Kritik

Opernloft präsentiert Meucheln nach Noten auf der MS „Opera“

Aline Lettow (l.) und Rebecca Aline Freese im Opernloft.

Aline Lettow (l.) und Rebecca Aline Freese im Opernloft.

Foto: Inken Rahardt

Die Krimioper „Mord auf Backbord“ hatte Premiere. Rebecca Aline Freese war ungeschlagener Star des Abends.

Hamburg. Mit seinen Krimiopern hat das Opernloft im Alten Fährterminal ein Format kreiert, das einfach funktioniert. Anspruchsvollste Opernarien sind dabei in eine übermütige Krimikomödie eingebettet, die noch dazu von Schlagern und Evergreens garniert wird. Am Donnerstag wurde die vierte Krimioper der Reihe mit dem griffigen Titel „Mord auf Backbord“ uraufgeführt. Wieder einmal hatte Susann Oberacker das Libretto geschrieben und inszenierte ihr Stück im Teamwork mit dem Musiktheaterkollektiv Schlagobers und der Dramaturgin Hannah Schlags. Wie es sich für einen echten Krimi gehört, gibt es auch jede Menge Mörder und Leichen. Die werden aber überhaupt nicht gezeigt, denn die blutigen Geschichten im Hintergrund erschließen sich allein über die Dialoge der beiden Hauptfiguren.

Markus Bruker hatte zu oft das Pech, die richtigen Töne zu verfehlen

Die Sopranistin Aline Lettow und die Altistin Rebecca Aline Freese begegnen sich auf einem Kreuzfahrtschiff. Rebecca ist Undercover-Ermittlerin und auf der Suche nach dem Banditen José. Tollpatschig stolpert sie mit Rollkoffer, dicker Brille und Südwester aufs Schiffsdeck, wo die für Auftritte an Bord gebuchte Opernsängerin zunächst auf Distanz zu ihr geht. Die Zuschauer reisen mit, von der Biskaya über Malaga und Valencia bis nach Neapel, was von Liedern wie Viardots „Havanaise“ oder dem „Chanson de la Pluie“, dem Pasodoble-Schlager „Valencia“ und „Torna Surriento“ zur musikalischen Illustration der Reisestationen begleitet wird. In den Arien aus Verdis „Il trovatore“, Bizets „Carmen“ und Leoncavallos „Pagliacci“ entfaltet sich das wahre Drama an Bord der „Opera“. Die Morde, zu deren Aufklärung auch der schräge Comisario Gonzáles (Tim Beger) mit Sonnenbrille und Columbo-Mantel herbeigerufen wird, werden ausschließlich von Figuren aus diesen Opern begangen. „Die abstrusen Handlungsstränge greifen wir in unserm Stück einfach auf“, erklärt Oberacker das Konzept ihres Stücks.

Sängerisch, darstellerisch und musikalisch war Rebecca Aline Freese ungeschlagener Star des Abends. Aline Lettow war stimmlich nicht flexibel genug und schien sich besonders vor den Klippen der Bizet-Arien zu fürchten. Markus Bruker, der sein Instrumentaltrio vom Flügel aus leitete, hatte etwas zu oft das Pech, die richtigen Töne zu verfehlen. Schade auch, dass das unterhaltende, zunächst von vielen Gags durchsetzte Stück nach der Pause Spannung verlor und nicht mehr so viel zu erzählen hatte.

„Mord auf Backbord“ weitere Termine: 1. / 13. / 15.2, 7.3., 10.5. www.opernloft.de