Konzertkritik

Adel Tawil bringt Familien-Feeling in die Barclaycard-Arena

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Christoph Heinemann
Für jeden was dabei: Adel Tawil bei seinem Konzert in der Barclaycard-Arena

Für jeden was dabei: Adel Tawil bei seinem Konzert in der Barclaycard-Arena

Foto: Imago/xim.gs

Der Pop-Musiker zückte in schneller Folge seine Trümpfe, um Stimmung in den Abend zu bringen. Es ist ihm gelungen.

Hamburg. Er sieht wohl, dass eine Aufgabe auf ihn wartet: Ein wenig verstreut stehen die Zuschauer im Innenrund der Barclaycard-Arena, einige Löcher prangen auf den Rängen. "Hallo Hamburg!", ruft Adel Tawil trotzdem mit großem Honiggrinsen in die noch eher nordisch-kühl dreinblickenden Gesichter. Wer sich an diesem Donnerstagabend nur ein wenig von Wohlfühl-Pop berieseln lassen will, hat die Rechnung offensichtlich ohne den Protagonisten gemacht.

Beim ersten großen Hit ist es mit der Zurückhaltung des Publikums vorbei

Der frühere "Ich + Ich"-Frontmann (und noch frühere Boyband-Sänger) zückt in schneller Folge seine Trümpfe, um Stimmung in den Abend zu bringen: Zum Bassgewummer von "Katsching" stapft er in Hip-Hop-Manier über die Bühne, singt wechselnde Damen ganz links am Rand mit eindringlichstem Charmeursblick an, führt mit der Band einen kleinen Tanzschritt auf, kreiselt, lacht. Und liefert jeden Ton mit zarter Rauchnote auf den Punkt, woran andere in der Arena schon scheppernd gescheitert sind.


Spätestens zum ersten großen Hit "Vom selben Stern" ist es vorbei mit der Zurückhaltung, Pärchen gehen in den Engtanz, mittelalte Frauen auf der Tribüne johlen das "Oh-Oh" im Takt und brechen in Gelächter aus. "So machen wir weiter", sagt Adel Tawil und lächelt dankbar nach oben.


Schon ein Dutzend größere Hits im Lebenslauf zu haben, macht entspannt: Tawil grüßt noch einmal jeden Teil des Saals einzeln, neckt Zuschauerinnen und feuert "Ist da jemand", "Stadt" und "Stark" ab. Die Songs vom neuen Album "Alles bleibt" fallen genauso wenig ab, wie sie auffallen: Harmlose, nie zu tief schürfende Songs, die dafür wie gebuttert den Weg ins Gehör finden.

Tawil badelt zu "Pflaster" im Publikum

Nur ab und an gönnt sich Adel Tawil kleinere Ausflüge, etwa in Reggaegefilde ("Hawaii") oder Politik ("Atombombe"). Lieber schraubt er dagegen am Familien-Feeling in der großen Arena, holt zwei Kinder auf die Bühne, freut sich über die "drei oder vier Generationen, die oft bei meinen Konzerten sind". Erzählt von einem Badeunfall in Ägypten, der ihn dazu gebracht habe, das Leben ganz anders wertzuschätzen.


So greift die Botschaft dieses Mannes immer weiter um sich: Bärtige Männer tanzen und singen mit ihren Töchtern auf der Schultern zu "Lieder", dann singen alle Altersklassen "So soll es sein, so kann es bleiben".


In der Zugabe weht zu "DNA" der große Liebessturm zu Handylichtern durch die Arena, dann badet Tawil zu "Pflaster" im Publikum, herzt seine euphorisierten Fans. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer ehrlich mit sich im Reinen ist, gibt einen großen Entertainer ab. Und reißt auch die vorsichtigsten Nordlichter mit.

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