Berlin. „Euphoria“-Star Sydney Sweeney spielt die Whistleblowerin Reality Winner. Ein politischer Film, der vermutlich nicht zufällig vor den anstehenden US-Präsidentschaftswahlen herauskommt.

Es wirkt wie ein banaler Samstagnachmittag im Bundesstaat Georgia, USA - doch das Leben von Reality Leigh Winner ändert sich für immer. Die vom amerikanischen Geheimdienst NSA beauftragte Übersetzerin und US-Luftwaffenveteranin soll Informationen über die russische Einmischung in die US-Wahlen 2016 an Journalisten weitergegeben haben. Im Juni 2017 erscheinen zwei FBI-Agenten vor ihrem Haus.

Das Drama „Reality“ erzählt von der damals 25-jährigen Whistleblowerin, die 2018 zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde. Kritiker des damaligen US-Präsidenten Donald Trump sagen, dass sie wegen Mithilfe bei der Aufdeckung von Ungereimtheiten bei der Präsidentschaftswahl zu einer Zielscheibe der Trump-Regierung wurde. Dass „Reality“ im Jahr herauskommt, wenn erneut US-Wahlen stattfinden, ist vermutlich kein Zufall.

Verhörprotokolle des FBI

In der Hauptrolle des Films überzeugt die US-Amerikanerin Sydney Sweeney, die mit der gehypten Serie „Euphoria“ bekannt wurde. Regisseurin Tina Satter stützt ihr Drehbuch auf die echten Verhörprotokolle des FBI. Eins zu eins überträgt sie das Protokoll ins Skript. Der Film schildert den Moment, in dem sich für die junge Frau alles ändert.

Man sieht eine eher schüchterne, CrossFit-begeisterte Frau und zwei relativ ungeschickte Agenten (gespielt von Josh Hamilton und Marchánt Davis). Sweeney kann ihr schauspielerisches Talent in diesem Kammerspiel voll ausschöpfen.

Die Situation ist beklemmend. Winner wiederholt mehrmals, dass sie kooperieren wolle, die Agenten betonen ständig, dass sie einen Durchsuchungsbefehl haben. Während sie mit Winner plaudern, durchsuchen andere ihr Haus.

Dass Reality Winner als Sündenbock herhalten musste, warfen manche auch den Verantwortlichen der Website „The Intercept“ vor, die die Geheimdaten veröffentlicht hatte. Die Redaktion habe es versäumt, die Identität ihrer Quelle zu schützen.

Vereinzelt erhält man Einblicke in die Realität mit eingeblendeten Instagram-Beiträgen der 25-Jährigen. Wann immer es in den Protokollen zu einer Schwärzung kommt, stürzt das Bild ab oder die Charaktere verschwinden. Eine interessante Art, mögliche Zensur darzustellen.

„Reality“ feierte 2023 bei der Berlinale Premiere, Satter hatte das FBI-Verhör zuvor bereits als Theaterstück mit dem Titel „Is This a Room“ inszeniert.

Reality, USA 2023, 83 Min., von Tina Satter, mit Sydney Sweeney, Josh Hamilton, Marchánt Davis

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