Barclaycard Arena

Lisa Stansfield: Nur 2100 Fans – die aber jubeln wie 12.000

Lisa Stansfield veröffentlichte vor 30 Jahren ihr Debütalbum „Affection“.

Lisa Stansfield veröffentlichte vor 30 Jahren ihr Debütalbum „Affection“.

Foto: Ian Devaey

Seit 30 Jahren wird zu „All Around The World“ getanzt – auch beim alles andere als ausverkauftem Konzert in Hamburg.

Hamburg.  Hamburger Fans des klassischen britischen Soulpops der 80er- und 90er-Jahre haben derzeit so einige Wiedersehen zu feiern: Simply Red kommt am 29. Oktober 2020 in die Barclaycard Arena. Und Lisa Stansfield, die wie Simply-Red-Sänger Mick Hucknall dann und wann mit Songschreiber Andy Wright arbeitete, war bereits am Mittwoch zu Gast in der Arena in Bahrenfeld. Oder besser gesagt in der halben Arena. Bei der so genannten Theater-Variante der Barclaycard Arena steht die Bühne in der bestuhlten Saalmitte, Oberrang und hintere Hälfte sind abgehängt. So ist Platz für 4000 statt für 12.000 Besucher.

Zu Lisa Stansfield (53) kamen nur 2100 Zuschauer, ungefähr so viele wie im Mai 2018 im Mehr! Theater, aber die Halle wirkte nicht leer, und musikalisch wurden wie schon im Vorjahr keine Wünsche offen gelassen. Am Mittwoch stand Stansfields Debütalbum „Affection“ im Mittelpunkt des Programms. 1989 erschienen, wurde es ein riesiger Erfolg sowohl bei Kritikern als auch bei fünf Millionen Käufern, die die Platte aus den Regalen der Händler rissen und den Rest des Tages tanzten. In Hamburg brauchte es trotz früher Einladung von Stansfield fünf Lieder, bis sich das Publikum nach „Affection“, „Mighty Love“, „Sincerity“ und „The Way You Want It“ beim Hit „This Is The Right Time“ aus dem Gestühl schwang – höchste Zeit!

Lisa Stanfields Sound war dynamisch, aber zu basslastig

Die zehnköpfige Band inklusive Mick-Hucknall-Doppelgänger Dave Oliver an den Keyboards spielte wie schon im Mehr! Theater punktgenau und blitzsauber und brachte trotz der mäßigen Hallenakustik mehr – etwas zu basslastige – Dynamik in den auf „Affection“ doch sehr flachen 80er-Sound. Alles war auf das Nötigste reduziert. Das galt auch für das Bühnenbild, das lediglich aus einem „Lisa“-Transparent bestand, und für Stansfields recht kurze Zwischenansagen.

Kein Schnickschnack, dafür Balladen und Dancefloor-Feger, „The Love In Me“, „When Are You Coming Back“, „Wake Up Baby“ und „das Lied, mit dem alles begann“: „Big Thing“ war ein erfolgreicher Song des Trios Blue Zone, in dem Stansfield von 1984 bis 1988 sang. Er war der Grundstein ihrer Solokarriere, die mit dem nächsten Lied ihren absoluten Höhepunkt erreichte: „All Around The World“ ließ die Fans in der Arena singen, tanzen oder zumindest mitwippen. Das mag einem großen Nostalgiefaktor geschuldet sein, aber auch „The Real Thing“ von 1997, als die Karriere schon etwas Fahrt verloren hatte, kam an diesem Abend sehr gut an.

Zum Finale wurde Stansfield noch kurz politisch

Ein kurzer Blick in den Futterstand-Umlauf zeigte gähnende Leere, ein gutes Zeichen für die Aufmerksamkeit der 2100 Besucher, die 90 Minuten lang absolut nichts verpassen wollten – besonders ein Paar, das fast das komplette Konzert filmte: Er im Hochformat, sie im Querformat. Na denn.

Die anderen tanzten lieber noch eine Runde zu „People Hold On“, und zum Schluss hatte Lisa Stansfield eine besondere Botschaft vor der Zugabe „Live Together“: „Ich bin stolz, mich eine Europäerin nennen zu dürfen“, sagte die Brexit-Gegnerin. Und da jubelten die 2100 wie 12.000.