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Russell Crowe als Wutbürger: Mit Vollgas in die Peinlichkeit

| Lesedauer: 2 Minuten
Peter Zander
Peinlicher Auftritt: Russell Crowe in „Außer Kontrolle“.

Peinlicher Auftritt: Russell Crowe in „Außer Kontrolle“.

Foto: dpa

Dass der Star die Hauptrolle in „Unhinged – Außer Kontrolle“ spielt, rettet den Film nicht. Man wird erst wütend und dann traurig.

Hamburg. Ein Film, der wütend und traurig macht. Zuerst wütend. Eine gestresste alleinerziehende Mutter (Caren Pistorius) steht wie jeden Morgen im Stau. Als ein dicker Van vor ihr nicht losfährt, als es mal vorangeht, hupt sie und überholt entnervt. Der Fahrer dieses Wagens (Russell Crowe) fährt ihr hinterher und beschimpft sie beim nächsten Zwangsstopp wüst. So weit, so leider alltäglich.

Aber was der deutsche, in den USA lebende Regisseur Derrick Borte daraus in „Unhinged – Außer Kontrolle“ macht, ist hanebüchen. Der Fremde verfolgt die Familienmutter und will sich nicht nur an ihr, sondern gleich an ihrem ganzen Umfeld rächen. Dass er dabei auch vor Mord nicht zurückschreckt, hat der Zuschauer gleich anfangs erfahren müssen. Ein Wutbürger, der nicht mehr zu stoppen ist.

Unlogisches Drehbuch: Warum Russell Crowe traurig macht

Als Zuschauer wird man erst mal wütend, solch absurde Aggressionsspiralen hat jeder schon erleben müssen. Bald aber wird man auch wütend über das unlogische Drehbuch, in dem die Frau in Not immerzu das Falsche tut und sich auf eine Kommunikation mit dem Psychopathen per Handy einlässt, statt andere um Hilfe zu bitten oder zur nächsten Polizei zu rasen.

Und dann wird man traurig. Sehr traurig, weil der Koloss von einem Mann in diesem Van Russell Crowe ist. Oder das, was von ihm übrig ist. Crowe war mal ein Charakterschauspieler der A-Liga, ist nun aber völlig aus der Form geraten und scheint die Reste seiner einstigen Kunst an schlechte Filme zu verschwenden. Diesen hat er vielleicht angenommen, weil er sich kaum noch bewegen kann und hier meist im Auto sitzen darf. Aber dann wird man wieder wütend. Weil Borte anfangs die zunehmende Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft thematisiert und sich so einen sozialkritischen Anstrich gibt, nur um sich dann selbst in schockhaften Gewaltexzessen zu verlieren.

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„Unhinged“ ist nach 15 Monaten Zwangspause der erste Film mit einem Hollywoodstar, der in den wiedereröffneten Kinos läuft. Endlich wieder Star-Kino, hatte man gehofft. Doch mit solch unsäglichen Filmen gewinnt man die Zuschauer gerade nicht zurück. Vermutlich schämt sich der Verleih selber dafür und startet den Film deshalb zu einer Zeit, in der nur relativ wenige den Weg ins Kino finden.

„Unhinged – Außer Kontrolle“ 90 Minuten, ab 16 Jahren, läuft im Cinemaxx Dammtor, Cinemaxx Wandsbek, Hansa, UCI Othmarschen

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