Kino

Ein Nationaltorwart, der jetzt als Regisseur Karriere macht

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Volker Behrens
Hannes Thor Halldórsson stand bei der Fußball-WM 2016 im isländischen Tor.

Hannes Thor Halldórsson stand bei der Fußball-WM 2016 im isländischen Tor.

Foto: Maximilian Haupt / picture alliance/dpa

Der Isländer Hannes Thor Haldórsson ist ein großer Fan von Manuel Neuer – nun feiert er mit der Komödie „Cop Secret“ sein Kinodebüt.

Hamburg. Hördur und Bussi halten sich für die größten Polizisten unter der Sonne. Irrtümlich. Sie ermitteln in Reykjavík – am liebsten bei Raubüberfällen, bei denen gar nichts gestohlen wurde. Und dann entdecken sie auch noch ihre Zuneigung zueinander. Das passt so gar nicht zu ihrem Bild von Männlichkeit. Regisseur Hannes Thor Haldórsson nimmt in seinem Spielfilmdebüt „Cop Secret“, der jetzt im Kino läuft, jede Menge US-Action-Thriller auf die Schippe.

Die Komödie avancierte zum erfolgreichsten isländischen Film – und ist doch so anders als die Arthouse-Filme, die man sonst von der künstlerisch so produktiven Insel kennt. Bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck wurde das Werk als bester Debütfilm ausgezeichnet. Den Regisseur kennt auf Island fast jedes Kind – allerdings nicht als Filmemacher, sondern als Torwart der Fußballnationalmannschaft.

Kino: Filme sind die Leidenschaft des Ex-Fußballers

Hamburger Abendblatt: Wann haben Sie entdeckt, dass Sie nicht nur ein sehr guter Fußballer, sondern auch ein Geschichtenerzähler sind?

Hannes Thor Haldórsson: Da war ich noch sehr jung. Schon als Kind habe ich versucht, Kurzgeschichten zu schreiben. Als ich das Filmemachen entdeckt habe, wusste ich, ich habe mein Interesse, Hobby und meine Leidenschaft gefunden. In der Schule bin ich Mitglied im Videoclub geworden. Die ganze Schule hat sich unsere Kurzfilme angesehen. Es war zwar eher eine Berufsschule, aber mir kam es vor wie eine Filmschule. Gelernt habe ich zwischen 16 und 20 nicht so viel, weil ich meine ganze Zeit dem Filmemachen geopfert habe. Da habe ich viel gelernt. Ich hatte immer den Drang, mich irgendwie auszudrücken.

Hatten Sie einen Plan B?

Haldórsson: Keinen klaren. Lange Zeit sah es nicht einmal so aus, als ob ich ein Fußballer werden sollte, weil ich fünf Jahre lang verletzt war. Ich habe meinen Trainer angerufen und ihm gesagt: Das war’s. Ich habe damals schon Musikvideos und Werbung gemacht. Fußball konnte ich nicht spielen, weil ich mir ständig die Schulter ausgekugelt habe. Aber irgendwie brannte in mir immer noch dieses Feuer, weil ich als junger Spieler ein guter Torwart gewesen war. Also habe ich gesagt: Einen Versuch kannst du noch riskieren.

Ich musste ganz unten in der isländischen Fußballliga wieder anfangen. Gleichzeitig habe ich als Filmemacher gearbeitet. Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich in der ersten Liga spielen konnte. Mit 28 Jahren durfte ich in die Nationalmannschaft. In die beste Mannschaft, die Island bis dahin hatte. Es war wie ein Märchen.

Haldórsson castet Nationalmannschaft für Werbespot

Wie passten die zeitintensive Fußballkarriere und das parallele Filmemachen zusammen?

Haldórsson: Nicht gut. Sowohl dem Fußball als auch dem Filmemachen muss man sich mit der ganzen Energie widmen. Man muss ständig Kompromisse machen. Ich bin jeden Tag um vier Uhr aufgestanden, um trainieren zu können. Meinem Trainer, meinen Filmkollegen und meiner Frau ging das irgendwann auf den Keks. Dann habe ich mich auf den Fußball konzentriert, was viel länger dauerte, als ich erwartet hatte: sechs Jahre. Kurz vor der WM 2016 habe ich meinen bekanntesten Werbespot gedreht, es ging um Coca-Cola. Die gesamte Nationalmannschaft hat mitgespielt, es war ein Feelgood-Spot und drehte sich um unseren damaligen Schlachtruf „Hu“.

Wie lief der Dreh für „Cop Secret“?

Haldórsson: Es war sehr schwierig. Dies ist natürlich ein Low-Budget-Film, und wir haben den Film in nur 20 Tagen gedreht, das war sehr sportlich. Ich hing ständig meinem eigenen Zeitplan hinterher. Und dann war ja da auch noch der Fußball. Meinem Trainer war es völlig egal, dass ich nebenbei einen Film drehte. Er wollte, dass ich pünktlich zum Training erschien. Ich musste ihn am Ende um einen freien Tag extra bitten. Er mochte das gar nicht, hat ihn mir aber gewährt. Es war ein Albtraum.

Und dann wurden Sie mit dem Film zum Festival nach Locarno eingeladen. Wie haben Sie auf die Nachricht reagiert?

Haldórsson: Ich kannte mich zwar in der Werbung aus, aber nicht im Festival-Zirkus. Als mich meine Produzentin anrief, um mir zu sagen, dass wir eingeladen sind, habe ich sie gefragt: Aha, und was bedeutet das? Sie ist ausgeflippt.

Wie ist der Film auf Island gelaufen?

Haldórsson: Sehr gut. Schon am Startwochenende hat er den Kassenrekord gebrochen.

Haben Sie als Regisseur Vorbilder?

Haldórsson: Ich bin mit den Hollywood-Filmen von Spielberg, Tarantino und Cameron aufgewachsen. „Cop Secret“ hat mir eine Tür zu einer neuen Welt des Filmemachens geöffnet, aber ich muss noch viel lernen.

Und im Tor? Gibt es da ein Idol?

Haldórsson: Manuel Neuer ist der Beste. Mein letztes Spiel habe ich in Reykjavík gegen die deutsche Nationalmannschaft gemacht. Leider haben wir 0:4 verloren. Nach dem Spiel habe ich meine beiden Kinder von der Tribüne in den Kabinengang geholt. „Manu, das war mein letztes Spiel, und die beiden sind deine größten Fans“, habe ich ihm gesagt. Er hat ihnen sofort seine Handschuhe und sein Trikot geschenkt.

„Cop Secret“ 100 Min,. ab 16 J., im Zeise

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