Hamburg

Schauspielhaus: Max Goldt über das Hauruck beim Sex

Max Goldt las im Hamburger Schauspielhaus (Archivbild).

Max Goldt las im Hamburger Schauspielhaus (Archivbild).

Foto: Axel Martens

Der Humorstilist las "Altes und Neues" im Schauspielhaus und erinnerte dabei ein bisschen an Gustav Peter Wöhler.

Hamburg.  Gut sieht er aus, der Herr Goldt. Dunkles, kariertes Sakko, helles Hemd, Bundfaltenhose, klassischer Schick. Der frühere Hang zur Pummeligkeit ist mit 61 einer interessanten Eckigkeit gewichen, alles an Goldt wirkt quadratisch, praktisch, gut, und wenn er seine Brille aufsetzt, um mit vorgeschobenem Kopf zu lesen, erinnert er ein wenig an Gustav Peter Wöhler. Nicht die schlechteste Assoziation.

Im Schauspielhaus in Hamburg liest Max Goldt die neue Geschichte „Durchs Seitenfensterchen“. Ein junger, nicht uneitler Hochschullehrer bekommt da „anerkennende Blicke“ zugeworfen, aber der Protagonist weiß, dass Anerkennung sich strikt auf die fachliche Ebene zu beschränken hat. Entsprechend ist der Einstieg dieses Textes bezüglich Goldts Outfit natürlich eine Unverschämtheit: Es soll nicht darum gehen, dass Goldt gut gealtert ist, es soll darum gehen, was und wie Goldt liest!

Max Goldt: Selbst Schlunzen ist bei ihm noch goldig

Also, was liest er? Laut Ankündigung liest er „Altes und Neues“, womit eigentlich schon alles gesagt ist. Ganz alt: der Songtext „Was ist super?“, 1988 als Teil des Popduos Foyer des Arts entstanden. Neu: die Comicszenarien, die Goldt seit 1996 gemeinsam mit dem Zeichner Stephan Katz entwickelt und die er mittlerweile auch als eigenständige, ohne Bilder funktionierende Kunstform schreibt. „Comic-Dramolette“ nennt Goldt das, und dabei entstehen hübsche Miniaturen: „,Was sagen Heteromänner beim GV?‘ ,Weiß nicht. Hauruck?‘“ Kicher.

Goldt ist häufig im Schauspielhaus zu Gast, zuletzt vor etwas über zwei Jahren, ein Großteil des Publikums weiß, was es erwartet – auf eine gewisse Weise hat die Lesung einen konservativen Charakter. Und in seinem Stilbewusstsein, in seiner Freude an Sprachspielereien, auch in seiner zunehmenden Kauzigkeit ist Goldt natürlich selbst ein Konservativer im besten Sinne. Im 1997er-Text „Affige Pizzen“ singt er das Hohelied von Männern namens Alexander, Reinhold oder Gustav, und dass von denen mehr zu erwarten sei als von Christians. Bisschen elitär? Klar.

Wissenswertes zum Deutschen Schauspielhaus in Hamburg:

  • Das Schauspielhaus im Stadtteil St. Georg ist mit 1200 Plätzen die größte Sprechbühne Deutschlands
  • Eröffnet wurde das Schauspielhaus am 15. September 1900 mit einer Aufführung der Iphigenie auf Tauris
  • Karin Beier ist Intendantin des Schauspielhauses
  • Zum Emsemble des Schauspielhauses zählen unter anderem Charly Hübner, Ute Hannig, Nina Wollny, Devid Striesow und Michael Wittenborn

Aber: Der darf das. Der darf sich an barocken Wortdrechseleien erfreuen, der darf „den Zahn der Zeit von Zeit zu Zeit“ lähmen (aus „Gedanken bei der Cranio“, 2009), der darf auch mal einen Text hinschlunzen wie die Eröffnungsrede zur Ausstellung „Lachen. Kabarett.“ im Literaturarchiv Marbach, „Humor und so“. Weil: Selbst Schlunzen ist bei Goldt noch goldig. Oder zumindest ästhetisch überzeugend.