Konzertkritik

Peter Kraus: Der ewige Rock'n'Roller feiert drei Jubiläen

Peter Kraus in der Laeiszhalle: 80 Jahre alt? Kann doch gar nicht sein.

Peter Kraus in der Laeiszhalle: 80 Jahre alt? Kann doch gar nicht sein.

Foto: Roland Magunia / HA

Dass Kraus 80 Jahre alt ist, muss man wissen: Sonst würde es einem nicht auffallen bei der musikalischen Zeitreise in der Laeiszhalle.

Hamburg. Wer noch einen lebenden Beweis sucht, dass Musik jung hält, der kommt an dem Besuch eines Konzerts von Peter Kraus nicht vorbei. Um Punkt 20 Uhr betrat am Freitagabend ein strahlender Sänger die Bühne in der restlos ausverkauften Laeiszhalle und erzählte den Besuchern erst einmal, dass er heuer drei Jubiläen feiere. „Im März meinen 80. Geburtstag.“ Applaus! „Im Oktober meine Goldene Hochzeit.“ Beifall! „Und das ist jetzt meine fünfte Abschiedstournee.“ Jubel! So geht das, wenn man sein Publikum gleich mit den ersten Sätzen in den Griff bekommt.

In der Hand hält er einen Barhocker. „Schauen Sie, der ist aber nicht für mich, sondern für meinen Bassisten, denn der geht stramm auf die 50 zu.“ Viel älter sieht er auch nicht aus. Blaues Jeanshemd, blaue Jeans, weiße Turnschuhe, volles Haar, rank und schlank. Und den Hüftschwung beherrscht er wie vor 65 Jahren, als er das Gitarre spielen lernte und von seinen Idolen träumte: Sammy Davis Jr., Ella Fitzgerald und Frank Sinatra.

Als der Rock ‘n’ Roll nach Europa schwappte und Peter Kraus zum ersten Mal Bill Haleys „Rock Around The Clock“ hörte. Als sein Vater, der bekannte Sänger, Schauspieler und Regisseur Fred Kraus, ihm ein Grundig-Tonbandgerät schenkte und er vom amerikanischen Soldatensender AFN alle Rock ‘n’ Roll-Titel übte. Tag und Nacht.

"Schön war die Zeit" – schön ist die Zeit mit Peter Kraus

Schon ein Jahr zuvor hatte er als 14-Jähriger seine erste Filmrolle in Erich Kästners „Fliegendem Klassenzimmer“ bekommen. Doch nun will der gebürtige Münchner, der in Salzburg, Wien und München zur Schule gegangen ist, Sänger werden. Rock-Star. Einer, dem die Mädchen zu Füßen liegen. Er wurde Sänger, Schauspieler, Entertainer, TV-Produzent. Eine lebende Legende. Vor 60 Jahren bekamen die Mädchen Weinkrämpfe bei seinem Anblick und bemalten sein Auto mit Lippenstiften. Heute sitzen sie glücklich in den Konzertsälen und können jede Zeile mitsingen. „Schön war die Zeit.“

Schön ist auch die musikalische Zeitreise mit Peter Kraus durch die 1950er und 60er Jahre. Er singt sich problemlos durch alle Genres. Er covert und spielt immer wieder auch eigene Songs. Er macht das, worauf er Lust hat. Rock ‘n’ Roll, Swing, Twist, Calypso, Schlager. „Tutti Frutti“, „Banana Boat Song“, „So wie ein Tiger“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, „Pretty Woman“, „Don’t Be Cruel“. Und „Sag mir, wo die Blumen sind“, diesen großartigen Antikriegssong von Pete Seeger, der von Max Colpet ins Deutsche übersetzt, 1962 erstmals von Marlene Dietrich gesungen wurde, „und leider immer noch hochaktuell ist“.

Ein Wohnzimmerkonzert vor 1400 Menschen in der Laeiszhalle

Peter Kraus trifft jeden Ton, er hat sämtliche Texte im Kopf und muss nur ab und an mal auf die Setlist schauen, um bei diesem Rock ‘n’ Roll-Ritt durch drei Jahrzehnte den Überblick zu behalten. Unterstützt wird er von einer hervorragenden Combo um den Bandleader, Schlagzeuger und Arrangeur Guido Jöris. Sie alle beherrschen ihr Handwerk großartig und haben auch auf dem zwölften Konzert seiner großen Jubiläumstour, die im November in Wien begonnen hat und am Sonntag in Berlin endet, sichtlich Spaß auf der Bühne. Der Chef lässt ihnen genügend Raum für Soloparts, bei denen sich vor allem André Tolba an der E-Gitarre und Berthold Matschat mit der Mundharmonika hervortun.

„Ich möchte, dass mein Publikum die Größe des Saals vergisst und glaubt, bei mir im Wohnzimmer zu sein“, sagt Peter Kraus. „Ich werde erzählen, natürlich alles mit einem Augenzwinkern, wie ich zum Rock ‘n’ Roll kam und wie sehr ihm die Eltern ein rasches Ende wünschten.“ Es sind diese Geschichten zwischen den Liedern, die sie alle im Publikum kennen, weil jeder sie vor 50 oder 60 Jahren auch genau so erlebt hat.

Peter Kraus hat für das Alter vorgesorgt – mit einem Weingut

Und natürlich darf Peter Kraus auch zwischendurch mit einem Tablett voller Weißweingläser auf die Bühne kommen, die er nach einem Song den beiden Chorsängerinnen Christiane Eiben und Sandie Wollasch („ich glaube, sie kennt alle Songs der Welt“) sowie Markus Gahlen, der auch als Gitarrist überzeugt, überreicht. Um natürlich lächelnd darauf hinzuweisen, dass der prämierte Rebensaft von seinem eigenen Weingut in der Steiermark kommt. „Irgendwas muss ich ja später machen, wenn ich nicht mehr auf der Bühne stehe, ich kann ja nicht faul auf dem Sofa liegen.“

Doch wie es aussieht, wird das noch einige Jahre dauern. Und wer nach dem Konzert von Peter Kraus noch nicht genug hatte, kaufte sich am Merchandising-Stand eine Flasche Peter-Kraus-Wein. Im Geschenkkarton für 30 Euro. Oder zwei für 50.