kodama mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 7 für drei Klaviere und Orchester KV 242 dann auftraten, bekam man den Beweis dafür. Kodama suchte unentwegt Blickkontakt zu den Kollegen und es entspann sich ein Mienen- und Gestenspiel voller Eleganz und Anmut. Die Flügeldeckel aller drei Steinways waren abgenommen und besonders der Österreicher Fellner begeisterte mit einer bewegenden Klangkultur.

Brendel war ebenfalls beeindruckt, applaudierte und wurde für seinen Besuch selbstverständlich mit einem Blumenstrauß belohnt, den Kent Nagano ihm persönlich überreichte.

Das Philharmonische Staatsorchester im Netz: www.staatsorchester-hamburg.de

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