Performances

Kampnagel: Digitale Zukunftswelten im Doppelpack

Die Kulturfabrik Kampnagel (Archivbild).

Die Kulturfabrik Kampnagel (Archivbild).

Foto: Markus Scholz / dpa

Eine Choreografin, zwei ganz unterschiedliche Arbeiten: Barbara Schmidt-Rohr feierte Doppelpremiere auf Kampnagel.

Hamburg.  Die digitalen Zukunftswelten, erzählt aus der Sicht der jüngsten Nutzer der neuen Medien, haben es der Hamburger Choreografin und Theatermacherin Barbara Schmidt-Rohr seit langem angetan.

Nun hat sie sich mit zwei Künstlern für zwei ganz unterschiedliche neue Performance-Arbeiten auf Kampnagel zusammengetan.

"Die kommenden Träume": Alles folgt einem Algorithmus

„Die kommenden Träume“ ist eine in Dauerschleife rotierende Video-Installation, die sie mit dem Medienkünstler Daniel Hengst erarbeitet hat.

Junge Gesichter blicken von einer gigantischen Leinwand. Sie schauen ernst, mitunter leer, aber friedlich vor sich hin. Fast wie gemalt. Toll sind sie aufgemacht, mit weißen Oberteilen und kunstvoll glitzerndem Haarschmuck. Vor einem abstrakt grauen Hintergrund vollführen sie sanfte Gesten, als würden sie ein Gerät bedienen, ein Spiel spielen, oder mit dem Finger auf etwas hinweisen. Es sind Kinder und Jugendliche aller Farben, Geschlechter und aus unterschiedlichen sozialen Kontexten. Zwar sind sie als Individuen erkennbar, doch ihre Unterschiede sind nahezu nivelliert.

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Ihre Porträts sind durch einen „selbstlernenden“ Code choreografiert, der die Bilder nach Ähnlichkeit sortiert. Alles folgt einem Algorithmus. Das hat etwas Beunruhigendes, vor allem, wenn die zusätzlich zwischen den Zuschauern sich bewegenden drei Tänzerinnen und Tänzer von einer neuen Unterteilung der Menschheit sprechen: in die, die digital vernetzt sind, und jene, die es nicht sind. Eine klug ausgearbeitete, ästhetisch überzeugende Installation, die noch einmal verdeutlicht, wie sehr wir längst mittendrin stecken in der digitalen Revolution.

"Steinstaub": Der Follower-Wettbewerb um das Superhandy

Anders, aber ebenfalls sehr gelungen, ist die multimediale Performance „Steinstaub“ für ein Publikum ab 10 Jahren, die Schmidt-Rohr gemeinsam mit der Performerin und Regisseurin Helen Schröder entwickelt hat. Die Tänzerin Carolin Jüngst und der Tänzer Guy Marsan geben darin zwei muntere Spieler, die in einen Wettbewerb um immer neue Flaschen mit Steinstaub treten.

Demjenigen mit dem größten Follower-Applaus winkt ein Superhandy. „Steinstaub“ ist visuell und choreografisch aufwendig aufbereitet, samt Miniaturlandschaft, Live-Video, grandiosen Kostümen – und sogar einer echten Maus. Die Performance huldigt der Faszination der digitalen Bildwelten, aber sie hinterfragt auch die zweifelhaften Methoden, die dahinterstehen. Denn jedes Handy benötigt seltene Erden, die unter menschenunwürdigen Bedingungen etwa im Kongo abgearbeitet werden. Sehenswert.