Albumkritik

Deichkind & Co bringen den Rock ins Kinderzimmer

Die Zuckerblitz Band hatte Spaß bei den Aufnahmen.

Die Zuckerblitz Band hatte Spaß bei den Aufnahmen.

Foto: Universal Music

Charme und Witz: Das Album „Achtung Kokosnuss!“ der Hamburger erinnert an die Ramones und Deep Purple.

Hamburg.  Wenn die Frage nach der kindischsten Band Deutschlands aufkommen würde, dürfte die Antwort sehr oft „Deichkind“ lauten. Klar, es gibt auch noch Die Ärzte, aber das Hamburger Trio mit Kryptik Joe, Porky und La Perla trägt das Kind nicht nur im Bandnamen. Bei den wild flackernden, akribisch chaotischen, lauten und kunterbunten Livekonzerten erinnert vieles an einen Kindergeburtstag, bei dem die geplatzte Piñata voller Bonsches so groß ist wie das Trojanische Pferd. Ein großer Spaß, ernst nur in den Untertönen, dafür fantasievoll und nach der letzten Zugabe sehr erschöpfend.

Sein Gemüt hat sich Sebastian „Porky“ Dürre nicht nur bewahrt, sondern als zweifacher Vater auch an die nächste Generation weitergegeben. Zusammen mit dem Rapper Malo alias Mario Wesser, gefragter Songschreiber für Adel Tawil, Andreas Bourani und Marteria, mit dem Nachwuchs der beiden und vielen Gästen aus dem Deichkind-Universum ist jetzt die Zuckerblitz Band sowie das Album „Achtung Kokosnuss!“ entstanden. 13 Lieder aus 13 Fächern des Freibad-Naschiregals, 13 wilde Wilde 13, 13-mal Rock ’n’ Roll für die Kleinen, aber auch für klein gebliebene Große.

Die Zuckerblitz Band klingt wie eine Deichkind-Coverplatte

Porky und Malo kennen sich bereits seit bald 20 Jahren, haben früher zusammen musiziert und sind dann unterschiedliche Umwege gegangen, um sich im Popgeschäft zu etablieren. Die Mär der Zuckerblitz Band erzählt jetzt von einem gemeinsamen Familientreffen in Malos Residenz auf Hawaii, wo man sich unter den Palmen in Acht nehmen muss: „Achtung, Kokosnuss!“ Und innovative Einsteigermusik gibt es ja nie genug. Allerdings bestand Porky, seinerzeit Bassist und bei Deichkind zum Rapper umgeschult, auf Rock statt Hip-Hop als Grundklang. Hip-Hop ist auch bereits gut besetzt mit Deine Freunde, wobei es auch sehr beliebte Kinder-Rockbands wie Randale gibt.

Also Rock. Die Zuckerblitz Band klingt wie eine Deichkind-Coverplatte mit Hommagen an Deep Purple, The Police, Ramones, Red Hot Chili Peppers oder Bob Marley, die Texte hingegen erzählen viel vom Leben, Lieben und ein wenig Leiden zwischen Legosteinen, Jengaklötzen, Comics, Dinosauriern, durchlackierten Puppenfingern, gut frisierten Ponys und abrasierten Barbie-Haaren: „Mama, mir ist langweilig, meine Spielsachen schocken nicht, ich weiß, ich hab hier alles drin stehen, doch ich würde gern ein bisschen fernsehen“: Eltern kennen das.

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Musikalisch spritzt es gern mal rot mit Metal und „Spaghetti mit Tomatensauce“, zum Runterkommen gibt es höchstens die Reggaenummer „Haustier“, Zuckerblitz ist eine der wenigen Rockbands ohne Radioballaden, ohne Schlaflieder. Aber „Achtung Kokosnuss!“ hat viel Charme, viel Witz und wie bei Deichkind auch die typische unterschwellige Konsumkritik.

„Gebt her die Geschenke, egal woher sie kommen, von Oma oder Santa, wird alles angenommen. Da habt ihr den Wunschzettel, jetzt wisst ihr Bescheid, da sind in Schönschrift alle Punkte aufgereiht“, heißt es in „Abgesahnt“, den idealen musikalischen Begleiter für „Weihnachten, Geburtstag, Nikolaus und Ostern“. Wer noch ein Geschenk braucht, das keine Eltern zur Verzweiflung bringt, hat mit „Achtung Kokosnuss!“ vielleicht einen Gedankenblitz.

Zuckerblitz Band: „Achtung Kokosnuss!“ Album (Universal) im Handel