Konzert in Hamburg

Ein Festival der Belanglosigkeit mit Milky Chance

Milky Chance sind Clemens Rehbein (links) und Philipp Dausch aus Kassel (PR-Foto)

Milky Chance sind Clemens Rehbein (links) und Philipp Dausch aus Kassel (PR-Foto)

Foto: FKP Scorpio

3000 Fans bejubeln das Folktronic-Duo in der halb gefüllten Sporthalle. Nachhaltiger als die Musik waren die Fanartikel.

Hamburg.  Sieben Jahre sind mittlerweile seit dem Hit „Stolen Dance“ vergangen, und auch wenn es der einzige Erfolg für das Kasseler Folktronic-Duo war, so reicht er 2020 immer noch für – selten genug bei deutschen Bands – Tourneen durch USA und Kanada und am Donnerstag für eine immerhin halb gefüllte Hamburger Sporthalle.

3000 zum Großteil weibliche Twens sind gekommen, das bedeutet schon mal 3000 neu gepflanzte Bäume, die Clemens Rehbein und Philipp Dausch für ein Aufforstungsprojekt spenden. Auch bei den Fanartikeln betont die Band Nachhaltigkeit mit Secondhand-Shirts und Siebdruck-Station in der Sporthalle und Verzicht auf einen Online-Shop. Das ist vernünftig, aber auch niedlich angesichts zweier Busse und mehrerer Trucks, mit der die von zwei Tourmusikern verstärkte Band anreiste.

Die Mundharmonika bei „Loveland“ ist eine seltene Klangausnahme

Und schön wäre es, wenn Milky Chance auch musikalisch nach drei Alben mehr Mut zu Innovationen wagen würde. Abwechslung hält sich nämlich in den kompakten 80 Minuten auffällig in Grenzen. Ob „Fallen“, „Right From Here“ oder „Fado“, „The Game“, „Scarlet Paintings“ oder „Window“, alles klingt wie ein Abziehbild von „Stolen Dance“, ewig gleiches Midtempo, pluckernde Beats und wenig nachhaltige Melodien. Die eingesetzte Mundharmonika bei „Loveland“ ist eine seltene Klangausnahme.

Aber die 3000 jubeln gern, tanzen und wiegen sich und sorgen für ein wenig Sommergefühl in der zugigen Halle. Man könnte sich beim „Coachella“ in Kalifornien oder bei „Lollapalooza“ in Berlin wähnen, wo Milky Chance bereits auftrat – den großen Festivals der musikalischen Beliebigkeit und Belanglosigkeit.