Hamburg

Das Alabama zeigt ein deutsch-dänisches Kino-Melodram

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Von Liebe und Krieg Filmszene Filmfotos Film Kino 2020 Sebastian Jessen und Rosalinde MynsterGroße Gefühle: Sebastian Jessen und Rosalinde Mynster

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Foto: TamtamFilm

Regisseur Kaspar Torsting erzählt in „Von Liebe und Krieg“ einen 100 Jahre alten Konflikt zwischen Dänen und Deutschen.

Hamburg. Mit dem Krieg in Frankreich hat Esben Mikkelsen (Sebastian Jessen) eigentlich nichts zu tun, Dänemark verhält sich im Ersten Weltkrieg neutral. Doch Preußen hatte 1864 Teile Dänemarks annektiert, nach der Reichsgründung gehörten diese Teile des Herzogtums Schleswig zu Deutschland. Esben und 30.000 weitere Dänen mussten für Deutschland kämpfen.

Nachdem er 1917 die Schlacht von Cambrai knapp überlebt und sogar noch einen feindlichen Panzer geknackt hat, schießt Esben sich in die Hand und darf als Kriegsheld in seine Heimat nach Schleswig zurückkehren. Doch er hat Schwierigkeiten, sich nach dreijähriger Abwesenheit zurechtzufinden. Der deutsche Offizier Gerhard (Tom Wlaschiha, fieser Nazidarsteller in der TV-Serie „Das Boot“) macht seiner Frau Kristine (Rosalinde Mynster) den Hof, unterstützt sie und ihren kleinen Sohn. Als er Esben wieder zurück aufs Schlachtfeld schicken will, versucht dieser mit seiner Familie zu fliehen. Doch er wird verraten, kann sich aber auf dem Dachboden seines eigenen Hauses verstecken.

„Von Liebe und Krieg“: Schauspieler überzeugen

Regisseur und Drehbuchautor Kaspar Torsting wählt in „Von Liebe und Krieg“ das Melodram, um eine 100 Jahre alte Geschichte aus dem Konflikt zwischen Dänen und Deutschen zu erzählen. Er interessiert sich jedoch mehr für die privaten Gefühle seiner Protagonisten als für die gesellschaftlichen Spannungen, die zwischen den Volksgruppen herrschen. Die deutschen Besatzer und ihre dänischen Kollaborateure geben den Ton an und missbrauchen ihre Macht, den Dänen bleibt nur Unterwerfung, Stillschweigen oder Flucht.

Die Stärken von Torstings Film liegen in der starken Schauspielerriege, die er aufbietet. Neben den oben Genannten überzeugt auch Thure Lindhardt. Seine Figur des dänischen Offiziers Hansen ist ein bösartiger und feiger Opportunist, der nicht vor Mord und Vergewaltigung zurückschreckt. Auch die Bilder von Kameramann Jesper Tøffner sind von großer Schönheit und verstärken viele melancholische Momente des Films. Nur das Ende dieser Historie wirkt wenig glaubhaft und arg übertrieben. Es scheint, als habe Torsting dabei Michael Curtiz’ Klassiker „Casablanca“ vor Augen gehabt.

„Von Liebe und Krieg“ 103 Min., ab 12 J., läuft im Alabama. Am 21.10. um 20.30 gibt es dort eine Vorführung mit Produzent Dirk Decker.

( oeh )

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