Theaterkritik

Schön anzusehende Performance ohne Erkenntnisgewinn

Foto: Gabriela Neeb

Viel Langeweile beim Gastspiel „Die Kränkungen der Menschheit“ der Münchner Kammerspiele auf Kampnagel.

Hamburg. Man muss wohl nicht alles verstehen. Zum Beispiel warum Anta Helena Reckes Performance „Die Kränkungen der Menschheit“ zum diesjährigen Theatertreffen nach Berlin eingeladen worden ist. Wenn ihre Arbeit zu den zehn besten Inszenierungen der deutschsprachigen Theater gehört, dann muss es finster um die Theaterlandschaft hierzulande bestellt sein.

Oder lag es an der Frauenquote, dass Recke zum zweiten Mal eingeladen wurde? Am Stück kann es sicher nicht gelegen haben, denn es ist ein rätselhaftes Spiel in drei Bildern, deren tieferer Sinn sich den meisten Zuschauern beim Gastspiel der Münchner Kammerspiele auf Kampnagel kaum erschlossen haben dürfte. Immerhin „interessant“ fand es eine Zuschauerin, eine andere sagte: „Das war das Uninspirierendste, das ich seit Jahren gesehen habe.“ Auch der Beifall am Ende der 75 Minuten ist mit „höflich“ noch positiv beschrieben.

Der Erkenntnisgewinn dieses Theaterabends geht gegen null

„Die Kränkungen der Menschheit“ beginnt mit Affenlauten aus dem Off. Nach und nach bevölkern sieben Schauspielerinnen und Schauspieler die Bühne. Sie bewegen sich vierbeinig, kreischen, flöhen sich gegenseitig, werfen sich auf den Rücken und machen das, was man von Affen erwartet und was man bei Zoobesuchen erleben kann. Dieses Affentheater wirkt stark, weil die Schauspieler unsere engen Verwandten perfekt kopieren. Zuweilen versammeln sie sich in einem offenen Glaskäfig; als ein Mann – vielleicht ist er ein Wissenschaftler – die Bühne betritt, orientieren sie sich an ihm, aber auch das nur für eine gewisse Zeit.

Weitere Menschen kommen auf die Bühne. Sie sehen aus wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Touristen. Sie betrachten imaginäre Kunstwerke wie Gabriel Cornelius von Max’ „Affen aus Kunstrichter“, das in der Münchner Pinakothek hängt, und eine Videoinstallation, in der Bauern ihrerseits ein Bild betrachten und darüber sprechen. „Macht uns das Bild betroffen, weil Bauern nichts mit zeitgenössischer Kunst anfangen können“, fragt eine Frau aus der Betrachtergruppe. „Ich glaube, die verarschen uns“, antwortet ein Mann. Will Recke sich über arrogante westliche Kunstkritik lustig machen?

Im dritten Bild laufen vier Gruppen von jungen Mädchen in farbenprächtigen Kleidern und Umhängen in Zeitlupe über die Bühne und verschieben den Glaskäfig. Was diese „Women of Color“ mit den „Kränkungen der Menschheit“ zu tun haben, erschließt sich nicht. Diese Prozession ist schön und ruhig, aber auch zunehmend langweilig. Der Erkenntnisgewinn dieses Theaterabends geht gegen null. 75 Minuten können sich wie eine Ewigkeit anfühlen.