Sängerin Lea in Hamburg

„Dürfen die das?“ So war das erste Stadtpark-Konzert

| Lesedauer: 3 Minuten
Tino Lange
Hat was von Kirchentag: Die neue, nach allen Seiten offene Stadtparkbühne. Bis zu 1000 Gäste dürfen in Zehnerreihen dabei sein, so auch am Sonnabend beim Auftakt mit der Berliner Sängerin Lea.

Hat was von Kirchentag: Die neue, nach allen Seiten offene Stadtparkbühne. Bis zu 1000 Gäste dürfen in Zehnerreihen dabei sein, so auch am Sonnabend beim Auftakt mit der Berliner Sängerin Lea.

Foto: Roland Magunia

Die Berliner Sängerin Lea und 1000 Fans kamen zum ersten Stadtpark-Konzert unter Corona-Auflagen. Manches war befremdlich.

Hamburg. Lichtblitze schießen am Sonnabend über den Stadtpark, Handy-LEDs erstrahlen, ein Gitarrensolo und Trommeldonner lassen den Rasen leicht zittern. Und Hunderte klatschen und singen. Wo sind wir hier gelandet? Das erste Konzert des Jahres auf der Stadtparkbühne mit der aus Hannover nach Berlin gezogenen Sängerin Lea macht klar, wie sehr die vergangenen Monate Denken und Fühlen neu justiert haben. Im Hinterkopf sind immer Die Ärzte – die Band, nicht die Mediziner – im Kopf und fragen: „Dürfen die das?“

Nach einer Idee von Johannes Oerding, der demnächst 15 Abende hier absolvieren wird, wurde die altbekannte Stadtparkbühne abgebaut und dafür ein großer Baldachin in der Mitte des Areals errichtet, auf dem die Bands in diesem Sommer spielen werden. Maximal 1000 statt 4000 Gäste können drumherum auf Stühlen in Zehnerreihen platziert werden, so auch beim ausverkauften Auftakt von Lea. Die Tickets werden personalisiert, zu benutzende Eingänge und Sitzplätze genau zugewiesen. Auf den markierten Wegen zu den WCs und Gastroständen (es gibt Alkohol, Konsum nur auf dem Sitzplatz) herrscht Maskenpflicht, und es wimmelt von Einweiser-Personal.

Lea-Konzert im Stadtpark: Zehn Personen pro Sitzreihe

Das ist erstmal ebenso befremdlich wie die Tatsache, dass man in den einzelnen Zehnerreihen durchaus wenige Zentimeter entfernt neben Unbekannten sitzt. Dürfen die das? Den aktuellen Hamburger Verordnungen nach ja.

Es waren lange Monate. „Umso schöner ist es, dass wir heute bei euch im wunderschönen Stadtpark spielen dürfen. Wir können gar nicht beschreiben, wie glücklich wir sind“, ruft Lea, und das Publikum ist ganz bei der Pop-Dichterin und Pianistin und ihrer dreiköpfigen Band. Schon die ersten beiden Lieder „Immer wenn wir uns sehen“ und „Wohin willst du“ werden zaghaft mitgesungen, bei „Sie“ tänzeln schon die ersten 20 Fans, und bei „Wunderkerzenmenschen“ ist der Stadtpark ein Meer aus geschwenkten Armen. Dürfen die das?

Im Stadtpark herrscht spürbares „Heimweh nach wir“

Die Gefühle müssen raus. Auf bislang drei Alben – im Mai erschien „Treppenhaus“ – besingt Lea mit wachsendem Erfolg autobiografisch Nah- und Fernbeziehungen, etwas Liebesglück und viel Liebesleid. Man kann das eindimensionalen Befindlichkeits-Pop nennen, aber Lea vermittelt sehr zugänglich Emotionen, die die meisten so oder ähnlich auch erleben. Das berührt, und der Mensch braucht Nähe. Gerade in diesen Zeiten gibt es großes „Heimweh nach wir“.

Nicht nur Lea lacht gelöst, die Stimmung im Stadtpark ist bei „Kaputt“ und „Leiser“ wie das Wetter: sommerlich und trotz der Einschränkungen sorgenfrei. Zumindest 90 Konzertminuten lang. Nach einem letzten „Liebeslied“ heißt es wieder Masken auf, bevor das Stadtpark-Rund blockweise verlassen werden muss. Wir sind wieder in der alten neuen Welt gelandet.

Weitere Stadtpark-Konzerte: Programm und Tickets unter karstenjahnke.online-ticket.de

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