Konzertkritik

Symphoniker ließen sich von ihrer Spielfreude mitreißen

Sylvain Cambreling dirigierte die Symphoniker Hamburg in der Laeiszhalle.

Sylvain Cambreling dirigierte die Symphoniker Hamburg in der Laeiszhalle.

Foto: Roland Magunia

In der Laeiszhalle dirigierte Cambreling Werke von Mozart und Beethoven. Pianist Angelich leistete sich ein paar Extravaganzen.

Hamburg. Wie wohltuend, dass am trüb-verregneten Sonntagabend und überhaupt in dieser sorgenvollen Zeit, die Symphoniker Hamburg und ihr Chef Sylvain Cambreling für ihr zweites Symphoniekonzert in der Laeiszhalle zwei so erfrischend hoffnungsvolle Werke aufs Programm gesetzt hatten. Sowohl Beethovens 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19 mit dem amerikanischen Pianisten Nicholas Angelich als Solisten als auch die 5. Symphonie B-Dur D 485 von Schubert sind Frühwerke der beiden Klassiker, die das Erbe Mozarts und Haydns überwinden und eigene Wege finden wollten.

Die lyrische Grundprägung des von Beethoven im Alter von 24 Jahren komponierten 2. Klavierkonzerts bestimmte gleich zu Beginn mit weichen Konturen, aber auch einem mutigen Klangvolumen die Orchestereinleitung. Gewohnt detailverliebt trat die Solo-Flötistin Susanne Barner dabei mit einer dynamisch fein ausgestalteten Phrase in den Vordergrund und Cambreling zog die Steigerungen energisch an. Nicholas Angelich setzte zunächst noch zurückhaltend ein, riss nach wenigen Takten dann aber gleich den symbolischen Vorhang auf. Kraftvoll im Anschlag, immer auf das Orchester zugehend und dominant sorgte er für Akzente, die Cambreling mit dem Orchester sogleich parierte.

Die Streicher waren beim Finale wie entfesselt

Ein paar Extravaganzen leistete sich der seit Langem in Paris lebende Pianist auch damit, dass er hier und dort mal überraschende kleine Verzögerungen einbaute oder Betonungen noch deutlicher hervorhob, als es sich Beethoven bei seinen geliebten Akzentverschiebungen je hätte träumen lassen. Auch die großen Bindebögen im sehnsuchtsvollen Adagio waren immer wieder durch Hervorhebungen einzelner Töne geprägt.

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Schön klang das Oboensolo Marc Renners, dem Angelich, begleitet von zarten Streichertupfern, ein kantables Solo folgen ließ, bei dem er anstelle eines zurückhaltenden Pianos aber doch in mittlerer Lautstärke verharrte. Attacca und quasi entfesselt stimmten die Streicher das Rondothema des Finales an, das von Nicholas Angelich trotzig beantwortet wurde. So entschlossen, wie er Klavier spielte, sprang der Pianist am Ende gleich vom Klavierhocker auf und bedankte sich gestenreich bei allen für die tolle Begleitung.

Symphoniker ließen sich von ihrer Spielfreude vollkommen mitreißen

In Schuberts 5. Symphonie wackelte der Holzbläsereinstieg gleich im ersten Einsatz zwar etwas, aber Sylvain Cambrelings Freude am verspielt-fröhlichen Charakter des Allegros brach sich rasch die Bahn. Trotz satter Forte im Orchester blieb die kammermusikalische Faktur dieser frühen Schubert-Sinfonie erhalten. Liedhaft und zugewandt, aber zügig im Tempo zeichnete Cambreling im langsamen Satz mit dem linken Arm weite Bögen in die Luft, um der Gefälligkeit der Melodik noch mehr Ausdruck zu verleihen.

Schön arbeitete das Orchester diese typisch Schubertschen Einbrüche heraus, die immer eine Infragestellung der Stimmungen evozieren, als ob hinter dem vermeintlich Schönen stets etwas Gefahrvolles lauere. Nach dem frech-offensiven Menuetto ließen sich die Symphoniker im finalen Allegro vivace von ihrer Spielfreude dann vollkommen mitreißen.