Oper Hamburg

"Liebestrank" mal anders – ein übermütiges Spiel am Strand

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Helmut Peters
Große Fische, bunte Bühne: „Der Liebestrank“ in der Kammeroper am am Allee Theater.

Große Fische, bunte Bühne: „Der Liebestrank“ in der Kammeroper am am Allee Theater.

Foto: Dr. Joachim Flügel

Am Allee Theater wurde die Neuinszenierung der Opera buffa zum Erfolg. Auf der Bühne wurde sogar geduscht. Die Opernkritik.

Hamburg. Da kann man Liebestränke herunterkippen, so viel man will, die wahre Erfüllung in der Liebe verschafft man sich am Ende ja doch nur mit der Kraft des eigenen Herzens. Neben der hinreißenden Musik Gaetano Donizettis ist es vielleicht diese schlichte Botschaft des Stoffes von Eugène Scribe, die die Opera buffa „L’elisir d’amore“ zu einem so großen Bühnenerfolg hat werden lassen. Auch die Hamburger Kammeroper am Allee Theater hatte dieses Stück vor zwölf Jahren schon einmal herausgebracht.

Mit der Neuinszenierung des „Liebestrank“ nun, die am Wochenende Premiere feierte, tat es der Geschäftsführer des Allee Theaters, Marius Adam, gewissermaßen dem Intendanten der Hamburgischen Staatsoper, Georges Delnon, gleich, der ebenfalls als Chef am eigenen Haus inszeniert. Für Adam war es im Gegensatz zu Delnon aber gleich auch noch ein Regiedebüt. Das er bravourös meisterte.

Oper in Hamburg: Auf der Bühne wurde geduscht

Wie so oft an der Hamburger Kammeroper wurde auch diese Oper mal wieder ganz anders erzählt, als wir sie kennen. Aus dem armen Bauern Nemorino (Timo Rößner) wurde ein Strand- und Bademeister, aus der schwer zu erobernden Gutsbesitzerin Adina (Natascha Dwulecki) des Urstoffes eine übermütige Strandbesucherin und aus dem Garnisonssergeant Belcore (Robert Elibay-Hartog) ein Marineoffizier. Herrlich und bunt von Hannah Petersen kostümiert, duschte der ein oder andere an diesem Abend sogar in Badehose oder -anzug auf der Bühne.

Nur der brillant vom Bass-Bariton Titus Witt gesungene und verschmitzt gespielte Quacksalber Dulcamara war schlampig in einen Columbo-Knittermantel und schmuddelige Kniebundhosen gehüllt. Um aus den Sehnsüchten des in Adina unsterblich verliebten Nemorino Gewinn zu schlagen, verkauft er ihm einen angeblichen Liebestrank, der natürlich gar nichts bewirkt, in der Einbildung des Verliebten der Geschichte aber unerwartete Wendungen verleiht.

Oper "Liebestrank" in Hamburg: Teddy statt Blumen

Nahezu jede Requisite auf der Bühne wurde in das übermütige Spiel mit einbezogen. Dulcamara mixte sich einen Drink aus Schnäpsen und Wasser herumstehender Blumenvasen, der Offizier schlug keine Säbel, sondern Bootspaddel übereinander und Nemorino schenkte Adina keine Blumen als Liebesbeweis, sondern einen Teddy, den sie prompt in den Müll warf. Es war ein Vergnügen, den sängerisch überzeugend dargebotenen Solo-Arien, Kavatinen, Terzetten und Sextetten zu lauschen, die von Ettore Prandi mit nur vier MusikerInnen im Orchestergraben begleitet wurden. Timo Rößner gelang die von allen Tenören gefürchtete Arie „Una furtiva lagrima“ bis auf wenige etwas zu tief intonierte Stellen hervorragend, und die Barcarole „Lo son ricco, e tu sei bella“ war ebenso ein Genuss wie Titus Witts „Udite, udite, o rustici“.

Als musikalische Zutat erlaubten sich Prandi und Adam Liza Minellis „Money makes the world go round“, bei dem auch die Koloraturspezialistin Anne Elizabeth Sobara als Gianetta richtig in Fahrt kam. Das Meiste wurde in deutscher, vielfach abgewandelter Übersetzung gesungen. Und natürlich gab es Lacher, als der Gauner Dulcamara statt Schminke Hummerzangen verkaufen wollte – zum Rotkneifen der Wangen.

„Der Liebestrank“ am Allee Theater (Max-Brauer-Allee 76), bis 17. Oktober, Karten unter T. 38 29 59 oder www.kammeroper.alleetheater.de

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