Hamburg

Sommerfestival mit starkem Finale und Rekordauslastung

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Annette Stiekele
Eine Szene aus „Liebe ohne Worte“ von Thom Luz.

Eine Szene aus „Liebe ohne Worte“ von Thom Luz.

Foto: Sandra Then

Festivalleiter Siebold freut sich über „globalen Austausch und lokales Zusammenkommen“. Großes Tanztheater zum Abschluss.

Hamburg.  Das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel ist am Wochenende mit einer Rekordauslastung zu Ende gegangen. 28.000 Besucherinnen und Besucher sahen die auch über die Stadt verteilten Vorstellungen. Die Auslastung unter Pandemiebedingungen lag bei 95 Prozent. Für die stets ausverkauften Performances von Ligna und Nesterval wurden Zusatzvorstellungen angesetzt.

Zum Abschluss gab es noch einmal großes Tanztheater. Die Weltpremiere von „Requiem: Fire in the Air of the Earth“, präsentiert von der zehnköpfigen Kompanie A.I.M. des US-Choreografen Kyle Abraham, erwies sich als ein Reigen abstrakter, gleichwohl magischer Bilder – ein gewaltiger, beklemmend schöner Totentanz. Kostümiert in Kleider oder auch Ballett-Tutus mit (Blut?-) Farbsprenkeln führte die Kompanie unter einer gewaltigen Neonröhren-Sonne zunächst eher klassische Ballett-Figuren zu Mozarts erhabenem „Requiem“ aus.

Sommerfestival in Hamburg: Thom Luz beglückte erneut mit technischer Präzision

Bald wechselte das Licht, die Bewegungen wurden zerrissener, ebenso wie die Musik, gemixt von DJ Jlin. Das wühlte auf, war mitunter enervierend und entfaltete doch im Verbund mit der Bewegung eine intensive Wirkung. „Requiem“ verhandelte einerseits die brutalen Morde an Schwarzen in der Geschichte der USA, aber es gab eben auch das: Gegenbilder von Gemeinschaft, Wiederauferstehung, Sieg des Lebens über den Tod.

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Eine Halle weiter schickte der Schweizer Theatermacher Thom Luz in „Lieder ohne Worte“ eine Schar Klangexperten auf eine Expedition in eine buchstäblich vor die Wand gefahrene Gegenwart. Luz beglückte erneut mit technischer Präzision (u. a. ein Auto mit Fußbetrieb!), Humor, Musik von Mendelssohn Bartholdy, allerlei Sound- und Geräuscheffekten und einer eleganten Melancholie.

Globalen Austausch und lokales Zusammenkommen ermöglichen

Weniger gelungen dagegen die Video-Sound-Performance „Altamira 2042“ der brasilianischen Theatermacherin Gabriela Carneiro Da Cunha, gedacht als eine Art ritualisierte Beschwörung zur Rettung bedrohter Flüsse, verharrte der Abend größtenteils zwischen Dunkelheit und Kakophonie.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 269 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 113.873), 196 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 50), 1888 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert: 233,7 (Stand: Montag)
  • Schleswig-Holstein: 605 neue Corona-Fälle (96.376), 209 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 55). 1796 Todesfälle (+8). Sieben-Tage-Wert: 150,1; Hospitalisierungsinzidenz: 3,88 (Stand: Montag).
  • Niedersachsen: 1039 neue Corona-Fälle (373.471), 203 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung in Krankenhäusern, 6329 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 217,4; Hospitalisierungsinzidenz: 7,4 (Stand: Montag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 707 neue Corona-Fälle (72.854), 330 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 87), 1334 (+8) Todesfälle, Sieben-Tage-Wert: 402,0; Hospitalisierungsinzidenz: 9,9 (Stand: Montag).
  • Bremen: 89 neue Corona-Fälle (39.593), 75 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 32), 544 Todesfälle (+1). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 215,1; Bremerhaven: 241,3; Hospitalisierungsinzidenz Bremen: 6,18, Bremerhaven: 7,04 (Stand: Montag; Bremen gibt die Inzidenzwerte getrennt nach beiden Städten an).

Das Festival sei ein Werkzeug, um in Zeiten der pandemischen Abschottung globalen Austausch und lokales Zusammenkommen zu ermöglichen – mit Kunst, die Perspektiven aus der Gegenwart aufzeige, resümierte Festivalleiter András Siebold. Von kleinen Enttäuschungen abgesehen – neben Da Cunha auch Nestervals etwas wirre „Buddenbrooks“-Adaption – war diese langersehnte Feier des Miteinanders auch künstlerisch hervorragend gelungen.

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