Hamburg

Laeiszhalle: 1500 Fans feiern LaLeLu mit Ovationen

LaLeLu 2020: Beherrschen auch die große Geste und Bühne, Tobias Hanf, Frank Valet, Jan Melzer und Sanna Nyman (v.l.) in der Hamburger Laeiszhalle.

LaLeLu 2020: Beherrschen auch die große Geste und Bühne, Tobias Hanf, Frank Valet, Jan Melzer und Sanna Nyman (v.l.) in der Hamburger Laeiszhalle.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Hamburgs A-cappella-Comedy-Gruppe überrascht beim Konzert zum 25. Geburtstag mit Gründer Sören Sieg und großem Chor.

Hamburg. Was sind schon Hundejahre im Vergleich zu LaLeLu-Jahren? Die Formel, wonach sieben Hundejahre ein Menschenjahr seien, gilt inzwischen ja auch schon als veraltet. Eine andere lautet: Kleine Hunde leben länger.

Übertragen auf Sänger mit Hang zu ausgeprägtem Humor erzeugte das am Sonnabendabend in der Laeiszhalle einen besonderen Überraschungseffekt: Die vier Mitglieder des Hamburger Quartetts LaLeLu baten bei ihrer Gala zum 25. Geburtstag den zierlichen Gruppen-Mitbegründer, Komponisten, Arrangeur und Texter Sören Sieg auf die Bühne. Zur Melodie von Leonard Cohens Song „Hallelujah“ stimmten alle fünf das „LaLeLuja“ an und erzählten dabei singend und durchaus selbstironisch, in welchem Jahr und wie sie zu LaLeLu gestoßen waren.

Als dann noch im zweiten Rang des Großen Saals gut 30 Chorsänger einstimmten, erklärte sich, weshalb zuvor einige gestanden hatten. „LaLeLuja“ – nur einer von mehreren Höhepunkten einer dreistündigen Geburtstagsparty, an der am Ende fast alle der 1500 Besucher LaLeLu minutenlang stehend applaudierten und die Band mit einem „Happy Birthday“ feierten.

LaLeLu hat A-cappella-Comedy theater- und festsaalfähig gemacht

Den Chor, das Ensemble Vokal, leitete übrigens Cornelius Trantow. Er hatte in den 90er-Jahren wie Ex-Tenor Sören Sieg, Bariton Jan Melzer und Bass Tobias Hanf mit den LaLeLus an der Hochschule für Musik und Theater studiert – um danach dort als Professor zu lehren. Die Gruppe LaLeLu indes – das zeigte der 25. Geburtstag einmal mehr – hat mit ihrer Kunst das Genre A-cappella-Comedy im deutschsprachigen Raum theater- und festsaalfähig gemacht.

Ein denkwürdiger Abend für die Gesangskomiker. Doch nicht bloß eine Reise in der Vergangenheit, obwohl die beiden Urmitglieder Hanf und Melzer mit Frank Valet und Sanna Nyman ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Der Wandel von der Vocal-Jazz-Band zur vielseitigen Crossover-Combo äußert sich beim Glen-Miller-Cover „4206487“, beim funkigen „Uptown 5“ oder bei der „Ballermann-Oper“, wenn Hanf zur Melodie von „Land Of Hope And Glory“ Mickie Krauses Mallorca-Schlager „Zehn nackte Friseusen“ intoniert, Teil des aktuellen Programms „Die Schönen und das Biest“.

Sanna Nyman und Jan Melzer singen Oscar-Song „Shallow“

Apropos: Das Duett „Shallow“ von Sanna Nyman, der attraktivsten und komischsten Mezzosopranistin, seit es hierzulande a cappella gibt, und Bariton Melzer zeigt, dass LaLeLu auch richtig Soul hat: Pop-Star Lady Gaga und Bradley Cooper hatten den Song des Films „A Star Is Born“ bei der Oscar-Verleihung 2019 gesungen. Und „Isländisch Moos“ von allen vier LaLeLus klingt gesetzter, als es der Titel verheißt.

Jedes der vier Mitglieder beherrscht ein Instrument – Valet Schlagzeug, Nyman Geige, Melzer Saxofon und Hanf Querflöte – sowie die Satzlehre. Dieses Rüstzeug dient LaLeLu nur als Basis für immer neue komische Höhenflüge in den Musikstilen. Mit ihren Stimmen simulieren die vier Vokalkünstler Instrumente, ob im Background oder als Solist(in). Und auch nach 25 Jahren entwickeln sie sich noch weiter.

Choral auf die Deutsche Bahn und Parodie auf „Stomp“

Wie sehr LaLeLu für die große Bühne gut ist, zeigt der Choral auf die Deutsche Bahn, der fast nahtlos (ohne Verspätung!) in eine Percussion-Nummer mit vier Rollkoffern überging. Eine Parodie auf die Show „Stomp“, rhythmisch, mimisch und choreografisch ausgereift.

Und wenn LaLeLu Parodien bietet, müssen sie sitzen und treffen. Angefangen vom „Tauschkonzert: Sing meinen Song“, in dem Melzer als Udo Lindenberg Udo Jürgens’ „Aber bitte mit Sahne“ trällert und sein Bariton-Kollege Frank Valet im Gegenzug Lindenbergs „Cello“ anstimmt. Als Grönemeyer fordert Melzer unter dem Thema Ernährung „Gib mir mein Steak zurück“, und Bass Hanf zeigt, was der Bariton Max Raabe als „Vögelkundler“ singen würde.

Tobias Hanf parodiert Peter Maffay – auch ohne Warze

Das mag manchmal an der Gürtellinie liegen. Jedoch lässt Hanf dank seiner variablen Stimme beim Thema „Das dritte Geschlecht“ sogar Beinahe-Polit-Pensionäre wie Edmund Stoiber oder Jürgen Trittin wieder quicklebendig wirken. Den konsternierten Talkshow-Gastgeber Peter Maffay („Hallo Frreunde“) gibt er auch ohne angeklebte Warze pointiert, dass schon an dieser Stelle im Publikum der Wunsch nach Zugabe(n) aufkommt.

Derer folgen nach dem Liebeslieder-Medley aller vier plus Sieg als Wolfgang-Petry-Double gleich zwei: Zunächst Melzers als Elvis op Platt. Wer seine „Lütt Lena so drall“ mit toller Tolle und cooler Sonnenbrille noch nicht erlebt hat, weiß nicht, wie schön man Rock ‘n’ Roll norddeutsch leben kann. Und „Umbala“, eine afrikanische Weise, gehört bei LaLeLu seit Jahrzehnten zum guten Ton. Diesmal besonders feierlich.

„Die Schönen und das Biest“ wieder Di 24.3., 20.00, Lustspielhaus, Karten: T. 55 56 55 56, Mo 8.6., 19.30 Schmidts Tivoli, T. 31 77 88 99; www.lalelu.de