Buchkritik

Neuanfang oder Trennung? Nick Hornbys Szenen einer Ehe

Der britische Autor Nick Hornby hat einen neuen Roman veröffentlicht.

Der britische Autor Nick Hornby hat einen neuen Roman veröffentlicht.

Foto: Facundo Arrizabalaga / dpa

„Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“, ist der Roman über eine Ehe, die bei der Paartherapeutin (vielleicht doch nicht) endet.

Hamburg. „Die Ehe ist wie ein Computer. Man kann sie auseinandernehmen, um nachzuschauen, was drinsteckt, aber dann hat man hinterher hunderttausend Einzelteile in der Hand.“ Sagt er. „Wie sind Neuanfänge überhaupt möglich? Wenn man lange Zeit zusammen war und Kinder hat und seit Jahren vom anderen genervt ist?“ Fragt sie.

Nicht sonderlich schwer, darauf zu kommen, dass es bei Tom und Louise gerade ziemlich unrund läuft. Sie hatte eine kurze Affäre („Vier Fehltritte...“), er schon längere Zeit das Interesse am Sex mit ihr verloren. Also gehen die beiden jetzt einmal pro Woche zu einer Paartherapeutin, und vorher treffen sie sich auf ein Glas im Pub, das der Therapiepraxis gegenüberliegt. Hier wird die Stimmung sondiert, werden Vorwürfe gemacht und Erklärungen vorgebracht – und irgendwann auch die Paare beobachtet, die vor ihnen „dran“ sind. Machen die Fortschritte? Oder läuft es bei denen auf Trennung hinaus?

Hornby suhlt sich nicht in blutigen Beziehungszerfleischungen

Nun ist Nick Hornby, literarisch unsterblich seit seinem Fußballfan-Bekenntnisbuch „Fever Pitch“ und der Plattensammler-Ode „High Fidelity“, kein Dramatiker, keiner, der sich in blutigen Beziehungszerfleischungen suhlt.

Wie in „Juliet, naked“ und „How to be good“ ist auch in „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ der Ton eher lakonisch, die Grundstimmung trotz der komplizierten Lage heiter. Was daran liegt, dass diese „Ehe in zehn Sitzungen“, so der Untertitel, alles andere als gescheitert ist. Würden Tom und Louise sonst Woche für Woche wieder zusammenkommen?

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„Du bist nun wirklich nicht der Mensch, der morgens voller Freude aus dem Bett springt, weil er nicht in Syrien leben muss“, hält Louise ihm vor. Und dass er sich die „Kotzgeräusche“ nicht verkneifen kann, wenn er gezwungen ist, ihre Lieblingsserie („Call the Midwife“) mit anzusehen, spricht auch nicht gerade für den derzeit arbeitslosen Musikjournalisten. „Du interpretierst da zu viel rein“, ist seine Replik.

Wissendes Grinsen statt Selbstmitleid

Wohl jeder, der sich schon mal in einer langjährigen Beziehung befand (oder befindet), hat im Verlauf der kurzweiligen 160 Seiten seinen Genau-so-ist-es-Moment, der aber nicht für Selbstmitleid und Verbitterung, sondern eher für ein wissendes Grinsen sorgt. Auch weil Hornby seine Figuren mit all ihren Schwächen spürbar mag und sich nie über sie erhebt – was daran liegen könnte, dass er immer auch über sich selbst schreibt, vor allem, wenn es um popkulturelle Details geht. „Ich mag Schwarz-Weiß-Filme nicht besonders“, lässt er etwa Louise sagen. „Irgendwie fühlen sie sich immer so an wie Gemüse, dass man bloß isst, weil es gesund ist.“ Und Tom? „Ist fassungslos.“

Direkte Einblicke in die Therapiesitzungen gibt es nicht, die Episoden spielen sämtlich im Pub. Das sorgt zwar für einen gleichbleibenden Rhythmus, aber nie für Langeweile, dafür ist Hornby einfach ein viel zu guter Dialogschreiber. Im Vergleich zu früheren Büchern, bei denen man sich in die Protagonisten geradezu verlieben konnte, ist „Keiner hat gesagt ...“ eher ein Leichtgewicht. Doch dafür hat dieser Roman in Sachen Neuanfang eine tröstlich-klare Botschaft.