„Hamburg Kitchen Opera“

„La Traviata“ als Küchenkonzert der Philharmoniker

Corona-Konzerte: Viele Köche mögen vielleicht den Brei verderben - aber bei den Hamburger Philharmonikern ergeben viele Einzelstimmen ein „La Traviata“-Video.

Corona-Konzerte: Viele Köche mögen vielleicht den Brei verderben - aber bei den Hamburger Philharmonikern ergeben viele Einzelstimmen ein „La Traviata“-Video.

Foto: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

Für ein YouTube-Video wurde eine Vier-Minuten-Version gedreht – zum Anbeißen. Weitere prominente Musiker im Netz.

Hamburg. Zu den größten Kulturvermittlungs-Leistungen von Harald Schmidt, noch vor dem „Claus Peymann kauft sich keine Hose“-Dramolett, muss man den Einfall zählen, Wagners „Ring“ mit Playmobil-Figuren nachzuspielen. Weil die zum Nichtstunkönnen verurteilende Coronakrise in Kreativen kreative Kräfte freisetzt, fluten Orchester momentan das Internet mit Heim-Spiel-Videos: Das Orchestre de France beispielsweise ist mit Ravels „Boléro“ online, das WDR-Orchester mit dem Finale von Strawinskys „Feuervogel“.

Youtube: Ravels "Bolero" vom Orchestre de France

Youtube Orchestre de France Ravel Bolero

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg geht nun aber einen Schritt weiter: Sie überbrücken die Stille im Staatsopern-Spielplan mit einer niedlichen Vier-Minuten-Version von Giuseppe Verdis „La Traviata“ aus den heimischen Küchen. Diese Idee, vor gut einer Woche entstanden, stammt vom Geiger Gideon Schirmer und seinem Bruder Merlin, der Cellist beim Philharmonische Staatsorchester ist. Weil in der „Traviata“ das Thema Krankheit eine zentrale Rolle spielt, war sie eine nahe liegende Oper, aber „wir wollten kreativ und positiv damit umgehen“, betont Schirmer.

Küchenkonzert: Kochtöpfe als Pauken

Alle Zutaten für die Spielszenen waren offenbar mühelos erhältlich, der Materialwert dürfte im knapp zweistelligen Euro-Bereich gelegen haben, schätzt er. Die Hauptrollen wurden an zwei ausdrucksstarke, aber stumme Schaumküsse mit verschiedenfarbigen Schoko-Glasuren vergeben. Die Musiker spielten sämtlich vor Herd oder Küchentischen; wo gerade keine Pauken zur Hand waren, kamen Kochtöpfe zum Einsatz.

Die Bühnen-Szenen waren innerhalb eines Tages im Kasten. Der Schnitt allerdings, die Collage der vielen Handy-Videos, dauerte rund vier Tage. Appetit bekommen auf mehr? Noch gebe es keine weiteren Opern-Konzepte, sagt Gideon Schirmer, „wir freuen uns darauf, wieder live spielen zu können“.