Hamburg

Was das Cinemaxx mit Apple und McDonald’s verbindet

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Holger True
Die Kinos öffnen wieder: Das gilt auch für das Cinemaxx am Dammtor.

Die Kinos öffnen wieder: Das gilt auch für das Cinemaxx am Dammtor.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Die meisten Häuser der Kinokette sind wieder auf. Zunächst laufen wenig neue Filme an, berichtet der Cinemaxx-Chef im Interview.

Hamburg.  Als Mitte März der coronabedingte Shutdown kam, schlossen in Hamburg auch die drei Cinemaxx-Kinos. Inzwischen sind die Häuser am Dammtor und in Wandsbek wieder geöffnet – natürlich unter Wahrung der geltenden Abstandsregeln –, in Harburg wird derzeit ein lange geplanter Umbau durchgeführt.

Frank Thomsen, Geschäftsführer von Cinemaxx Deutschland, über erste Erfahrungen mit dem Neustart, reduzierte Eintrittspreise, die Hoffnung auf einen Sommer voller Blockbuster und die Konkurrenz zu Streaming-Diensten.

Herr Thomsen, im Januar haben Sie die Geschäftsführung von Cinemaxx Deutschland übernommen, Ihre ersten Monate hatten Sie sich vermutlich etwas anders vorgestellt...

Frank Thomsen Allerdings. Ende Januar war mit dieser Entwicklung natürlich noch nicht zu rechnen. Im Rückblick muss ich aber sagen, dass wir die Corona-Krise bisher gut gemeistert haben und jetzt nach vorne blicken.

Gab es Momente, in denen Sie dachten: Oh Gott, wo soll das alles enden?

Eigentlich nicht, weil wir uns immer auf das fokussieren, was wir selbst beeinflussen können, und uns schon im März, also direkt nach der angeordneten Schließung, ganz konkret damit beschäftigt haben, wie es weitergehen kann. Ich habe schnell den Kontakt zur Politik gesucht und sowohl Finanzsenator Andreas Dressel als auch Kultursenator Carsten Brosda ins Cinemaxx Dammtor eingeladen, um dort unser bis dahin erarbeitetes Sicherheitskonzept vorzustellen. Seitdem stehen wir in einem sehr guten, konstruktiven Dialog.

Wie ist der Neustart für Cinemaxx bisher gelaufen?

Es freut uns sehr, dass wir inzwischen wieder 23 Cinemaxx-Kinos, also drei Viertel unserer Häuser, geöffnet haben. Wir sind mit den Neustarts sehr zufrieden. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens werden ja seit Mitte Mai wieder hochgefahren, und wir sind der festen Überzeugung, als einer der führenden Kinobetreiber in Deutschland an diesem Prozess aktiv teilnehmen zu wollen. Was uns sehr freut, ist, wie intensiv sich die Besucher schon vorab mit den Sicherbestimmungen vertraut gemacht hatten und wie positiv diese angenommen werden. In Bielefeld hatten wir inzwischen eine behördliche Prüfung des Konzepts, auch von dieser Seite gab es ausgesprochen positive Resonanz.

Momentan sind fast keine Neustarts zu sehen. Was bedeutet das für Sie?

Als wir uns entschieden haben, die Kinos so früh wie möglich wieder zu öffnen, war uns klar, dass wir zunächst fast keine Neustarts haben würden. Wir sind aber überzeugt, dass wir diese Zeit jetzt nutzen können, um Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen aufzubauen. Bei einer Markterhebung wurde unlängst abgefragt, welche Freizeitaktivitäten Bundesbürger nach der Pandemie als erste wieder aufnehmen würden. Da lag der Kinobesuch auf Platz eins. Es gibt also ein großes Bedürfnis nach dem Kinoerlebnis. Außerdem haben wir zahlreiche Filme, etwa „Die Känguru-Chroniken“, „Parasite“ oder „Nightlife“, pandemiebedingt nur kurz spielen können, viele dieser Filme sind jetzt wieder zu sehen. Als Specials zeigen wir darüber hinaus Filme mit großem Fan-Potenzial, zum Beispiel sämtliche Teile der „Harry Potter“-Reihe oder mit „Inception“, „Interstellar“ und „Dunkirk“ drei Filme von Christopher Nolan, dessen Actionthriller „Tenet“ am 30. Juli ins Kino kommen soll.

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„Tenet“ ist also eine der großen Hoffnungen für den Sommer?

Selbstverständlich. Ich halte hier zwei Millionen Besucher in Deutschland für möglich. Wir erwarten aber auch viel von „Mulan“, der Fortsetzung von „Wonder Woman“ und dem neuen Bond, der mit „Keine Zeit zu sterben“ einen gerade besonders treffenden Titel trägt. Gleichwohl gilt: Die Saalkapazitäten sind derzeit begrenzt und niemand weiß, wie lange die Pandemie anhält. Unser Konzept ist jedenfalls auf eine Dauer von bis zu 18 Monaten ausgelegt.

Fürchten Sie, dass das Publikum langfristig zu Netflix & Co. abwandert?

Ganz klar: Nein! Kino und Streaming haben nichts miteinander zu tun, wenn man mal davon absieht, dass beides Filmliebhaber anzieht. Kino ist ein Gemeinschaftserlebnis, das ein Eintauchen in eine andere Realität ermöglicht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das ja unlängst bestätigt, als er erklärte, die heimische Couch könne das Kino nicht ersetzen.

Sie haben in den vergangenen Jahren zehn Millionen Euro in die Modernisierung Ihrer Häuser gesteckt, aktuell wird das Cinemaxx Harburg mit gepolsterten Ledersesseln, sogenannte Recliner, deren Sitzposition sich auf Knopfdruck verändern lässt, ausgestattet. Hätten Sie angesichts der Corona-Krise das dafür ausgegebene Geld jetzt lieber auf dem Konto?

Nein, wir müssen alles daran setzen, maximalen Komfort zu bieten und das Kino zum Erlebnis zu machen, wir wollen Vorreiter in unserer Branche sein. Apple hat das iPhone, McDonald’s hat den Big Mac, Amazon hat den Kindle – und wir haben den Recliner.

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Derzeit kosten 2-D-Filme bei Ihnen grundsätzlich 4,99 Euro. Wie lange werden Sie diesen Preis halten?

Wir sind der Meinung, dass wir für Filme, die schon vor der Pandemie gelaufen sind, nicht denselben Preis nehmen können wie für Filme, die jetzt neu starten. Mit dem Start von „Tenet“ werden wir unsere Preise wieder auf das frühere Niveau bringen, allerdings bleiben die älteren Filme auch dann günstiger.

Mit derzeit 4,99 Euro pro Kinokarte und stark reduzierten Saalkapazitäten werden Sie keine Gewinne machen können. In Österreich gilt ein geringerer Mindestabstand, in NRW ist schon die Rede davon, auf Abstände verzichten zu können, wenn bei Veranstaltungen genau nachvollziehbar ist, wer wo gesessen hat. Sind wir in Hamburg zu vorsichtig?

Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten keine Energie darauf verwendet, die Politik zu kommentieren. Wir halten uns an die jeweiligen Vorgaben, richten unsere Konzepte danach aus und konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können. Unser Blick geht schließlich nach vorn.

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