„SchmidtFLYX“ in Hamburg

Schmidt Theater: Streaming-Show kocht Humor aus Konserve auf

Wegen des Coronavirus' zeigt das Schmidt Theater eine Streaming-Show. Bei der Premiere gab Corny LittmannKochtipps (Archivbild).

Wegen des Coronavirus' zeigt das Schmidt Theater eine Streaming-Show. Bei der Premiere gab Corny LittmannKochtipps (Archivbild).

Foto: Marcelo Hernandez

Elke Winter, Henning Mehrtens und Corny Littmann improvisieren mit Selbstironie und ohne Publikum ein Notprogramm im Internet.

Hamburg. Die Getränkeauswahl war auch schon mal besser bei einer Schmidt-Theater-Show: Bananensaft, H-Milch und alkoholfreies Weizenbier, mehr gab der heimische Kühlschrank nicht her bei der Premiere von „SchmidtFLYX — Die Streaming-Show“ am Dienstag in diesem Internet: Da die derzeitigen Corona-Umstände die Schließung von Konzertbühnen, Theatern, Tanzlustbarkeiten und anderen Kulturbetrieben erzwingen, erfinden immer mehr Spielstätten, Künstler und Konzertreihen wie „TV Noir“ ein Notprogramm ohne anwesendes Publikum und mit Minimalaufwand, so auch das Schmidt Theater. Bis auf Weiteres begrüßt das moderierende Duo Elke Winter und Henning Mehrtens täglich um 20.15 Uhr 45 Minuten lang wechselnde Gäste vor der wackeligen Kamera — für die „lieben Freunde draußen an den Laptops und internetfähigen Fernsehern“.


In der Spitze sind bei der ersten Folge 680 Zuschauende dabei, die das Geschehen auch live im Chat kommentieren: „Elke sing“, „Show me the way to Amarillo“ wird gefordert. Gechattet, getan. Das Publikum ist begeistert: „Stimmung, Party, Streaming!“. Klar ist laut Henning Mehrtens: „Diese Show soll unterhalten, nicht aufklären“. Die aktuellen Hintergründe für dieses Format werden nur angedeutet, mit einem Zollstock wird laufend der Mindestabstand von 150 Zentimetern zwischen den Teilnehmenden geprüft, es gibt keine Bussis und keinen Platz auf der Mitte von Elke Winters Couch.

Streaming-Show mit Küchentipps von Corny Littmann

Beim ausgedünnten Angebot von Künstlern muss „SchmidtFLYX“ nehmen, was zu haben ist. Schlagersternchen Blondie Rochen (Elena Zvirbulis) aus dem Schmidt-Musical „Cindy Reller“, die gerade an ihrer Autobiografie „50 Shades of Pink“ arbeitet, träumt singend immer noch von ihrem Millionär und muss den Refrain nach wie vor von ihrer Hand ablesen: „Schalalalala“.

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Sehr hilfreich sind in diesen Tagen auch Küchentipps, die von Herrn Koch (Corny Littmann) präsentiert werden. Denn nicht wenige werden vergessen haben, wie man eine Dose Erasco-Rindfleischtopf überhaupt öffnen soll. Herr Koch und Blondie versuchen es mit Teppichschneider und Hammer — sie hätten auch einfach am Deckelring ziehen können. Blondinengags und Kochshow-Parodien als selbstironischer Humor aus der Konserve. „Wir müssen den Mälzer kriegen, was sollen wir denn mit dem“, verzweifelt die Winter, offensichtlich hungrig. Aber vielleicht schaut Tim Mälzer in den kommenden Tagen auch bei „SchmidtFLYX“ rein, Auftrittsmöglichkeiten sind rar, und sei es vor 680 Streamenden in einem charmant unprofessionellen Umfeld.


Kabarettist und Alleshasser Wolfgang Trepper ist dann der letzte Gast des kurzen Abends, aber nicht wenige werden bei seinem Auftritt einen neuen Tab im Browser öffnen: Henning Mehrtens versteigert während der Sendung eine Rolle Klopapier bei einer Online-Auktion: „Ich habe zwei Höchstbietende: Rewe und Aldi“.

„SchmidtFLYX — Die Streaming-Show“ täglich 20.15-21.00 auf www.tivoli.de und den Social-Media-Kanälen des Theaters