Neues Album

Deep Purple: Altherrenrunde mit Spaß an lauter Musik

Deep Purple haben es immer noch drauf.

Deep Purple haben es immer noch drauf.

Foto: dpa

Die britischen Hardrocker veröffentlichen mit „Whoosh!“ ihr 21. Studioalbum: frei von Überraschungen und dennoch gut.

Hamburg.  Eigentlich hätte Deep Purple vor einem Monat im Hamburger Stadtpark spielen sollen, aber wie viele andere mussten auch die britischen Hardrock-Altmeister ihren Auftritt aufs nächste Jahr verschieben. Sänger Ian Gillan kann der zwölf Monate langen Zwangspause auch etwas Positives abgewinnen: „Ich glaube, ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Zeit für meine Familie.“ Wobei Gillan, Schlagzeuger Ian Paice, Bassist Roger Glover, Gitarrist Steve Morse und Keyboarder Don Airey nicht untätig waren: Mit „Whoosh!“ erscheint jetzt das 21. Album der 1968 gegründeten Band.

Das ist schon eine kleine Überraschung. Schließlich ist Deep Purple seit mittlerweile drei Jahren auf „inFinite – The Long Goodbye Tour“, einer Dauertournee, bei der sich selbst die Bandmitglieder uneinig sind, ob es die letzte ist. Die zwischen 66 und 74 Jahre alten Musiker nehmen jedenfalls mit was geht und genießen die zwanglos-entspannte Atmosphäre innerhalb der Band – die inzwischen achte Besetzung, schon seit 18 Jahren stabil. Die Zeiten der Riesenegos und entsprechenden Zwiste sind mit den Ausstiegen von Gitarrenderwisch Richie Blackmore 1993 und Organist Jon Lord 2002 (er starb 2012) lange passé.

Bluesrock-Grooves und melodisches Gitarrenspiel

Für einige Kritiker und Fans erster Stunden endete damals auch endgültig die künstlerische Relevanz von Deep Purple, für sie sind es heute lediglich nette ältere Herren, die seit 1972 gut mit Klassikern wie „Smoke On The Water“ in die eigene Rentenkasse einzahlen. Aber „wir haben einst entschieden, nie modisch zu sein, und wir waren nie modisch“, winkt Ian Gillan im Begleitvideo zum Album ab.

Also bleibt es trotz der modernen, nicht zu polierten Produktion von Bob Ezrin auf „Whoosh!“ vom Start weg altmodisch wie bestellt: „Throw My Bones“ steigt ein mit Bluesrock-Grooves, orchestraler Begleitung und melodischem Gitarrenspiel. Auffälliger ist das nach wie vor unvergleichlich zackige Spiel von Ian Paice, der auch mit 72 noch Herz und Seele der Band ist. Er jagt seine vier Kollegen ebenso durch schnellere Songs wie „Drop The Weapon“ und „No Need To Shout“ wie durch das schunkelige „Nothing At All“. Alle Markenzeichen von Deep Purple sind da, „What The What“ könnte noch aus den Sessions zu „Machine Head“ (1972) stammen. Und doch haben besonders Don Airey und Steve Morse viele schöne Solo-Pointen und verspielte Zwischentöne versteckt. Man hört, dass der Spaß, von dem die Band berichtet, offensichtlich wirklich die Aufnahmen begleitet hat.

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Überraschungen waren ohnehin nie vorgesehen: „Es gibt sowieso keine neuen Elemente mehr in der westlichen Musik“, erzählt Ian Paice, „alles, was wir tun, wurde schon getan“. Das abgehobene wie dramatische „The Power Of The Moon“, einer der Höhepunkte des neuen Albums, könnte live gut zu „Space Truckin’“ überleiten, wobei die Texte deutlicher die menschliche Existenz hinterfragen als früher, als Gillan eher über „schnelle Autos und leichte Mädchen“ gesungen hat, wie er sagt: „Damals mit 20 glaubte ich alles zu wissen. Heute weiß ich: Ich wusste nichts.“

Für Gillan sind die 50 Jahre seit dem ersten Tag mit Deep Purple jedenfalls gefühlt „Whoosh!“ vergangen, vielleicht auch ein Grund, warum die Band weiterhin fleißig Bühnen und Studios besucht. Für Paice sind Monate des Nichtstuns keine schöne Aussicht, er spricht bereits vom nächsten Album, als würde er sich verplappern. Sie wissen, was sie noch können: alles außer „Child In Time“ live spielen, weil Gillan die hohen Register altersbedingt nicht mehr erreicht. Aber es bleibt ja eine Menge übrig. Deutlich mehr als nur „Smoke On The Water“.

Deep Purple: „Whoosh!“ Album (EarMusic/Edel) im Handel, Konzert: Mi 23.6.2021, Stadtpark, Karten zu 77,50 im Vorverkauf; www.deeppurple.com