Schauspielhaus-Kritik

Martin Sonneborn: „Die AfD versteht das ohnehin nicht“

Martin Sonneborn, Satiriker und Mitglied des Europäischen Parlaments.

Martin Sonneborn, Satiriker und Mitglied des Europäischen Parlaments.

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Seeger

Spitzzüngiger Giftzwerg: Satiriker und EU-Abgeordneter Martin Sonneborn (Die Partei) sorgte für ein ausverkauftes Schauspielhaus.

Hamburg. Die Zehnerjahre endeten mit der unerquicklichen Diskussion, ob ein eher unoriginelles Kinderlied als Satire durchgehe und was Satire überhaupt dürfe. Weswegen es nur folgerichtig ist, das neue Jahrzehnt mit dem wahrscheinlich talentiertesten Satiriker des Landes zu beginnen: Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur des Magazins „Titanic“, Gründer der Partei Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz „Die Partei“, seit 2014 Mitglied des Europaparlaments. Sonneborn liest unter dem Titel „Krawall und Satire“ – und sorgt für ein ausverkauftes Schauspielhaus am Donnerstagabend.

Es geht um Martin Sonneborns Politik-Karriere

„Krawall und Satire“? Im Grunde geht es ausschließlich um Sonneborns Karriere als Politiker, um seine Fahrtkostenabrechnungen zwischen Berlin und Brüssel (lustig), um seine Begegnungen mit anderen Abgeordneten wie dem Christdemokraten Elmar Brok (absurd), um die Wahlkämpfe der Partei, die sich unter anderem durch die subversive Übernahme von Konkurrenzstrategien auszeichnen (künstlerisch nicht uninteressant).

Indem er mit der eigenen Unbedarftheit kokettiert („Ich bin kein Mann für Sacharbeit“), unterschlägt Sonneborn allerdings, dass seine Partei in Brüssel durchaus ernstzunehmend Politik macht: tendenziell linksliberal, tendenziell ironisch, tendenziell menschenfreundlich.

Martin Sonneborn spöttelt über die AfD

Seine Positionierung gegen Rechts jedenfalls nimmt man ihm sehr wohl ab, auch wenn er spöttelt, dass man das Wahlplakat „Liberté, Egalité, FCKAfDé“ unbehelligt vor jeden AfD-Stand stellen könne: „Die verstehen das ohnehin nicht.“

Vor allem aber ist der Satiriker/Politiker Sonneborn ein spitzzüngiger Giftzwerg. „Guten Abend, hier in Dings“, begrüßt er das Hamburger Publikum – der Mittfünfziger, der optisch immer mehr den Habitus „Strenger aber fairer Oberstudienrat“ pflegt, macht sich mit sardonischem Grinsen unmöglich.

Und stellt so von vornherein klar, was Satire darf: nerven. Unangenehm sein. Keine Rücksicht nehmen. Was Satire nicht grundsätzlich sein muss: originell, Sonneborn darf auch mal über die SPD witzeln. Um die Jahresend-Diskussion endlich abzuschließen.