Stadtpark

Lotto King Karl: Nackte Oberkörper, aber kaum HSV-Trikots

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Tino Lange
Lotto King Karl endlich wieder auf der Stadtparkbühne.

Lotto King Karl endlich wieder auf der Stadtparkbühne.

Foto: Marcelo Hernandez

Nach 26 Monaten ohne Auftritt im Stadtpark feierte der alleinige Rekordhalter dort sein 51. Heimspiel und hat einen Plan.

Hamburg. „26 Monate waren wir nicht mehr im Stadtpark, wir versuchen, uns an unsere Stücke zu erinnern“, sagt Lotto King Karl am Sonnabend auf der Freilichtbühne. Eigentlich ist es sein 51. Konzert an dieser Stelle, aber vieles ist anders als bei der großen 50. Jubiläumssause im Sommer 2019: Statt seiner Bigband, den Barmbek Dream Boys und -Girls begleiten ihn die „4 Richtigen“ Tom Aeschbacher (Keyboard), Frank Itt (Bass), Manne Uhlig (Schlagzeug) und Jörn Heilbut (Gitarre). Das Akustik-Programm umfasst für Lotto-Verhältnisse kompakte zwei Stunden, und auch das Publikum ist durch die Corona-Regeln deutlich übersichtlicher als üblich.

Lotto King Karl, der auf einem Hocker sitzend fast die ganze Zeit seine Schenkel mit Schellenkranz und Trommelstock grün und blau prügelt, tastet sich vorsichtig an die 1000 im ausverkauften Rund heran: „Aufstehen“, „360 Grad“ und „Was ist mit Frank“ bestimmen die ersten Spielminuten, aber die Fans sind gleich da mit „Hamburger Jungs“-Rufen. Die Zeiten, in denen vor und auf der Bühne der HSV fanatisch gefeiert wurde, sind allerdings vorbei: „Wir wollen hier keine scharfe Note reinbringen, hier soll es nicht um Fußball gehen heute.“ Früher dominierten HSV-Trikots im Publikum, sogar der doofe Dino kam mal auf die Bühne.

Lotto King Karl im Hamburger Stadtpark: Die Stimmung ist erstklassig

Aber die Stimmung ist für einen Sitzabend (bei dem viele stehen) erstklassig. Und nach „Ikarus“ und „Elvis lebt in Bielefeld“ kommen die Hits aus der Saufi-Abteilung: „Fußball und Dosenbier“, „Biersexuell“ und „Im Himmel gibt’s keinen Alkohol“ heben die Pegel an, und mit dem Sonnenuntergang und „Unten am Hafen“ wird auch die Band für Gitarren- und Bass-Soli von der Leine gelassen. Es ist fast wie früher, nur entspannter. „Sabbel nicht so viel“, rufen Rilana und Dagmar, die Karten bei einem Preisausschreiben gewonnen haben und noch nicht wissen, dass Lotto umso mehr quatscht, je besser seine Laune ist.

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Im Schlussdrittel wird dann der Taxofit-Hitkoffer geöffnet: „Liebe ist wie Malaria“, „Manuel Neuer“, „Fliegen“, „Wieder im Ballbesitz“, „Keine Grenzen, keine Zäune“, „Ich liebe dich“ und „Bis der Arzt kommt“ werden von der Kurve mitgesungen. Bei „Mitten in Barmbek“ steigt sogar der vom Rezensenten eingeschmuggelte St.-Pauli-Fan ein, der in einer Mischung aus Entsetzen und Neid die nackten Männer-Oberkörper im Stadtpark zählt.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Auch Lotto King Karl gefällt das Konzert light offensichtlich besser als seine Autokino-Show 2020 unten am Hafen auf Steinwerder: „Ich überlege, das wieder beruflich zu machen“, scherzt er. Das wäre ihm zu wünschen, schließlich soll am 13. Mai 2022 das 52. Stadtparkkonzert des Rekordhalters steigen. Auch da wird wieder am Ende gemeinsam „Hamburg, meine Perle“ gesungen werden. „Da ist noch einer mit freiem Oberkörper“, schreit der Sitznachbar, „darf ich jetzt auch?“ Er darf nicht. Es gibt Grenzen. Auch im Stadtpark.

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