CD-Kritik

Das erste Album der Band aus "Babylon Berlin"

Die Köpfe hinter dem Moka Efti Orchestra: Mario Kamien (l) und Nikko Weidemann.

Die Köpfe hinter dem Moka Efti Orchestra: Mario Kamien (l) und Nikko Weidemann.

Foto: dpa

Mit "Erstausgabe" ist dem Moka Efti Orchestra ein mitreißendes Debüt gelungen. Die musikalische Bandbreite ist groß.

Hamburg. Wer die TV-Serie „Babylon Berlin“ gesehen hat, kennt das Moka Efti. Es ist ein Café und Tanzpalast und in den späten 20er-Jahren der Anziehungspunkt in Berlin-Mitte. Für seine Serie brauchte Regisseur Tom Tykwer Filmmusik und beauftragte den Komponisten Nikko Weidemann damit, ihm Musik im Stil der damaligen Zeit zu schreiben – also schmissige Nummern von swingendem Jazz bis Balkan-Folklore, von Tango bis Chanson.

Weidemann stellte dafür eine Bigband zusammen, die in den Kulissen des Moka Efti für mitreißende Tanznummern und verruchte Songs zuständig ist und die Atmosphäre von „Babylon Berlin“ mitgeprägt hat bzw. immer noch prägt, denn die dritte Staffel läuft jetzt bei Sky und im Herbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das Moka Efti Orchestra hat sich inzwischen von der Serienproduktion gelöst und sich selbstständig gemacht: Weidemann und seine 14-köpfige Band nutzen die Popularität von „Babylon Berlin“ für eine Karriere im Musikgeschäft.

Auch neue Stücke

„Erstausgabe“ heißt das Debütalbum des Ensembles, das beim unabhängigen Berliner Label Motor Music erschienen ist. Darauf sind 13 Nummern, die man zum Teil aus der Serie kennt, aber auch neue Stücke. Natürlich gehört der Titelsong „Zu Asche, zu Staub“ mit der schwelgerischen Melodie und dem melancholischen Flair zu den ausgewählten Songs. Severija Janušauskaitė, in den ersten beiden Staffeln als Swetlana Sorokina zu sehen, singt die Nummer mit der nötigen Abgründigkeit.

Sie gehört weiterhin zum Moka Efti Orchestra und wird auch dabei sein, wenn das Orchester im März auf Deutschland-Tournee geht. Aber Weidemann hat zusätzlich andere Sänger geholt, etwa Moritz Krämer von der Band Die höchste Eisenbahn. Den Song „Rainbow“ singt er selbst. Zwei Berliner Couplets („Lange Beene“, „Tschuldigensemal“) singt Mario Kamien, sonst Keyboarder und Banjospieler in der Musikertruppe.

Musikalische Bandbreite ist groß

Das Album beginnt mit einer schnellen Swing-Nummer mit einem sich überschlagenden Beat. Man braucht schon Gummibeine, um dem Rhythmus zu folgen, mit dem das Moka Efti Orchestra hier losbrettert. Die musikalische Bandbreite von „Erstausgabe“ ist groß: Ein erotischer Tango („Fatalist Tango“) gehört genauso zum Repertoire der Band wie ein archaischer Blues („Crocodile Blues“) oder die berühmte Ballade „Gloomy Sunday“, hier in einer russischen Version, von Severija gesungen. In Hamburg spielt das Moka Efti Orchestra übrigens Anfang Juni beim Elbjazz-Festival auf einer der Hauptbühnen. Swingtanzen ausdrücklich erlaubt!